LUXEMBURG
DANIEL OLY

Der Schüler-Klimastreik kommt mit politisch engagierten Jugendlichen nach Luxemburg

Am 15. März wird es soweit sein: Dann gehen auch hierzulande Schüler und Studierende auf die Straße, um für ein Umdenken beim Klimaschutz zu werben. Der „Students Global Strike for Climate“ wird demnach auch an Luxemburg nicht vorbei gehen - wie ohnehin auch an insgesamt 40 Ländern nicht.

Der Klimaprotest geht auf den Aufruf der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg zurück, die jüngst unter anderem mit ihrer Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos auf sich aufmerksam machte. Sie begründete den „Schulstreik für das Klima“, eine globale Schüler- und Studenteninitiative, bei der der Unterricht bestreikt und für mehr Klima-Bewusstsein und ein Einlenken der Politik protestiert wird. Das hat auch in Luxemburg Schule gemacht: „Der Stein des Anstoßes war für uns eindeutig“, betont so etwa Zohra Barthelemy von der Organisation „Youth for Climate Luxembourg“. Thunberg und ihre Proteste seien ein motivierender Faktor. „Es zeigt, dass junge Menschen eine Stimme haben - und dass wir alle gemeinsam etwas bewirken können, wenn wir uns einsetzen“, betont Elie Sinner; er ist ebenfalls Mitglied in der Organisation. „Das hatte also eine großen Einfluss auf unseren eigenen Aktivismus.“

Gemeinsam streben sie vor allem eins an: Sie wollen sich Gehör verschaffen. „Zu oft hören wir, die Jugend sei nicht politisch interessiert“, meint Sinner. „Dabei sind wir das sehr wohl - schließlich geht es dabei um unsere Zukunft, die wir mit bestimmen wollen!“ Deshalb haben die Streikenden natürlich auch einen entsprechenden Forderungskatalog im Gepäck, der das veranschaulichen soll. Genereller O-Ton: „Es muss einfach viel mehr geschehen - sowohl gesellschaftlich als auch politisch“, fasst es Sinner zusammen.

Die Klimaziele 2030 müssten demnach ebenso integral umgesetzt werden wie ein Umdenken bei der Gesellschaft im eigenen Umweltbewusstsein. „Wir brauchen ja nur zu bedenken, dass der ,Overshoot Day‘ - der Tag, an dem unsere Ressourcen für das Jahr aufgebraucht sind und wir nur noch ausbeuterisch leben - in Luxemburg bereits am 19. Februar erreicht ist“, unterstreichen die Schüler. „Nur Katar ist noch schlechter als wir, das muss auf jeden Fall anders gehen - und das kann auch anders gehen!“ Die derzeitigen Maßnahmen zum Umweltschutz und in der Klimapolitik gehen den Jugendlichen entsprechend nicht weit genug. „Schön und gut, dass wir ein Plastikverbot im Einzelhandel haben - aber ausgerechnet Lebensmittel davon auszunehmen, ist ein schlechter Witz“, betont Sinner.

Lahmer Energie-Umstieg

Weiteres Beispiel gefällig? „Unser Energie-Umstieg geht weder schnell genug, noch wird er konsequent genug umgesetzt“, betont Cyril de Waha, ebenfalls Mitglied der Protestgruppierung. „Das Kraftwerk in Cattenom ist einfach zu omnipräsent und bleibt deshalb alternativlos für unsere Pläne.“ Auch hier sei der Umstieg bestenfalls „mittelmäßig“ umgesetzt, es fehle an Vision und Wille. „Man könnte fast meinen, es ginge dabei nur um das Geld“, meint er besorgt.

Auch bei der Mobilität haben sie klare Vorstellungen: So solle die Verkehrssituation durch größere Auffangparkplätze und ein rundum erneuertes und ausgebautes Busnetz entlastet werden, das auch ländliche Gegenden endlich besser ansprechen soll. „Deshalb ist es auch wichtig, dass wir mit unserer Meinung endlich ernst genommen werden“, meint Sinner dazu. „Wir fühlen uns derzeit nicht angesprochen, nicht anerkannt.“ Barthelemy ergänzt: „Es gibt derzeit keine ernst zu nehmende Jugendpolitik - da sehen wir deshalb schwarz für die Zukunft.“ Man wolle keine kaputte Welt erben.

Die Jugend-Organisation ist in Zusammenarbeit mit dem „Rise for Climate Luxembourg“-Kollektiv und mit Unterstützung der Hilfsorganisation „Frères des Hommes“ und dem „Center for Ecological Learning Luxembourg“ entstanden und hat entsprechend Profil. Erste Reaktionen aus der Politik gab es deshalb schon: „Wir waren in Straßburg und hatten die Chance, mit Parlamentariern zu sprechen“, meint die Aktivistin Joana Coimbra Marques. Ein echtes Resultat habe sich dabei aber bislang nicht ergeben, bisweilen hätte sich sogar das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, nur weiter verstärkt. „Insgesamt geht das Feedback aber eher in die traurige Richtung: Engagiert euch - aber bitte nicht so!“

Disruptiver Streik

Lokal sieht das etwas anders aus: „Wir konnten mit Umweltministerin Carole Dieschbourg sprechen und bekamen ihre Unterstützung versichert“, meint Barthelemy. Weniger toll sei hingegen die fehlende Unterstützung seitens des Bildungsministeriums, da die Streikenden im Unklaren sind, ob ihnen die fehlenden Schultage abgerechnet werden. Aber: „Was nützt uns unser sauberes Zeugnis, wenn die Erde rettungslos ruiniert ist“, unterstreicht Barthelemy.

Deshalb wird am kommenden 15. März auch Luxemburg-Stadt bestreikt. „Wir wollen ganz klar ein Zeichen setzen“, betont Sinner. Und dafür müsse der Streik eine Störwirkung haben. „Damit die Menschen es auch bemerken.“ Die Idee kommt gut an: Die rund 50 Mitglieder große Vereinigung rechnet mit bis zu 4.000 Teilnehmern am Streik. Besonders im Zentrum komme die Idee besonders gut an.

Unterstützung erhalten sie dabei nicht nur von „Rise for Climate“, auch das Kunstkollektiv „Richtung 22“ hat sich für den Schülerstreik engagiert, „Greenpeace“-Mitglieder unterstützen die Organisation informell. Trotzdem ist das Organisieren des Streiks eine Menge Arbeit: „Es ist sehr viel Papierkram, und weil wir ein Maximum an Schülern erreichen wollen, ist das teilweise nicht so leicht, wenn man selbst der einzige Aktivist in der eigenen Schule ist“, meint Barthelemy aus Erfahrung.