PASCAL STEINWACHS

Anstatt vielleicht einfach zuzugeben, in der Vergangenheit mal den ein oder anderen Fehler gemacht zu haben, sieht sich die CSV immer noch als Opfer einer Verleumdungskampagne, ganz nach dem Motto, schuld sind immer die Anderen. Kein Wort des Bedauerns aus dem Mund von Minister Luc Frieden, der stattdessen während der Parlamentssitzung über den Misstrauensantrag gegen ihn und die Regierung sogar noch einmal aufzählte, was er in seiner Zeit als Justizminister alles Gutes getan hat. Kein Wort des Bedauerns auch von Premier Juncker, der zwar zu verstehen gab, für den Geheimdienst verantwortlich zu sein, wobei an etwas schuldig sein aber was anderes bedeute. Arroganter geht es nicht!

CSV-Präsident Michel Wolter (der während selbiger Sitzung im Zusammenhang mit den Pädophilie-Gerüchten gegen Robert Biever einen heftigen Angriff gegen Radio 100,7 und die Pressefreiheit ritt, dabei aber mal wieder falsch verstanden wurde) sieht sich seinerseits als „zentrale Punkt vun enger Konspiratioun, engem Komplott vu Politik a Geheimdéngscht“ gegen den Generalstaatsanwalt. „De perfekte Szenario vir definitiv eis Partei a säi Président vun senger schlëmmster Säit ze weisen an dann ze eliminéieren“, wie Wolter gestern Nachmittag im Rahmen einer „persönlichen Erklärung“ angab. Im Gegensatz zu seinen beiden Parteikollegen aus der Regierung ließ Wolter sich dann aber wenigstens zu einer halben Entschuldigung hinreißen, denn, sollte er am letzten Donnerstag „een ze fest ugepak oder ugegranzt hun“, dann tue ihm das ausdrücklich leid. Für Wolter‘sche Verhältnisse kommt das fast schon einem Gang nach Canossa gleich.

Derweil die CSV also mit allerlei Verschwörungstheorien davon abzulenken versucht, dass ihre Minister Fehler gemacht haben und sich ihrer Verantwortung entziehen, geht es beim kleinen Koalitionspartner jetzt um Alles oder Nichts, hat die LSAP doch am vergangenen Donnerstag endgültig ihre Seele an die Juncker-CSV verkauft.

Wahrscheinlich weil sie Juncker noch einen kleinen Gefallen schuldig war, nachdem sich dieser zuvor in der Causa Schmit (der Arbeitsminister hatte seinem Sohn seinerzeit auf einem Polizeikommissariat etwas zu stark den Rücken gestärkt) hinter den LSAP-Minister gestellt hatte, als DP, „déi gréng“ und adr im Januar 2011 den Rücktritt des Beschäftigungsministers gefordert hatten. Eine Hand wäscht eben die andere. Mit Sicherheit haben die Genossen aber eine panische Angst vor Neuwahlen, würden sie hier doch definitiv in die Wüste geschickt. Nun können sie wenigstens noch ein paar Monate unter Juncker „mitregieren“, müssen sich dabei aber eine Strategie einfallen lassen, wie sie am 25. Mai 2014 doch noch an ihrem persönlichen Waterloo vorbeikommen. Viel Zeit bleibt den Kameraden nicht, weshalb Parteichef Bodry und Fraktionschef Lux dann auch anscheinend fleißig dabei sind, die Rache der LSAP vorzubereiten, nachdem die LSAP vergangene Woche zwar die CSV rettete, letztere dann - eine unglaubliche Demütigung - aber nicht einmal bereit war, die LSAP-Resolution mitzustimmen. Rache ist süß.