LUXEMBURG-HOLLERICH
NICO PLEIMLING

Die „École de la deuxième Chance“ entwickelt sich konsequent weiter

Seit ihrer Eröffnung im März 2009 in Petingen hat sich die „École de la deuxième Chance“ etabliert und weiterentwickelt. In der vergangenen Woche wurde in der Abgeordnetenkammer entschieden, das Höchstalter der Wiedereinsteiger von 24 auf 30 Jahre heraufzusetzen und es ihnen zu ermöglichen, einen ganzen Abschluss zu machen, sei es eine „Première“, eine Berufsausbildung oder im „paramedikalen“ Bereich.

Schuldirektor Carlo Welfring zeigt sich zufrieden über diese Entwicklung: „Nachdem wir als Pilotprojekt in Petingen angefangen haben sind wir ein Jahr später nach Hollerich umgezogen, dies nachdem De Neie Lycée, das heutige Lycée Ermesinde aus seinem Provisorium nach Mersch gezogen ist. Wir haben diese Infrastrukturen dann übernommen. Der Standort ist gut, die Container-Gebäude lassen natürlich etwas zu wünschen übrig.“

Ein Treffen mit dem Bildungsminister

Unter anderem aus diesem Grund werde man sich am 23. Juli gemeinsam mit dem Bildungsminister Claude Meisch an einen Tisch setzen, um über ein richtiges Gebäude zu diskutieren: „Wir wollen schon an diesem Standort bleiben, da er für die Schüler sehr gut erreichbar ist. Bis zum Bahnhof sind es ja nicht einmal zehn Minuten zu Fuß“, erklärt Welfring, der die Schule seit ihrer Gründung leitet.

Im gerade abgeschlossenen Schuljahr 2013-2014 zählte die „Schule der zweiten Chance“ 14 Klassen, ab September werden es 16 Klassen mit rund 250 Schülern sein: „Ich glaube, dass wir ein Maximum von 350 Schülern tragen können, die sich dann auf bis zu 25 Klassen verteilen würden. Im Schnitt sind 14 Schüler in einer Klasse, die unterdessen durchschnittlich 21 Jahre alt sind. Unsere jüngsten Schüler momentan sind 17 Jahre jung.“

Unterschiedliche Gründe

Die Gründe, weshalb diese jungen Menschen irgendwann ihre Ausbildung abgebrochen haben sind indes unterschiedlich: „Einige von ihnen waren mit dem System in der Schule, in welche sie orientiert wurden, nicht klar gekommen. Häufig gibt es aber auch soziale Gründe als Hintergrund, wie beispielsweise eine Scheidung, ein Umfeld, welches kein Interesse an der Schule zeigt oder eine Schwangerschaft.“

Carlo Welfring unterstreicht weiter, dass es sich bei seiner Schule um eine drogenfreie Zone handelt, wobei es aber das gleiche Phänomen wie an all den anderen Schulen gebe, sprich, dass sich einige Schüler nicht an diese Vorgabe halten: „Eine Therapie kann sicher nicht durch die Schule ersetzt werden, dies gilt auch für junge Menschen mit überdimensionaler Aggressivität oder jene, die unter Depressionen leiden beispielsweise. Die Betreuung machen wir individuell und dank des Tutoriats verbringen sie bei uns mehr Zeit in der Schule, als wenn sie an einer anderen Bildungsstätte eingeschrieben wären.“

In Hollerich können die ehemaligen Schulabbrecher in allen Bereichen ihre 9ème nachholen, weiter gibt es eine 10ème und 11ème „Paramédicale“ sowie im sozialen Bereich. Für die Berufsabbildung kann bislang nur das erste Jahr absolviert werden, anschließend müssen künftige Landschaftsgärtner, Elektriker, Köche unter anderem ihr zweites Jahr in Bonneweg oder in Diekirch machen. Letztlich kann auch ein Sekundarabschluss, vor allem in der Sektion G, gemacht werden und die Schule arbeitet sowohl mit Kompetenzen wie auch mit Punktesystem.

Ab September startet die Schule der zweiten Chance unterdessen ein ganz neues Projekt, wie Carlo Welfring erklärt: „Die ganze Schulgemeinschaft kann sich beim neuen Kurs ‚Art et culture‘ einschreiben. Musik, Zeichnen, ‚expression corporelle‘, Tanz und Theater werden dienstags und donnerstags angeboten, das zwei Stunden pro Woche.“ Von den in Hollerich eingeschriebenen Schülern schaffen es 70 Prozent ins nächste Jahr, rund ein Drittel besucht anschließend eine andere Schule und zwei Drittel bleiben an der „École de la deuxième Chance“. Einschreibungen sind bis zum 15. September möglich.

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