LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Geschichte und Missionen des „Luxembourg Future Fund“

Es blies ein rauer Krisenwind über die Luxemburger Wirtschaft in jenem Januar 2012, als der damalige Finanzminister Luc Frieden (CSV) und WirtschaftsministerJeannot Krecké (LSAP) - symbolträchtig - zwei Fonds für Investitionen in die Zukunft des Landes vorstellten.

Der erste, der „Life Sciences Fund“ sollte gemeinsam mit Advent Venture Partners aus London - dem führenden Risikokapitalgeber in dem Bereich in Europa - etwa 20 Millionen Euro in die Biotechnologiebranche investieren, eine Priorität für die damalige Regierung. 2008 hatte die CSV-LSAP-Koalition rund 140 Millionen Euro locker gemacht, um die biomedizinische Forschung über fünf Jahre zu unterstützen. Nun sollte diese Anstrengung sich auch wirtschaftlich niederschlagen und vor allem neue Unternehmen der Branche ins Großherzogtum ziehen. Die SNCI hält heute 20,68 Prozent an „Advent Life Sciences Fund I“, der Europäische Investmentfonds 15,43 Prozent. 2017 verfügte der Fonds über 132,1 Millionen britische Pfund, er meldete einen Gewinn im Jahresvergleich von rund 24 Millionen Euro.

Rund 45 Unternehmen finden sich im Investment-Portfolio des Fonds, deren Aktivitäten reichen von der Herzkartierung über Mikro-Insulinpumpen bis hin zur Zellenregulierung. Durch den Fonds sollte Luxemburg einerseits interessante strategische Brücken für die hiesige Forschung bauen, zweitens seine Sichtbarkeit als Risikokapitalgeber stärken.

Diversifizierung und Innovation

Der zweite Fonds, der 2012 vorgestellt wurde, war der 150 Millionen Euro schwere „Luxembourg Future Fund“, den die SNCI gemeinsam mit dem Europäischen Investmentfonds aufbauen sollte. Das Ziel: „Die Diversifizierung und die nachhaltige Entwicklung der luxemburgischen Wirtschaft stärken, indem der Fonds dazu beiträgt direkt oder indirekt unternehmerische Aktivitäten in der Start/Entwicklungs/oder Wachstumsphase anzuziehen, die zur Innovation beitragen“. So müssen die Aktivitäten des LFF neben Rentabilitätszielen ganz konkrete Niederschläge für die Wirtschaftsdiversifizierung bringen, sowie für die nachhaltige Entwicklung der hiesigen Ökonomie.

Lange Zündphase im Neuland

Es brauchte allerdings lange, bis das Instrument, mit dem die SNCI Neuland beschritt und in den sie 120 Millionen Euro einbrachte und der EIF 30 Millionen, richtig an den Start gehen konnte. Das hatte neben der Investmentauswahl nach strengen Kriterien auch mit einigem Wirbel um die Berater zu tun. Im Februar 2015 wurde bekannt, dass der erfolgreiche Unternehmer und Investor Gérard Lopez doch nicht als Berater für das Direktinvestitions-Kompartiment des LFF zurück behalten wurde. Wirtschaftsminister Etienne Schneider erklärte damals, dass man Abstand davon genommen hatte, die Abteilung überhaupt zu schaffen. Und beruhigte, dass die Genehmigung der Finanzaufsicht CSSF für den LFF in nächster Zeit vorliege. Tatsächlich war der Zukunftsfonds ab April 2015 startbereit. •

Luxembourg Future Fund - 150 Millionen Euro (zwei Unterfonds)

1. Venture Capital Fonds - 50 Millionen Euro

Der Fonds beinhaltet auch Luxemburger Investitionsziele und sieht eine enge Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Venture Capital Ecosystem vor. Bislang hat er eine Zusage gemacht für den Paladin European Cyber Fund, der in IT- und Cybersicherheitsdienste  sowie Kommunikation und Mobilität von Unternehmen einsteigt. Neben Cybersicherheit  zählen auch Online-Banking und Nano-Satelliten zu fokussierten Bereichen.

Paladin European Cyber Fund

Paladin European Cyber Fund hat in 19 Unternehmen investiert. Der VC-Fonds hat sein europäisches Hauptquartier in Luxemburg, ist aber auch am Sitz in Washington D.C. sowie in Großbritannien vertreten. Der Paladin European Cyber Fund verfolgt einen breiten Ansatz im Bereich Cybersicherheit, in die er seit 2002 investiert. Darüber hinaus investiert er in Mobilität und Kommunikation.


2. Co-Investitionen – 90 Millionen Euro

Der Fonds konzentriert sich auf kleine und mittlere Unternehmen mit Technologie-Fokus, die Arbeitsplätze nach Luxemburg bringen. Sie stammen vorwiegend aus der EU, sind meist Fintechs und befinden sich häufig in der Frühphase, in der sie hier in Luxemburg gegründet werden sollen. Ebenfalls im Portfolio befinden sich folgende Ko-Investitionen mit dem jeweils angegebenen Fonds.

Cyber Hedge

Gemeinsam mit dem Paladin European Cyber Fund hat der LFF Anteile an Cyber-Hedge Europe Sàrl erworben, einem Luxemburger Finanzdienstleister im Bereich Cyber Security, der sich auf das Management von Technologie-Risiken spezialisiert hat und Modelle für die Auswirkungen dieser Risiken auf die Unternehmenswerte erstellt hat. Gründer Ryan Dodd setzte von Anfang an auf den Schutz von Daten. Auf die Idee kam der Mann aus Oklahoma, weil er als Vertreter institutioneller Investoren in datenlastige Unternehmen immer wieder vergeblich nach Datenschutz fragte – und schließlich eigene Modelle gegen Cyberrisiken entwarf. Das Unternehmen ist in London, am Konzernsitz in Washington, in New York und – mit EU-Sitz – in Luxemburg präsent.

CrossLend

Zusammen mit dem Lakestar II-Fonds hat der LFF in CrossLend investiert – das Fintech-Unternehmen aus Berlin hat eine Plattform für Darlehensanwärter und –geber entwickelt, die kürzlich auch eine strategische Partnerschaft mit der „Spuerkeess“ angekündigt hat. Auf der Plattform können Banken Kredite verbriefen und diese als Wertpapiere an Investoren veräußern. Diese Anwendungen wurden ausgeweitet. CrossLend vesteht sich als digitaler Handelsplatz für Schulden. In den vergangenen Jahren investierten Northzone, Atlantic Labs und Lakestar in das junge Fintech, das von Oliver Schimek, ehemals Kreditech, gegründet wurde und geführt wird. Strategischen Partnernschaften mit der SolarisBank und ABN AMRO sollen dem Unternehmen helfen, die Gewinnzone zu erreichen. Jüngst stieg auch Santander InnoVentures ein.

Spire Global

Eingestiegen ist der LFF 2017 über den RRE Leaders Fund auch in das US-Unternehmen Spire Global aus dem Raumfahrtsektor, das mit derzeit 84 Nano-Satelliten Daten für die Flug- und Schiffsindustrie sowie für Wetterdienste sammelt und auswertet. „Als wir 2012 anfingen, haben wir wenig gesagt, weil die meisten Leute das nicht für möglich hielten“, erinnert sich CEO Peter Platzer. Der Österreicher gründete das Unternehmen zusammen mit einem Kanadier und einem Belgier. Spire Global entstand zunächst in Kalifornien und hat Repräsentanzen in den USA, Glasgow, Luxemburg und Singapur. Es beschäftigt über 160 Personen, davon 20 in Luxemburg. 2017 wurde in Luxemburg der Europasitz gegründet. Aufgrund des Verlustes von sieben Millionen Euro für 2018 bei Spire Global hinterfragte die CSV die Investitionsstrategie des LFF. Das Wirtschaftsministerium verwies auf die Unterstützung – auch finanziell – durch die Europäische Raumfahrtagentur und die Tatsache, dass viele Start-ups zu Beginn Verluste machen.

LendInvest

Eingestiegen ist der LFF ferner mit dem GP Bullhound Fund IV SCSp in LendInvest, einem Online-Marktplatz für Immobiliendarlehen, der in Luxemburg ein „Hub“ außerhalb Großbritanniens schaffen will. LendInvest wurde 2008 in Großbritannien gegründet, wo es auch seinen Sitz hat. LendInvest bietet Kredite innerhalb von nur zwei Wochen und hat damit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Kreditgebern. Auf der anderen Seite bietet es Investoren - von Einzelpersonen bis hin zu einigen der weltweit größten Institutionen -, die Möglichkeit, in besicherte Immobilienkredite zu investieren. Das Unternehmen wird Luxemburg offiziell als seinen Auslandssitz bezeichnen und Arbeitsplätze schaffen.

SolarisBank

Das Berliner Fintech solarisBank ist ein 2016 gegründetes Tech-Unternehmen mit deutscher Banklizenz und über 11.000 Unternehmenskunden. Laut eigenen Angaben ermöglicht es anderen Unternehmen, digitale und rechtlich konforme Finanzdienstleistungen anzubieten – integriert in die eigenen Produkte, Webseiten oder Apps. Die Bankdienstleistungen der solarisBank-Plattform sind dabei modulare Bausteine, die sich Kunden zusammenstellen können. Das können digitale Bankkonten, Transaktionen aber auch „Know your costumer“-Prozesse sein. Das Unternehmen beschäftigt rund 250 Mitarbeiter. Bislang hat es 95 Millionen Euro an Finanzierungskapital über Investoren wie BBVA, Visa, Lakestar, ABN Amros Digital Impact Fund, Arvato Financial Solutions, SBI Group oder FinLeap aufgenommen. Es ist eine strategische Partnerschaft mit CrossLend eingegangen.

Digital Origin/Pagantis

Geld des LFF steckt ferner in dem 2011 gegründete spanische Fintech Pagantis (früher Digital Origin), das eine Plattform zur automatischen Zahlung von Raten für E-Commerce-Güter und -Dienstleistungen entwickelt hat. Die Firma, in die der LFF zusammen mit dem Fonds Prime Ventures IV CV investiert, hat eine skalierbare Technologieplattform geschaffen, um automatisierte, reibungslose Verbraucherfinanzierung für E-Commerce-Transaktionen in Europa anzubieten. Es ermöglicht es Verbrauchern, Waren und Dienstleistungen in monatlichen Raten mit einem vollautomatischen, papierlosen Prozess zu bezahlen und bietet E-Commerce-Händlern einen einfachen On-Boarding-Prozess, um Verbraucherkredite in Verbindung mit E-Commerce-Käufen anzubieten. Das Unternehmen wird seinen Hauptsitz in Luxemburg haben und lokale Direktoren einstellen.