LUXEMBURG
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Die Digitalisierung ist oberste Priorität der Regierung - Wie das Großherzogtum heute da steht

Die breite gesellschaftliche Debatte über die Risiken und Chancen der digitalen Revolution und Transformation unserer Gesellschaft wird auch unter Einbeziehung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie der Zivilgesellschaft geführt werden“. So heißt es im Kapitel „Digitales und Digitalisierung“ des Koalitionsabkommens vom Dezember 2018, in dessen Präambel steht: „Die Regierung fasst die Digitalisierung als Chance auf, die wir entschiedener ergreifen sollten. Sie verfolgt das ehrgeizige Ziel, Luxemburg als Vorreiter in diesem Bereich zu etablieren. Die Weichen sind gestellt, damit unser Land durch seinen proaktiven Ansatz hervorsticht, indem es die Digitalisierung seiner Gesellschaft, wo immer erforderlich, begleitet und fördert“. Während sich das Thema in allen Ressorts wiederfindet, werden im Kapitel „Digitales und Digitalisierung“ vor allem folgende Schwerpunkte gesetzt: Die Digitalisierung administrativer Vorgänge, die Verwendung offener Dateiformate, die Einführung von „Chatbots“ und die Bereitstellung innovativer Bezahlmethoden auch durch die Verwaltungen, die Ausarbeitung einer innovationsfördernden Gesetzgebung, die digitale Inklusion, der Kampf gegen die Cyberbelästigung und für die Cybersicherheit. In Sachen digitale Wirtschaft steht die Entwicklung und Förderung der ICT-Branche ganz oben, die Schaffung kollaborativer Plattformen und der dazugehörigen Gesetzgebung, die Entwicklung digitaler Infrastrukturen, „smarter“ Städte und Ortschaften. Die Regierung tritt ferner für Netzneutralität und den Abbau von Hürden im Sinne eines echten europäischen digitalen Binnenmarkts ein.

Mit der Initiative „Digital Luxembourg“ unter der direkten Aufsicht von Premier Xavier Bettel hatte die Regierung 2013 eine föderative Bewegung geschaffen für alle Partner, die den digitalen Wandel ankurbeln und begleiten. 2018 hat die DP/LSAP/déi gréng-Koalition die digitale Priorität noch stärker unterstrichen, indem sie erstmals in der Geschichte ein Digitalisierungsministerium geschaffen hat. Bettel ist auch weiterhin dafür zuständig, ihm zur Seite steht als beigeordneter Minister Marc Hansen, der auch Minister für den öffentlichen Dienst und beigeordneter Minister für Verwaltungsreform ist, in der die Digitalisierung auch eine zentrale Rolle spielt. Wie steht das Großherzogtum in der digitalen Welt da und welche Herausforderungen gibt es? Ein Überblick.

DIGITALE KOMPETENZEN | 20.000 im IT-Sektor - weit mehr werden gebraucht

Von den rund 450.000 Arbeitnehmern in Luxemburg im Frühjahr 2018 waren 20.080 in der Informatik- und Kommunikationsbranche tätig, ein Zuwachs von 33 Prozent gegenüber 2011. In Zeiten des schnellen digitalen Wandels werden natürlich mehr gebraucht. Bei den bei der Arbeitsagentur gemeldeten freien Posten sind IT-Stellen ganz vorne. Arbeitssuchende werden durch Programme wie „Fit4Coding“ oder „Fit4Digital Future“ gezielt für diese Stellen aus- und weitergebildet, während auch die Unternehmen bei der Umorientierung ihrer Mitarbeiter unterstützt werden. „Digital Skills Bridge“ ist das prominenteste Instrument in diesem Bereich. Seit dem Start vor einem Jahr haben bereits 300 Mitarbeiter aus zehn Betrieben bei diesem Programm mitgemacht. Eine riesige Herausforderung ist es natürlich, mehr Schüler und Studenten für IT-Berufe zu begeistern.

DATENZENTREN | Top-Konzentration weltweit

23 Datenzentren gibt es derzeit in Luxemburg, die Mehrheit davon wurde in den vergangenen zehn Jahren errichtet. Insgesamt belegen sie eine Fläche von 46.000 Quadratmetern und sind alle auf dem höchste Sicherheitsniveau „Tier 4“, das heißt, sie sind so ausgerüstet, dass ihre Verfügbarkeit zu 99,995 Prozent garantiert ist. Sie können 96 Stunden autonom funktionieren, wenn die Stromversorgung von außen unterbrochen ist. Damit weist Luxemburg die höchste „Tier 4“-Rechenzentrum-Konzentration der Welt auf. Die Rechenzentren können derweil auf exzellente Anbindungen zu den digitalen Knotenpunkten in Europa zurück greifen. Es gibt mehr als 30 Hochgeschwindigkeits-Direktverbindungen etwa nach London, Paris, Amsterdam, Frankfurt, Brüssel und Straßburg. Diese High-Speed-Datenautobahnen gewährleisten eine sehr geringe Latenzzeit, das heißt, es gibt kaum Verzögerungen wenn ein Rechner irgendwo auf der Welt Daten in einem Rechenzentrum in Luxemburg beantragt. Er hat sie quasi in Echtzeit. Was besonders in der Finanz- und Gamingindustrie ein äußerst wichtiger Faktor ist.

DIE FIT4-Programme | Bereit für den Wandel

Digitaler Wandel: Ja, aber wie? Die Agentur Luxinnovation bietet eine Reihe von Programmen, um Unternehmen für den Sprung ins digitale Geschäft vorzubereiten. Mit „Fit4Digital“ werden Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) dabei unterstützt durch Fördermittel und ein Angebot von Experten. „Fit4Innovation“ hilft Unternehmen, ihre Prozesse zu optimieren und ihre Mittel besser einzusetzen, um Ressourcen freizumachen für innovative Projekte. Auch bei „GoDigital“ ist Luxinnovation dabei. Das mit Handwerkskammer und Handelskammer ausgearbeitete Angebot zielt besonders auf KMU aus Industrie, Handel und HORECA ab. A propos Handel: im vergangenen September wurde mit Unterstützung der Regierung die Plattform letzshop.lu eröffnet, eine digitale Vitrine für die Angebote der Teilnehmer. Die Handwerkskammer fährt seit vergangenem Jahr mit „E-Handwierk“ ein Sensibilisierungs- und Unterstützungsprogramm für den digitalen Wandel ihrer Mitglieder.

DIGITAL LËTZEBUERG | Rund 70 Projekte gefördert oder angekurbelt

Der „Service des médias et des communications“ im Staatsministerium managt die Initiative „Digital Luxembourg“ und bündelt die staatlichen Aktionen im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Hebel staatlicherseits dabei sind etwa das „Centre des technologies de l‘information de l‘Etat, das „Centre de Gestion informatique de l‘éducation“, das „Centre commun de la Sécurité Sociale“ oder das „Syndicat intercommunal de gestion informatique“: „Digital Lëtzebuerg“ hat laut Regierung bereits an die 70 Projekte im Bereich der Digitalisierung gefördert oder angekurbelt. Beispiele: Die „Maker Spaces“ in den Lyzeen, die „Luxembourg Tech School“, die Strategien für „Open Data“, 5G oder künstliche Intelligenz oder auch die „Blockchain“-Lösung für den öffentlichen Dienst.

GUICHET.LU | 1.660 Online-Prozeduren

Das Portal Guichet.lu ist die Anlaufstelle Nummer eins für Informationen über Verwaltungsprozeduren. Bis dato können hier laut Digitalisierungsministerium bereits 1.660 Prozeduren elektronisch ausgefüllt werden. MyGuichet.lu ist die Transaktions-Plattform des Portals. Hier können 243 Prozeduren ohne Identifizierung vollzogen werden und 30 mit. Laut einer Statec-Studie von 2017 haben 54 Prozent der Einwohner auf eine Webseite oder Apps von staatlichen Stellen zurück gegriffen. 2013 waren es lediglich 41 Prozent. Der „Digital Economy and Society Index“ der EU-Kommission sieht Luxemburg auf Platz 17 unter 28, was das Angebot von digitalen öffentlichen Dienstleistungen anbelangt. Die Position verbessert sich aber von Jahr zu Jahr.

NATIONAL INTEROPERABILITY FRAMEWORK | Besserer und sicherer Datenaustausch

2017 wurde das „Centre des technologies de l’information de l’État“ damit beauftragt - nicht zuletzt auch auf Druck der EU-Kommission -, ein „National Interoperability Framework“ auf die Beine zu stellen. Hier geht es darum, den Datenaustausch zwischen informatischen Systemen zu optimieren - und nicht zuletzt Kosteneinsparungen und eine höhere Sicherheit zu erreichen. Betroffen sind hier staatlicherseits außer den im Text über „Digital Lëtzebuerg“ genannten Diensten etwa auch die Statistikbehörde, die Hauptstadt oder auch das Parlament. Grünes Licht für das „NIF“ gab der Regierungsrat am vergangenen 1. März.