LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

DP fordert stärkeren Fokus auf den Unterricht statt auf Verwaltungsaufgaben

Die DP kritisiert in ihrer Stellungnahme zur OECD-Studie „Education at a Glance“ vom September die durch die Schulreform eingeschränkte Autonomie der Schulen und des Lehrpersonals, wiederholt ihre Forderung nach einem Grundschuldirektor und will ein klareres Bewertungssystem.

Negative Folgen der Zentralisierung

Besonders die zentrale Ernennung des Lehrpersonals stört die DP. Dadurch sei keine Zuteilung nach den spezifischen Anforderungen einer Grundschule mehr möglich. Gleichzeitig hätten die Gemeinden Personal abbauen müssen - für André Bauler eine „verdeckte Sparmaßnahme“. Verschiedene Schulen hätten darüber hinaus an ihre Klassen angepassten Projekte nicht mehr weiterführen können. Das System des „contingent“ verhindere allerdings vornehmlich, den Lernschwierigkeiten der einzelnen Schüler begegnen zu können. Auch insgesamt ginge die Reform auf Kosten der Qualität des Unterrichts. Lehrer hätten heute mehr Verwaltungsaufgaben zu erledigen, ihnen sei darüber hinaus durch die Weiterbildung von ausländischen Experten, die nicht mit dem hiesigen System vertraut seien, nicht unbedingt weitergeholfen worden. „Es muss wieder um den Klassensaal und nicht um den Papierkram gehen“, sagt Bauler.

Der Schulinspektor, der die Klassen kennt, sei hier ebenso unerlässlich wie der von den Liberalen geforderte Schuldirektor, der als eindeutiger Ansprechpartner für die Eltern fungieren könne, der darüber hinaus eine Weisungsbefugnis über seine Kollegen verfügen könne. Der aktuell bestehende Posten des Schulpräsidenten könnte hierfür in Betracht gezogen werden.

Im Sekundarunterricht fordert die DP die Einführung von „Conseillers pédagogiques“, Lehrbeauftragte mit ähnlicher Aufgabenstellung wie die Schulinspektoren des „Primaire“: Ein pädagogischer, didaktischer oder erzieherischer Ansprechpartner für die Lehrer. Im Schulsystem kritisiert die DP die Orientierung der Schüler auf Basis ihrer Sprachkompetenzen. Dies führe unweigerlich zu einer sozialen Benachteiligung für Kinder mit Migrationshintergrund, die dadurch mehrheitlich in den technischen Unterricht kämen.

Die demokratische Partei will gezielt eine frühe Sprachförderung anstreben; dazu gehöre auch eine zweisprachige Alphabetisierung.

Weniger „Top-down“

Claude Lamberty stellt in seiner Lehrpraxis fest, dass der Kernpunkt der Reform, der kompetenzorientierte Unterricht, nicht in der Praxis angekommen sei. „Das ist mehr als bedenklich“, sagt er. Am Bewertungssystem kritisiert er, dass es keinen konkreten Anhaltspunkt gibt, der eine eindeutige Einschätzung der schulischen zulässt. Mit der bis zu 43-Seiten-umfassenden Bewertung könne niemand etwas anfangen und könne durch leicht verständliche Noten verständlicher gestaltet werden sollen.

Die Lehrer hätten seit der Grundschulreform vor allem die Kompetenzsockel und den Aufbau ihrer Lehreinheiten im Blick, als die einzelnen Schüler. Der Kompetenzunterricht könne nicht die einzige pädagogische Form des Unterrichts sein, schließlich sei jedes Kind anders. Das Motto laute „Gerecht fordern, gezielt fördern“. Den Schulen müsse in pädagogischen und finanziellen Fragen mehr Raum gegeben werden für eigene Projekte.