LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Studie: Wie stereotype Geschlechterrollen in den Medien uns beeinflussen

Sie tragen aufreizende Kleidung, wodurch ihre unrealistisch dargestellten, körperlichen Merkmale zusätzlich betont werden: Videospielheldinnen. Weibliche Spielfiguren werden meist in sexualisierter und zum Teil diskriminierender Form dargestellt. Zudem dienen sie häufig nur als schmückendes Beiwerk für die dominierenden männlichen Helden. Diese Feststellungen sind zwar nicht neu, sie wurden aber bislang nur wenig erforscht. In Zusammenarbeit mit dem Chancengleichheitsministerium hat die Universität Luxemburg in den vergangenen zwei Jahren eine Studie durchgeführt, um die möglichen Auswirkungen stereotyper Geschlechterrollen in den Medien - am Beispiel von Videospielen und Songtexten - zu analysieren.

Aufspüren und entkräften

Stereotype Rollenbilder aufzuspüren und zu entkräften zähle zu den ureigenen Missionen des Chancengleichheitsministeriums, erklärte Ministerin Lydia Mutsch gestern während der Vorstellung der Ergebnisse. „Stereotypen sind einer der Faktoren, die Ungleichheit von Mann und Frau in unseren Köpfen festigen. Die traditionellen Rollenbilder werden von den Medien nach wie vor transportiert und somit immer wieder gestärkt“, stellte sie fest. Die Einflüsse auf unsere Lebenswege seien nicht von der Hand zu weisen, beispielsweise wenn es um die Berufs- oder Studienwahl gehe. „Die Studie hat verdeutlicht, dass die Viderospielcharaktere meist extrem stereotyp geprägt sind und deshalb nicht nur ein traditionelles Rollenbild vermitteln, sondern auch ein ganz verzerrtes Rollenmuster bei den jungen Leuten festlegen. Dies kann durchaus negative Auswirkungen auf die Einschätzung von sich selbst und auf das Selbstwertgefühl haben“, meinte die Ministerin. Durch die Ergebnisse erhoffe man sich letztendlich, die Medienindustrie zum Nachdenken oder möglicherweise sogar zu einem Umdenken zu bewegen.

„Medien sind soziale Lehrer“, sagte Dr. André Melzer, der die Studie durchführte, „sie liefern stereotyp-verzerrte Bilder von Geschlechterrollen, transportieren demnach Normen, die unser Denken und Handeln beeinflussen“. Dadurch könnten Vorurteile zusätzlich gestärkt werden.

Verstärkung von Vorurteilen

„Sexualisiert dargestellte Frauen lösen spontan stereotype Annahmen aus. Der erschütternde Befund ist, dass wir alleine aufgrund dessen, was wir sehen, eine Schublade aufmachen“, erklärte Melzer. Aufgrund der Befunde wurde ein Appell an die Medienindustrie gerichtet, auf stereotype Darstellungen von Frauen und Männern zu verzichten, dies zwecks Förderung des positiven „Geschlechterlernens“. Es gibt durchaus positive Ansätze, so wird etwa die „Tomb Raider“-Heldin Lara Croft in den neuen Spielen weit weniger übertrieben dargestellt, als dies anfangs der Fall war.
Die gesamte Studie kann unter mega.public.lu eingesehen werden