LUXEMBURG
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Der hauptstädtische Gemeinderat befasste sich gesternmit der Rue Jean l’Aveugle

Mit den Stimmen der Mehrheit beschloss der Gemeinderat der Hauptstadt gestern, Kulturministerin Sam Tanson einen negativen Bescheid in Bezug auf ihre Umklassierungsvorschläge bezüglich von sechs Häusern in der Rue Jean l’Aveugle auf Limpertsberg zukommen zu lassen. Dem Votum war eine längere Einführung durch Bürgermeisterin Polfer sowie die Stellungnahmen einiger Räte vorausgegangen. So wies Polfer darauf hin, dass das Gebiet auf Limpertsberg, das erst nach der Schleifung der Festung bewohnbar wurde, im Vago-Plan 1967 von der Allée Scheffer bis zur Rue Henri VII als „zentraler Sektor“ eingestuft worden war, um so die urbanistische Entwicklung der Hauptstadt zu ermöglichen. Der spätere Joly-Plan änderte nichts hieran, und auch der im Oktober 2017 definitiv angenommene neue Allgemeine Bebauungsplan der Hauptstadt behielt die Einteilung des Limpertsbergs in zwei verschiedene Zonen bei. Dies alles ohne Reklamationen von keinerlei Seite, unterstrich Polfer.

Der Schöffenrat bleibt bei seiner Meinung

Nun, da die Abrissgenehmigung für ein Haus in der Rue Jean l’Aveugle erteilt wurde, erhitzten sich aber die Gemüter. Indes wolle sie darauf hinweisen, dass man zurzeit eine Architektur „en dents de scie“ in dieser Straße habe, wo sich ältere Häuser an höhere Neubauten reihten. Der Schöffenrat bleibe deshalb bei seiner Auffassung, dass die wenigen verbliebenen alten Häuser einer einheitlicheren Bebauung weichen könnten. Dies zumal der obere Limpertsberg als „zone sensible“ eingestuft sei, und hier kaum Änderungen in der Bausubstanz möglich wären. Außerdem gab die Bürgermeisterin zu bedenken, dass auf dem Territorium der Hauptstadt rund 6.600 Gebäude in „zones sensibles“ eingestuft sind, und somit ein Drittel der rund 20.000 Gebäude der Hauptstadt. Auf Landesebene dagegen würden gerade einmal 220 Gebäude entweder als Denkmäler oder auf der Zusatzliste der geschützten Gebäude geführt.

Die Grünen sind für den Erhalt

Rat Benoy (Déi Gréng) vertrat selbstredend eine andere Meinung als die Bürgermeisterin und sprach sich dafür aus, die Häuser in der Jean l’Aveugle-Straße (6, 31, 35 37, 39 und 41) unter Denkmalschutz zu stellen. Auch Rat Krieps (LSAP) meinte, man solle nicht nach ökonomischen Kriterien urteilen, sondern aufgrund der baulichen Substanz. Immerhin auch seien die betreffenden Häuser zurzeit bewohnt. Anders sahen es die Räte Bauer (CSV) und Radoux (DP), die auf die Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit hinwiesen, die den Bürgern zustehe. Nach dem Votum unterstrich Polfer, dass der hauptstädtische Gemeinderat lediglich eine Meinung (Avis) ausdrücke, das Dossier aber nun bei der Ministerin und gegebenenfalls beim Regierungsrat liege.

Schaffung neuer Wohnzonen

Der Gemeinderat stimmte einer Abänderung des Teilbebauungsplans „Centre de Merl“ auf dem ehemaligen Luxlait-Gelände in Merl zu. Dieser sieht den Bau einer alleinliegenden Villa sowie von 39 weiteren Einfamilien-Häusern und zehn Mehrfamilienhäusern mit 140 Wohneinheiten vor, in denen u.a. „Kollektiv-Projekte“ umgesetzt werden können. Es gab keine Wortmeldung zur Abänderung.

Einstimmig angenommen wurde das Teilbebauungsprojekt „Rue Nenning“ in Dommeldingen. Hier wird quasi ein neues Viertel entstehen, mit bis zu 2.500 Quadratmetern Kommerzfläche, 1.500 Quadratmetern Bürofläche und nahezu 4.000 Quadratmetern Wohnfläche (zwischen 24 und 39 Wohneinheiten). Das Projekt, das somit einen guten Mix von Handel, Handwerk und Wohngebiet bietet, und sich in der Nähe des Bahnhofs befindet, fand denn auch allgemeine Zustimmung. Allerdings warf Rat Benoy die Frage auf, ob es keinen Widerspruch zwischen dem Projekt und den nationalen Renaturalisierungsplänen der Alzette gäbe, während Rat Krieps hoffte, dass die Bauherren sich bewusst wären, dass sie zum Teil in einer Überschwemmungszone agierten und die notwendigen Schutzmaßnahmen treffen müssten. Rat Wagner (déi Lénk) wies derweil darauf hin, dass zehn Prozent der Wohnfläche dem Bau von Wohnungen zu einem annehmbaren Preis vorbehalten sind.

Der Gemeinderat hieß einige punktuelle Änderungen am Allgemeinen Bebauungsplan gut, um so diverse materielle Fehler auszugleichen. Nicht einverstanden waren die Räte der Opposition mit der Neueinstufung des Terrains „Iewecht Millen“ in Dommeldingen in eine Freizeitzone. Alle anderen Änderungen wurden einstimmig verabschiedet.