LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Eine erste Bilanz des „Luxembourg City Film Festival“

Von acht gesehenen Filmen aus dem offiziellen Spielfilm-Wettbewerb der neunten Ausgaben des „Luxembourg City Film Festival“ (LuxFilmFest) stellt zumindest der „Journal“-Kritiker fest, dass keine einzige dieser Produktionen einen Preis verdient hat, aber die Hoffnung wird erst nach den letzten beiden Filmen sterben. In der Kategorie „Made in Luxembourg“ konnte der Animationsfilm „Funan“ von Denis Do überzeugen. Erzählt wird die emotionsgeladene Geschichte einer Familie, die im Kambodscha während des Aufstands der Roten Khmer getrennt wird.

Fabrizio Maltese realisierte mit „California Dreaming“ eine rein luxemburgische Produktion. Er dokumentiert das Leben in California City, einer Stadt in der Wüste Kaliforniens, die als Großstadt geplant war, aber nur knapp 14.000 Menschen beherbergt. Stilistisch müssten die Standfoto-Einstellungen nicht sein und eine Kürzung wäre angebracht wie auch die wichtige Information, wo sich denn diese Stadt genau befindet.

Spielfilm-Wettbewerb

Typisch für fast alle Wettbewerbsfilme ist die statische Kamera, wie bei „Ray & Liz“ von Richard Billingham, „The Announcement“ von Mahmut Fazil Coskun oder „The Waiter“ von Steve Krikris. Diese drei Filme würden gute Kurzfilme abgeben, würde man alles Überflüssige weglassen. „Firecrackers“ von Jasmin Mozaffari ist etwas lebendiger gefilmt, doch wird nichts Neues erzählt. „The Third Wife“ von Ash Mayfair ist ein ästhetisch schöner Film, in dem man vergeblich nach Erklärungen und Zusammenhängen in der Geschichte sucht, die Ende des 19. Jahrhundert im Vietnam spielt.

„Rojo“ von Benjamín Naishtat fängt gefällig an, dann verliert sich die Geschichte, die Anfang der 1970er Jahre in Argentinien spielt, in einer überflüssigen Nebengeschichte, um sich als Parabel auf das damalige Staatssystem zu erweisen, wobei die wenigsten noch wissen, was damals in diesem südamerikanischen Land passierte. Kompliziert und extrem dialoglastig ist der spanische Film „The Realm“ (El Reino) von Rodrigo Sorogoyen. Hier dauert es einen Moment, ehe man begreift, dass es sich um korrupte Politiker handelt, denen es plötzlich an den Kragen geht. Der kolumbianische Film „Les oiseaux de passage“ (Pájaros De Verano) von Cristina Gallego und Ciro Guerra vermischt lokale Traditionen und Drogenhandel in einem überlangen Format. Bei solchen nicht berauschenden Filmen war es kein Wunder, dass man im Kinosaal viel Schnarchen hörte!

Darius Khondji zu Gast in der Cinémathèque

Am Samstag führte der Journalist Jordan Mintzer ein Gespräch in der Cinémathèque mit dem Kameramann Darius Khondji. Der in Teheran geborene Khondji verbrachte seine Jugend in Paris, wo er das Kino kennenlernte. Ende der 1980er Jahre begann er seinen Job als Kameramann oder „Cinematographer“, ein Wort, das er lieber mag als „directeur photo“. Er bevorzugt es immer noch, auf Zelluloid zu drehen statt mit einer digitalen Kamera. Seine bekanntesten Filme sind „Seven“, „Evita“, „The Ninth Gate“ oder „Amour“.

Kurzes aus Luxemburg

Der Kurzfilm hat Tradition beim LuxFilmFest. Am Montag standen zwölf Filmchen auf dem Programm mit einer Dauer von vier Stunden, die wegen einer technischen Panne um eine weitere verlängert wurden. Eigentlich gefielen nur zwei Filme: „Portraitiste“ von Cyrus Neshvad und „Touch Me“ (Was bleibt) von Eileen Byrne. Der erste handelt von der kleinen Lysa (Lysa Welschen), die sterbenskrank ist, und dank der Aufopferung ihres Großvaters André (Albert Delpy, der Vater der Schauspielerin Julie) am Leben bleibt. Der zweite zeigt wie die Beziehung von Alice (Kristin Suckow) und Moritz (Max Bretschneider) durch einen Brustkrebs auf die Probe gestellt wird. Gute Ansätze zeigten „Cowboy“ von Frédéric Zeimet und „Toi aussi ça te chatouille?“ von Lucía Valverde. Die restlichen Filme versuchten Geschichten zu erzählen, die entweder niemand versteht oder niemand braucht oder die nur experimentelle Zwecke erfüllen.

Weiteres Programm unter www.luxfilmfest.lu