LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Was UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer 4 für Luxemburg bedeutet

Gleichberechtigter Zugang zu Bildung für Mädchen und Jungen, mehr Jugendliche und Erwachsene mit einer beruflichen Qualifikation, allen Jugendlichen bis 2030 Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln, barriere-, kinder- und geschlechtergerechte Schulen: Allein mit diesen Stichworten kann man sich bereits ein gutes Bild der Herausforderungen machen, die mit dem vierten von 17-UN-Nachhaltigkeitszielen einherkommen.

International gesehen ergibt sich heute ein gemischtes Bild. Zwar wurden im Zugang zu Bildung in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Doch laut UN-Angaben gibt es weltweit immer noch rund 260 Millionen Kinder zwischen sechs und 17 Jahren, die keine Schule besuchen. Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendliche erfüllt zudem nicht die Mindeststandards im Lesen und Rechnen.

In vielen Entwicklungsländern fehlt es heute an der grundlegenden Infrastruktur, um ein effizientes Lernumfeld zu schaffen. Die größten Herausforderungen warten laut UN in Subsahara-Afrika. In dieser Region verfüget nur die Hälfte der Schulen über Strom, Internetzugang, Computer und Trinkwasser.

In 72 Ländern der Erde sind indes sieben von zehn Kindern im Alter zwischen drei und vier Jahren in ihrer Entwicklung in zumindest drei dieser Bereiche auf gutem Wege: Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz, körperliche Entwicklung, sozio-emotionale Entwicklung und allgemeines Lernen. Wohl vor diesem Hintergrund soll auch der Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung bis 2030 sichergestellt werden.

Schulabbruch bekämpfen, besser auf spezifische Bedürfnisse eingehen

Im Entwurf des dritten Nachhaltigkeitsplans für Luxemburg wird das vierte „Sustainable Development Goal“ (SDG) vor allem in zwei von zehn Kapiteln erwähnt: die Unterstützung von Bildungsprojekten über die luxemburgische Entwicklungszusammenarbeit und eine soziale Inklusion und Bildung für alle. Als Herausforderungen nennt das Dokument bei der zweitgenannten Priorität den Kampf gegen vorzeitigen Schulabbruch und die Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse von Schülers. Als Unterziele behält der Entwurf des Nachhaltigkeitsplans den Abbau von Geschlechterungleichheiten, die Vermittlung von Wissen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung und die Anpassung der Schulinfrastruktur zurück. So soll beispielsweise nach einer Pilotphase von 2019 bis 2021 ein Bildungskonzept für nachhaltige Entwicklung landesweit in den Grundschulen Einzug finden. Ob und inwiefern es auch ein systematisches Konzept für den Sekundarschulunterricht geben wird, ist unklar. Der Bericht nennt lediglich spezifische Angebote in zwei Lyzeen des Landes.

Weiter wird im Dokument erwähnt, dass ein großherzogliches Reglement die Richtlinien für Schulinfrastrukturen und Gebäude festlegen soll, die von Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen gemeinsam genutzt werden. Der im Bericht angegebene Link zu einer Internetplattform, die Bauherren vorab als Orientierungshilfe dienen soll, funktioniert indes nicht. Als weitere Maßnahmen nennt die Regierung die inzwischen geschaffene Schulmediationsstelle, eine vom „Observatoire du maintien scolaire“ in Zukunft ausgearbeitete Strategie, um schulisches Scheitern und Abbruch zu bekämpfen oder Nachhilfestunden in den Schulen für Schüler mit Lerndefiziten.

Indikatoren müssen teilweise noch ermittelt werden

Der Blick in die vom Statec zusammengestellten Indikatoren zur Messung der Fortschritte zeigt zunächst einmal: sehr wenig. Drei Indikatoren sind darin nämlich noch „zu definieren“. Mit Daten angeführt wird derweil die nationale Zertifizierungsrate, die 2016 einen Höchstwert von 89,4 Prozent erreichte. Zudem bildeten sich 2017 rund 23,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren weiter. Ob das Bildungssystem in Zukunft Inklusion leisten und Benachteiligungen aufgrund des sozioökonomischen Hintergrunds abbauen wird können, lässt sich daraus freilich nicht ablesen.

Eurostat führt beispielsweise in seinem Kompendium noch die Rate der junger Menschen zwischen 15 und 29 Jahren an, die weder zur Schule gehen, noch in einer Ausbildung, noch in Arbeit sind (NEET) (6,3 Prozent in 2018). Im SDG-Index, in dem das Großherzogtum im Kapitel Bildung zwar gut wegkommt, wird etwa die schwächere Leistung von Schülern in naturwissenschaftlichen Fächern aufgrund ihres sozioökonomischen Hintergrunds gelistet.