ESCH/ALZETTE
SIMONE MOLITOR

Gaymat-Festival: Bunt und laut für eine tolerante Gesellschaft und gegen Diskriminierung

Regenbogenfahnen bestimmten am Samstag das Stadtbild der Minettemetropole Esch/Alzette oder zumindest die „Place de l’Hôtel de Ville“. Gewohnt schrill, bunt und laut ging die 16. Auflage des Gaymat bei herrlichem Sonnenschein mit einem abwechslungsreichen Programm über die Bühne. Die Stimmung hätte nicht besser sein können: Die LGBTI-Community feierte ihre Rechte, feierte die Toleranz und die Akzeptanz der Gesellschaft.

Die ursprüngliche Bedeutung der Veranstaltung, die inzwischen zu einem großen Volksfest geworden ist, rückte zwar gelegentlich etwas in den Hintergrund, wurde aber keinesfalls komplett außer Acht gelassen. Längst nicht jeder ist nämlich in Luxemburg ausreichend durch das Gesetz geschützt. Diskriminierung bleibt ein Problem. Solange Homo- und Transphobie nicht aus der Welt geschafft sind und es außerdem noch Gesetzeslücken gibt, behält das Gaymat-Festival auch ein Stückchen seines kämpferischen Charakters.

Gesetze mit Lücken

In puncto Gleichstellung homosexueller gegenüber heterosexueller Menschen wurde mit der Öffnung des Ehe- sowie des Adoptionsrechts ein entscheidender Schritt in Luxemburg getan. Dass es bei manchen Gesetzen aber noch Verbesserungsbedarf gibt, hatte auch Gabriele Schneider, Präsidentin von „Rosa Lëtzebuerg“, vergangene Woche im „Journal“-Interview gesagt. Am Samstag ging es demnach nicht ausschließlich darum, „Party zu machen“, sondern vielmehr sollte erneut ein Zeichen gegen Diskriminierung gesetzt und verdeutlicht werden, woran es noch fehlt. Auf Sensibilisierung und Aufklärung wurde ebenfalls Wert gelegt.

Zum sechsten Mal fand das Gaymat-Straßenfest nun schon in Esch/Alzette statt. Zuvor hatte sich die schwul-lesbische Community alljährlich auf der hauptstädtischen Place d’Armes versammelt. Dort sei man aber irgendwann nicht mehr erwünscht gewesen, hatte Schneider bereits des öfteren in Interviews bedauert. Dass das Ganze nun traditionell in der Südmetropole stattfindet, stört niemanden. Die Gemeindeverantwortlichen haben sich das Gaymat-Festival nun sogar exklusiv über eine Konvention mit den Veranstaltern gesichert. Und ein weiteres wichtiges Zeichen wurde nach außen gesetzt: Esch will dem Netzwerk „Rainbow Cities“ beizutreten, dem auch Städte wie Köln angehören. Damit verpflichtet sich die Gemeinde, sich gemeinsam mit den anderen beteiligten Kommunen aktiv dafür einzusetzen, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie Trans- und Intersexuelle in den angeschlossenen Städten vollständig integriert werden, ohne Diskriminierung oder Gewalt in jeglicher Form ausgesetzt zu sein.

Menschenrechte weltweit

Das Gaymat stand in diesem Jahr nicht umsonst unter dem Motto „Gaymat for #HumanRights“. Es ging auch darum, über den Tellerrand zu blicken und auf die prekäre Lage von Menschen in der ganzen Welt aufmerksam zu machen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität Opfer von Gewalt und Diskriminierung sind. „Eine tolerante Gesellschaft ist ein erstrebenswertes Ziel“ war am Ende die wohl wichtigste Botschaft.