LUXEMBURG
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Zum Welttag der Schlange: Zwei Arten sind nach dem Reptilienatlas hierzulande zu finden

Der Welttag der Schlange, der gestern „gefeirt“ wurde, widmete sich den teils unbeliebten Kriechtieren auf der ganzen Welt. Viele Menschen mögen Schlangen überhaupt nicht und assoziieren gar Unheil oder zumindest Ekel mit ihnen. Es heißt, Schlangen seien hinterhältig und auf Englisch bedeutet das Wort „snaky“ so viel wie „falsch“.

Manche Arten sind vom Aussterben bedroht. Der Welttag der Schlange versucht, Schluss mit den Vorurteilen zu machen und den Menschen klarzumachen, dass Schlangen schützenswerte Geschöpfe sind. Es lohnt sich daher, herauszufinden, was es für zahlreiche Arten gibt, wie sie leben, wie sie aussehen, welche tatsächlich gefährlich sind und welche es im eigenen Heimatland gibt.

Im Jahr 1870 wird der Fang einer „Viper“ in einem Sturzbach in der Umgebung von Remich beschrieben, wie dem „Verbreitungsatlas der Reptilien des Großherzogtums Luxemburg“ zu entnehmen ist, der von Roland Proess vom Umweltplanungsbüro Ecotop zusammen mit dem Naturmuseum herausgegeben wird.

Da der Fänger zu dieser Zeit aber den Unterschied zwischen Kreuzotter und Aspisviper nicht kannte, konnte er nicht genau sagen, um welche Art es sich handelte, nahm aber an, dass es sich bei dem gefangenen Tier um eine Kreuzotter handele. Bereits damals wurde aber vermutet, dass es sich bei der erwähnten „Viper im Sturzbach“ wohl eher um eine Ringelnatter gehandelt hat.

Stetige Verwechslungen

Bis heute werden dem Nationalen Naturhistorischen Museum immer wieder Funde von Kreuzottern respektive Vipern gemeldet; „eine Überprüfung ergab aber in allen Fällen, dass es sich um Verwechslungen mit Schling- oder Ringelnattern handelte. Ein Beweis für ein natürliches Vorkommen von Aspisviper oder Kreuzotter in Luxemburg konnte bislang nicht erbracht werden. Doch so ist man bereits bei den beiden im Luxemburg vorkommenden Schlangen.

Neben dem Namen Schlingnatter, der sich auf die Art des Tötens der Beute bezieht, ist aber der Name Glattnatter verbreiteter - „nach den glatten, nicht gekielten Schuppen“, wie dem Atlas zu entnehmen ist. Die Schlingnatter kann eine Länge von 70 bis 90 Zentimeter erreichen. Bei einer in Luxemburg durchgeführten Untersuchung, bei der neun Tiere gefangen und vermessen wurden, erreichte das längste Exemplar eine Länge von 65 cm.

Diese ungiftige Schlange hat einen eher rundlichen Körper, mit mehr oder weniger deutlichen Seitenkanten an den Bauchschienen. Von dem kräftigen Hals ist der klein wirkende Kopf nur wenig abgesetzt. Auch der nur mäßig lange Schwanz hebt sich kaum vom Körper ab. Der Kopf erscheint von der Seite gesehen abgeflacht, der Oberkiefer überragt deutlich den Unterkiefer. Die Augen sind verhältnismäßig klein, die Pupille ist kreisrund und besitzt eine goldgelbe Iris. Die Grundfarbe von Oberseite und Körperseiten weist bräunliche bis graue Töne in unterschiedlichen Abstufungen auf, die auch ins Gelbliche und Rötliche gehen können. Die Unterseite ist grau in verschiedenen Farbnuancen. „Charakteristisch sind die manchmal stark reduzierte dreieckige Zeichnung auf dem stets etwas dunkleren Kopf und der dunkle Augenstreifen“, wie es im Reptilienatlas heißt. Auf dem Rücken verlaufen als Fortsetzung der Kopfzeichnung zwei dunkle Tüpfelreihen, die ineinander verschmelzen können.

Rasterfrequenz belegt Häufigkeit des Vorkommens

Das Verbreitungsgebiet der Schlingnatter umfasst nahezu ganz Europa (außer Irland), den größten Teil von Großbritannien, das nördliche Skandinavien, die Mitte und den Süden der Iberischen Halbinsel sowie die meisten Mittelmeerinseln. Bei den intensiven Untersuchungen der vergangenen Jahre, die von Ecotop 2015 und 2016 durchgeführt wurde, konnten neue Vorkommen der Schlingnatter entdeckt und ältere bestätigt werden. Dabei hat sich herausgestellt, dass diese versteckt lebende und schwer nachweisbare Schlangenart deutlich weiter verbreitet ist als angenommen wurde, wie ausgeführt wird.

Die Rasterfrequenz habe sich nach Ecotop von zwölf Prozent (Zeitraum vor 1999) auf nunmehr 29 Prozent (Zeitraum 2010/2016) erhöht. Die Schlingnatter ist demnach ähnlich weit verbreitet wie die Ringelnatter, die zweite Schlangenart, die in Luxemburg anzutreffen ist. Die ungiftige Ringelnatter ist deutlich größer als die Schlingnatter. Experten geben eine maximale Länge von 108 Zentimeter bei den Männchen und 132 Zentimeter bei den Weibchen an. Die Ringelnatter ist eine kompakte, langgestreckte Schlange mit einem sich verjüngenden Schwanz. Im Jahr 1870 wird die Ringelnatter als die häufigste Schlange in Luxemburg beschrieben. Von der Mosel bis in die Ardennen im Ösling sei sie verbreitet und häufig und in allen Lebensräumen anzutreffen, allerdings mit einer Vorliebe für feuchte Biotope. „Mit einer aktuellen Rasterfrequenz von 36 Prozent ist die Ringelnatter aktuell in Luxemburg insgesamt relativ weit verbreitet“, wie es heißt. Diese Schlangenart kommt aber vor allem im Ösling sowie im Osten und Südwesten des Landes vor.

Die Gefährdung der Ringelnatter ist eng mit der Gefährdung ihrer Hauptbeutetiere, den Amphibien, verbunden. So stellen die Zerstörung von Kleingewässern, der Ausbau der Uferbereiche an Fließgewässern oder auch die Intensivierung der Landwirtschaft eine Gefahr für diese Art dar. „Wie bei der Schlingnatter sind auch bei der Ringelnatter die Auswirkungen des Straßenverkehrs und der direkten Verfolgung durch den Menschen nur schwer abzuschätzen“, wie Proess ausführt. Sie hat im Zeitraum 2010 bis 2016 nach dem Reptilienatlas eine Rasterfrequenz von 36 Prozent erreicht.


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