LUXEMBURG/SHANGHAI
CORDELIA CHATON

Simone Kayser (16) war auf einer chinesischen Grundschule und geht nun auf das französische Lycée in Shanghai - Sie erzählt von den Unterschieden zwischen den Systemen

In Luxemburg gibt es viele internationale Schulen. Aber einige Luxemburger gehen auch im Ausland zur Schule. Simone beispielsweise ist Schülerin am Lycée Français in Shanghai. Hier erzählen der Schuldirektor Alain Houille und die Tochter einer Chinesin und eines Luxemburgers, wie anders der Alltag in der 25-Millionen-Einwohner-Metropole verläuft. Simone Kayser hat zunächst einen chinesischen Kindergarten sowie eine Grundschule besucht und geht seit September 2012 auf das Lycée Français.

Simone, wie würdest Du den Unterschied zwischen der chinesischen und der französischen Schule beschreiben?

Simone Das ist ganz anders. Die Grundschule ging bis 17.00, danach hatten wir noch zwei Stunden Hausaufgaben. Alle Schüler waren in einem Raum und die Lehrer wechselten, während es hier umgekehrt ist. Auch Sport war auf der chinesischen Schule nicht so wichtig, dafür Mathe umso mehr. Außerschulische Angebote gab es nur sehr wenig, und die waren auch nicht für alle Schüler gedacht. Außerdem ist hier die Kantine besser!

Wie kommst Du mit den Sprachen zurecht?

Simone Ich habe das Glück, dass ich Chinesisch, Deutsch, Französisch und Englisch spreche. Manchmal bringe ich die Sprachen ein bisschen durcheinander. Dann muss ich improvisieren. Aber ich habe Französisch erst seit ich zwölf bin, und dafür geht es gut.

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Simone Ich reite sehr gern. Aber Shanghai ist sehr groß. Deshalb stehe ich am Wochenende um 6.00 auf und fahre zwei bis drei Stunden, um dann auf dem Land reiten zu können. Das ist in Luxemburg natürlich ganz anders.

Was ist für Dich der größte Unterschied zu Luxemburg?

Simone Ich bin hier geboren und war vielleicht drei Mal in Luxemburg, halte aber über Mail, Telefon und soziale Netzwerke den Kontakt zu meiner Familie. Die Systeme sind nicht vergleichbar. Aber wenn ich an Europa denke, denke ich an blauen Himmel. Die Natur ist so toll! Hier in Shanghai ist die Luft sehr schlecht. Deshalb hat das Lycée einen Luftreiniger. Manchmal, wenn die Indikatoren auf orange oder rot stehen, können wir draußen auf dem Schulgelände nichts unternehmen, weil wir nicht raus dürfen. Die Schule hat jetzt sogar eine eigene Schleuse zur Bushaltestelle gebaut, damit wir nur gute Luft atmen.

Herr Houille, wer geht auf Ihre Schule?

Alain Houille Wir haben rund 1.450 Schüler vom Kindergarten bis zum Abitur, die auf zwei Schulgelände verteilt sind und von rund 180 Lehrkräften - davon 80 für Sprachen - unterrichtet werden. Als internationale Schule haben wir nicht das Recht, Chinesen aufzunehmen. Aber wir können Schüler anderer Nationalitäten aufnehmen, wenn mindestens ein Elternteil nicht chinesisch ist. Das ist bei etwas weniger als einem Viertel der Schüler der Fall. Unter den ausländischen Schulen gibt es eine starke Konkurrenz. Bei der Wahl der Eltern spielen auch die Werte der Schule eine Rolle. Bei uns gehören vor allem Respekt, Pädagogik und die Qualität der Lehre dazu. Darüber hinaus schaffen hier alle Schüler das Abitur und 94 Prozent haben eine lobende Erwähnung, eine „mention“, im Zeugnis. Das ist sehr gut.

Was kostet das und wie kommt man zu Ihnen?

Houille Unsere Schule, die seit 20 Jahren besteht, ist ein gemeinnütziger Verein. Die Schulen in Shanghai sind etwa zehn Mal so teuer wie in Luxemburg. Aber es gibt durchaus Schulen in Shanghai, die noch mehr verlangen. Wir sind die günstigste internationale Schule. Wir können Schüler kaum ablehnen, außer die Sprachkenntnisse fehlen. Aber wir bieten extra Sprachkurse an. Wer interessiert ist, mailt uns das Dossier, das es auf unserer Webseite gibt.

www.lyceeshanghai.com