ESCH-BELVAL
CLAUDE KARGER

„Fonds National de la Recherche“ gibt zusätzliche Gelder für Parkinson-Studie

Wie ein Schlag in den Magen, gleichzeitig aber auch eine Erleichterung: So erinnert sich Corinne an ihre Parkinson-Diagnose, die sie im Dezember 2013 erhielt. „Zuvor wusste ich nicht, was mit mir los war, ich war in einer tiefen Depression“, erzählte die 52-Jährige gestern bei einer Pressekonferenz in Belval. „Ohne Medikamente könnte ich wohl heute nicht hier sitzen“, fährt sie fort und erklärt, dass „Parkinson eine Krankheit ist, mit der sehr schwer zu leben ist“. Sie hält sich mit Sport fit und investiert sich in Aktivitäten, die ihr gefallen, aber sie weiß, dass Parkinson nie mehr aus ihrem Leben verschwindet. „Ich hoffe, dass man sehr schnell ein Mittel dagegen findet“, sagt Corinne und appelliert an Kranke und gesunde Probanden, an der Luxemburger Parkinson-Studie teilzunehmen, deren Zwischenstand gestern vorgestellt wurde. Das tut auch Gérard, der über seinen Service Club mit der Parkinson-Forschung in Kontakt kam und sich für die Test-Serie am 2015 gegründeten „National Centre for Excellence in Research on Parkinson’s Disease“ (NCER-PD) gemeldet hat. So hat er einen Riechtest absolviert - man muss wissen, dass Parkinson zunächst den Geruchssinn zerstört -, machte einen Psychotest und Geschicklichkeitsspiele. Ein bisschen von seiner Haut lagert nun in der Biobank, damit sein genetisches Profil erstellt werden kann. „Machen Sie mit und sagen Sie es Ihrer Familie und Ihren Bekannten“, appellierte Gérard, „es tut nicht weh“.

Noch Teilnehmer an der großen Parkinson-Studie gesucht

Für die Parkinson-Forscher ist ungemein wichtig, dass sie über eine große Kohorte an Menschen verfügen, bei der sie, wie bei Corinne, die Entwicklung der Krankheit studieren können oder, wie bei Gérard, Vergleichswerte bei gesunden Bürgern haben. Das NCER-PD hatte sich deshalb zum Ziel gesetzt, eine Gruppe aus 800 Patienten und eine ebenso große Kontrollgruppe von Menschen ohne Parkinson zusammen zu stellen. Insgesamt über 1.400 haben sich gemeldet, jeweils 100 pro Gruppe fehlen also noch. Was die Herangehensweise des Exzellenzzentrums einzigartig macht: Die Patienten werden jährlich nachuntersucht. Es kommen also immer mehr Informationen zusammen.

Die Forscher untersuchen etwa die mikrobielle Zusammensetzung von Blut auf der Suche nach „dem Fingerabruck der Parkinson-Krankheit“, wie der Neurowissenschaftler und NCER-PD-Leiter Reijko Krüger erklärt. Es gibt auch Anzeichen, dass das Zusammenspiel zwischen Darmbakterien und Gehirnzellen Aufschluss über Erkennung und Behandlung von Parkinson gibt. Oder aber gewisse Schlafstörungen. Die Forschung an der Entschlüsselung der Parkinson-Krankheit ist aufwändig: „Man braucht einen langen Atem“, unterstreicht Krüger, dessen Team gemeinsam mit anderen Akteuren über die Grundlagenforschung hinaus auch ein integriertes Betreuungsprogramm für Parkinson-Patienten entwickelt hat und mittlerweile mit zahlreichen anderen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland eng zusammen arbeitet.

Weitere sechs Millionen über vier Jahre

Dazu zählen das „Luxembourg Centre for Systems Biomedecine“ der Uni Luxemburg, das „Luxembourg Institute of Health“, die „Integrated Biobank of Luxembourg“, das Nationale Gesundheitslaboratorium, das „Centre Hospitalier“ und Labore etwa in Oxford oder Tübingen. Auch Patientenverbände, Gesundheitsdienstleister und Krankenhäuser in Luxemburg und in der Großregion sind im Netzwerk des NCER-PD, dessen Arbeit von einer internationalen Experten-Jury mit hervorragenden Noten bewertet wurde.

Nun bekommt es erneut Schub durch den „Fonds National de la Recherche“: In einer ersten Phase (2015-2018) hatte der Forschungsfonds 8,3 Millionen Euro für das Exzellenzzentrum bereit gestellt.

Für die zweite Phase (2019-2023) kann es nun mit einer weiteren Förderung von sechs Millionen Euro rechnen. „Es gibt Projekte, die müssen längerfristig gefördert werden als andere“, sagte FNR-Generalsekretär Marc Schiltz. Während die durchschnittliche Förderdauer von durch den Fonds unterstützten Projekten drei bis vier Jahre beträgt, benötige die Parkinsonforschung nun mal die Sammlung von sehr viel Informationen über eine lange Zeitspanne. Zudem müsse auch noch der „Brückenschlag zwischen der Forschung und dem Gesundheitssystem“ gelingen. Für Schiltz ist das NCER-PD ein Pilotprojekt mit internationalem Vorzeigecharakter, das in kurzer Zeit bereits eine globale Visibilität erreicht hat und „einen direkten Beitrag zur Gesundheitsversorgung in Luxemburg leisten kann, indem es Patienten, Forscher Ärzte und medizinisches Fachpersonal zusammen bringt“.

Mehr Informationen zum Exzellenzzentrum: www.parkinson.lu. Hier finden Sie auch Infoblätter über die Krankheit und Infos über Ihre Teilnahme an der Forschung. Mehr Informationen zu ParkinsonNet, dem integrierten Betreuungsprogramm für Patienten gibt es hier: www.parkinsonnet.lu