LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Neuer Wanderweg kombiniert mit neuen Wanderhütten kombiniert mit Esch2022-Animationen: Was das „Minett-Trail“-Konzept bringen soll

Im Süden gibt es bald viel Neues. Und wir sprechen nicht nur von der Europäischen Kulturhauptstadt Esch 2022. Seit etwa drei Jahren arbeiten zahlreiche Partner nämlich gemeinsam am Konzept „Minett-Trail“, dessen Rückgrat freilich ein rund 80 Kilometer langer Wanderweg sein wird, aber mit Vernetzungen weit darüber hinaus.

So sind in den elf Pro-Sud-Gemeinden (Bettemburg, Differdingen, Düdelingen, Esch-Alzette, Käerjeng, Kayl, Monnerich, Petingen, Rümelingen, Sanem und Schifflingen - 200 Quadratkilometer insgesamt mit 171.000 Einwohnern) elf originelle Wanderhütten vorgesehen für die der „Ordre des Architectes et des Ingénieurs-Conseils“ derzeit einen Architekturwettbewerb laufen hat. Das Konzept bettet sich ein in die Kandidatur des Minett für das UNESCO-Programm „Man and Biosphere“ (siehe Rahmen).

„Formidable Plattform“

Es soll möglichst viele Verbindungen mit der lokalen Hotellerie und Gastronomie herstellen sowie mit Herstellern von regionalen und lokalen Produkten. Und natürlich soll es startklar sein, um im Rahmen von Esch2022 „bespielt“ werden zu können. Wie genau letzteres vonstatten gehen soll, wusste Esch2022-Generaldirektorin Nancy Braun gestern noch nicht zu sagen, bezeichnete den „Minett-Trail“ allerdings als „formidable Plattform“ für Esch2022, deren Nutzung umgehend in Angriff genommen werde.

Feuer und Flamme für das Projekt ist von Anfang an auch das OAI, das mit der Gestaltung der neuen Wanderhütten eine außerordentliche Vitrine für das Können der hiesigen Architektur sieht. Die Kandidaturen für den Wettbewerb müssen bis Montag eingereicht sein, im kommenden März werden die Gewinner bekanntgegeben, welche die originellen Wanderhütten dann gestalten werden. Bauherren sind die jeweiligen Gemeinden. Zwischen 300.000 und 700.000 Euro soll ein Projekt kosten. Eine Bezuschussung aus dem nationalen Programm für Tourismusinfrastrukturen ist möglich.

Die Ziele sind hoch gesteckt: aufbauend auf der Attraktivität des natürlichen Umfelds im Minett, auf den Zeugen der Industriegeschichte, zukunftsweisenden Aktivitäten und einer engeren Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren soll ein nachhaltiger Schub für den Tourismus im Minett ausgelöst werden, der den Landessüden als interessante und qualitative Destination stärker national und international erstrahlen lassen soll.

Im Naturreservat „Lallenger Bierg“ bei Kayl  - Lëtzebuerger Journal
Im Naturreservat „Lallenger Bierg“ bei Kayl
„MAN AND BIOSPHERE“

Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung

Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hat bereits 1971 erste Impulse für ein Nachdenken über das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur gegeben, Impulse, die in dem Programm „Man and Biosphere“ (MAB) mündeten. Ursprünglich als wissenschaftliches Programm gedacht, hat es sich zum Ziel gesetzt, ein weltweites Netz von Biosphärenreservaten zu schaffen, von Modellregionen, die es schaffen, Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang zu bringen. Die Rekonversion des ehemaligen Bergbaugebiets Minett, wo über ein Jahrhundert lang die Stahlindustrie die Entwicklung bestimmte, ist dafür ein gutes Beispiel. Deshalb die Idee, die Gegend ins Netzwerk einzubringen, wovon sich nicht zuletzt auch mehr internationale touristische Visibiliät erhofft wird. Am 26. September wurde - nach intensiver Zusammenarbeit mit den Pro-Sud-Gemeinden und Bürgerversammlungen - die Kandidatur für MAB hinterlegt, wie Simone Beck, die Präsidentin der „Commission luxembourgeoise pour la coopération avec l’Unesco“ gestern erklärte. Ende Juni 2020 soll eine Entscheidung fallen. Simone Beck berichte gestern auch, dass Luxemburg seit einer Woche und für vier Jahre Mitglied der „International Coordinating Council“ für MAP ist. Dieser Rat ist für die übergeordnete Organisation, Planung und Koordinierung des MAB-Programms verantwortlich und setzt sich aus Vertretern und Vertreterinnen der über 30 UNESCO-Mitgliedsstaaten zusammen. Weltweit werden 669 Unesco-Biosphärenreservate in 120 Ländern gezählt.
Die emblematischen Hochöfen in Belval - Lëtzebuerger Journal
Die emblematischen Hochöfen in Belval

80 Kilometer Minett

So verläuft der neue Trail

Noch ist der Verlauf des „Minett-Trail“ nicht definitiv, weil noch eine Reihe von Konventionen mit Grundstücksbesitzern für das Wegerecht in Arbeit sind. Aber so ähnlich wie auf der nebenstehenden Karte könnte der neue Wanderweg verlaufen, mit dessen Beschilderung bereits im kommenden Jahr begonnen werden soll.
Wobei das Logo auf den Schildern dem „M“ im „Minett Tour“ gleichen soll. Diese Tour führt über 35 Kilometer und verbindet fünf Standorte mit unterschiedlichen thematischen Ausrichtungen miteinander.
Die Verbindung zwischen weitestgehend bestehenden Wanderwegen ist auch die Grundidee für den Minett-Trail. „Im Süden gibt es welche, die noch aus den 1920ern stammen“, erklärt Lynn Reiter, Direktorin des Tourismusbüros Süden, „der Verlauf ist oft nicht mehr aktuell und führt mittlerweile über Gefahrenpunkte, wie beispielsweise Autobahnauffahrten“. Ohnehin hatte das ORT den Auftrag vom Tourismusministerium, die bestehenden nationalen Wanderwege zu überprüfen.
Der „Minett-Trail“, den Reiter koordiniert, wird ein Etappen-Wanderweg sein über insgesamt rund 80 Kilometer, aus dem die Gefahrenpunkte beseitigt werden sollen. „Aber es reicht nicht aus, einen Wanderweg zu machen“, sagt Lynn Reiter, „der Besucher muss überrascht werden, er muss etwas besonderes entdecken können“.
Der Landessüden hat bereits durch seine Industriegeschichte, seine Architektur und seine oft besondere Natur bereits vieles zu bieten. Nun kommen durch die geplanten Wanderhütten noch einige Besonderheiten dazu.
Zum „Minett-Trail“-Konzept gehört aber neben einer starken Identität für den Wanderweg und dem dazugehörigen nationalen und internationalen Marketing eine stärkere Vernetzung mit dem regionalen Hotel- und Gastronomiegewerbe sowie mit den Herstellern lokaler Produkte.
Natürlich sollen die ganzen Bemühungen auch einen Niederschlag auf die regionale Wirtschaft haben. Laut gestern zitierten Angaben des Deutschen Wanderverbands gibt ein Wandertourist 69 Euro täglich aus und verbringt zwischen vier und fünf Nächte auf seinem „Trail“. Ein Großteil der Wandertouristen sind übrigens zwischen 55 und 65 und reisen allein oder zu zweit.

Lëtzebuerger Journal
Waggon und Wasserreservoir

Die elf geplanten Wanderhütten

Auf der Karte findet man die elf Wanderhütten, die im Rahmen des „Minett-Trail“ gemeinsam mit den beteiligten Gemeinden ausgewählt wurden und insgesamt 70 bis 80 Schlafplätze bieten werden. Die Nutzer sollen die Hütten unkompliziert reservieren und etwa mittels Codes Zugang haben können. Sie sollen dort auch etwa ein Picknick für die nächste Etappe erhalten können. Ein Dienstleister soll sich um das Management der Hütten kümmern, wenn sie bis fertig sind.

Käerjeng
Die ehemalige „Lënger Schoul“

Petingen
Ein ehemaliger Passagierwaggon der Bahn, der heute noch am Bahnhof Luxemburg steht, aber in Zukunft als Wanderhütte im „Fond de Gras“ fungieren wird

Differdingen
Eine ehemaliges Arbeiter-Reihenhaus in Lasauvage

Sanem
Neubau auf dem Grundstück eines ehemaligen Pavillon gegenüber des Bahnhofs Sanem/Lycée Belval

Esch-Alzette
Hier soll es „Pop Up“-Wanderhütten geben, also eine Art Wohnwagen. Die Minette-Metropole hat bekanntlich auch eine Jugendherberge und die originellen Baumhäuser im Tierpark auf dem Galgenberg

Schifflingen
Hier gibt es unweit des Leichtathletikterrains ein unterirdisches Wasserresevoir von zwölf Metern Durchmesser, das als Wanderhütte hergerichtet werden soll

Monnerich
Neubau beim Kulturzentrum „Beim Nëssert“ in Bergem

Kayl
Rehabilitierung eines ehemaligen Bergbau-Verwaltungsgebäudes in Tetingen

Rümelingen
Amenagierung des „Polverhaus“ oder „Maison Gonner“

Düdelingen
Auf den Kühlwasserweihern hinter dem „Centre National de l’Audiovisuel“ soll eine Wanderhütte in Form eines „Hausboots“ schwimmen

Bettemburg
Hier sollen die Wanderer im ehemaligen Eingangsportal in Burgenästhetik übernachten können