LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Pilgertag zur Oktave wird abgeschafft - SEW: Keine Freistellung aus Glaubensgründen mehr

Am vergangenen Dienstag ging ein Rundschreiben an die Gemeinden und Schulsyndikate heraus, das mittlerweile für Aufruhr sorgt. Bildungsminister Claude Meisch kündigte darin an, die Ferienordnung für das kommende Schuljahr werde dahingehend abgeändert werden, dass die Schüler nicht mehr kollektiv frei bekämen, um zur Oktave zu pilgern. Es sollen künftig die gleichen Regeln gelten, wie für die Festtage anderer Religionen.

Ende April hatte die LSAP-Abgeordnete Taina Bofferding bereits in einer parlamentarischen Frage an Minister Meisch wissen wollen, wie viele Schüler und Lehrer an den jeweiligen Pilgerfahrten der Pastoralgemeinden teilnähmen und ob dies einen freien Schultag überhaupt rechtfertige.

Der Brauch stehe zudem im Widerspruch zum Regierungsprogramm, vor allem der beabsichtigten Einführung eines allgemeinen Werteunterrichts. Im Sinne der Neutralität der Schule und der Gleichbehandlung aller Kinder müsste für die Katholiken doch das gleiche gelten wie für muslimische oder jüdische Schüler: Sie werden auf Antrag der Eltern individuell, nicht kollektiv an hohen Glaubensfeiertagen vom Unterricht befreit.

Nachdem den Gemeinden gegenüber also schon Nägel mit Köpfen gemacht waren, kam gestern dann die Antwort des Ministers an Bofferding: Statistiken über die katholischen Pilgerer führe man nicht und ab dem Schuljahr 2015/16 sei es vorbei mit dem Pilgertag - die großherzogliche Verordnung von 1980 werde entsprechend geändert.

Keine seriöse Lehrtätigkeit mehr möglich

Die Lehrergewerkschaft SEW des OGBL zeigt sich nicht begeistert: „Die Abschaffung des Pilgertages in der Grundschule erscheint tatsächlich als logische Konsequenz der Trennung von Staat und katholischer Kirche“, heißt es in einer Mitteilung.

Dass die Schüler aber glaubensabhängig vom Unterricht entschuldigt werden können, untergrabe die Autorität und die Qualität der öffentlichen Schule. „Wenn aus der öffentlichen Schule ein Supermarkt wird, wo man je nach Glauben hingehen oder fernbleiben kann, zeigt unsere Gesellschaft, dass ihnen die Erziehung der Jugend egal geworden ist.“ Lehrer könnten nicht mehr seriös arbeiten, wenn sie ständig versuchen müssen, das Fehlen des einen oder anderen wieder wett zu
machen.