LUXEMBURG
MM

Luxemburgs Finanzsektor bremste 2017 das Gesamtwirtschafts-Wachstum

Sonst immer die Lokomotive war Luxemburgs Finanzsektor im letzten Jahr eher eine Bremse für die Gesamtwirtschaft. Das geht aus dem Konjunktur-Flash hervor, den gestern das Statistikamt Statec veröffentlichte.

Der Mehrwert, den die Finanzbranche für Luxemburgs Wirtschaft leistet, ging 2017 um 3,3 Prozent zurück. Damit hemmte Luxemburgs Vorzeigebranche das Wirtschaftswachstum des Landes, während sie früher immer eine der Sektoren war, die solide „performte“. Als Grund nennt Statec die niedrigen Zinsen, Umstrukturierungen und regulatorische Anpassungen, die weiterhin die Entwicklung der Finanzaktivitäten behinderten. Laut Verband ABBL mussten allein die hiesigen Banken 2016 468 Millionen Euro für die Erfüllung der Regulierungsmaßnahmen ausgeben, das ist ein Pro-zent der Gesamtwirtschaftsleistung des Großherzogtums. Laut Statec entwickelte sich die Wirtschaftsleistung Luxemburg hauptsächlich wegen der Finanzbranche letztes Jahr nicht so stark wie ursprünglich erwartet (2,3 statt 3,4 Prozent). Die Daten für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung seien jedoch vorläufig und müssten daher mit Vorsicht interpretiert werden.

Was die „Eurokrise“ betrifft, scheint die weitgehend im Bewusstsein abgehakt zu sein, denn der Vertrauensindikator des Finanzsektors im Euroraum hat seinen höchsten Stand seit Anfang 2011 erreicht. Prognosen, Gewinne und Nachfrageentwicklung zeigten in die richtige Richtung, und das für alle Branchen, so Statec. Umso überraschender, dass sich dieses wiedergewonnene Vertrauen nicht in der Wertschöpfung des Sektors widerspiegele. Grund zur Panik gibt es aber auch nicht, denn noch immer übertrifft die luxemburgische Finanzbranche die gesamteuropäische im Vergleich bei Wert und Beschäftigung. So ist die Beschäftigung aufgrund von Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen in der Finanzbranche europaweit um 0,9 Prozent gesunken, während sie in Luxemburg um 2,8 Prozent gestiegen ist. Und hier ist Differenzierung angebracht: Denn wenn von Finanzbranche in Luxemburg gesprochen wird, meint man zum einen Banken, zum anderen Investmentfonds. Nettoemissionen- und Rücknahmen von Fondsanteilen waren 2017 mit einem Volumen von 203 Milliarden Euro dreimal höher als 2016, das verwaltete Vermögen stieg um 13 Prozent. Auch die Versicherungsbranche verbuchte ein ähnliches Plus.

Banken mussten sich hingegen laut Statec an die Digitalisierung und Regulierungen anpassen, während die Möglichkeit, Einnahmen zu generieren, beschränkt waren. Das Provisionsergebnis der Geldhäuser stieg nur 2,7 Prozent, die Zinsmarge 3,4 Prozent, während die Kosten um 4,9 Prozent zunahmen.