NIC. DICKEN

Die nationalistischen Kräfte, die glauben machen wollen, durch Rückbesinnung auf das jeweils eigene Territorium könne man die eigene Situation gegenüber den internationalen Risiken verbessern und bestehende Vorteile absichern, fühlen sich derzeit weltweit im Auftrieb.

Von Trump über Putin bis Gauland, Le Pen, Farage und Johnson reicht das Muster derjenigen, die glauben mit der Rückkehr zu einstiger „nationaler Größe“ - was immer man darunter auch verstehen mag - würden sich quasi von selbst alle Probleme lösen, die der jeweiligen Bevölkerung unter den Nägeln brennen und die wegen einer falsch verstandenen Sozialpolitik über Jahrzehnte hinweg nicht in den Griff zu bekommen waren.

Auf der Zeitschiene waren es zunächst die Franzosen, die glaubten mit der Unterstützung des „Front National“ werde die jahrhundertealte Kolonialmacht Frankreich, die später die Folgen der einstigen Hegemonie zu spüren bekam, endlich wieder Herr im eigenen Land.

Dass nicht die aus den Kolonien zugewanderten Bevölkerungsschichten, sondern eine über Jahrzehnte hinweg falsche Sozialpolitik an der Unzufriedenheit vieler eingeborener Franzosen schuld war, mochten sie nicht einsehen.

Im Vergleich dazu wurde es Putin geradezu leicht gemacht, den Nationalismus im größten Land der Erde zu schüren.

Entgegen anderer Zusagen im Anschluss an den Abbau des Eisernen Vorhangs rückte das westliche Verteidigungsbündnis dem Riesenreich immer näher auf die Pelle, bis die Sperrung der Krim für die russische Flotte deren Zugang zu westlichen und nahöstlichen Bestimmungen völlig zu blockieren drohte.

In dieser Situation, zum Wohlgefallen aller Russen, Stärke und Entschlossenheit zu zeigen reichte aus, um gravierende Fehlfunktionen des internen Verteilungssystems vergessen zu machen.

Millionen amerikanischer Staatsbürger, die durch unfähige Konzerne in strategischen Industrien - die Stahlindustrie steht dabei als leuchtendes Exempel - an den Rand ihrer Existenz gebracht worden waren, standen Gewehr bei Fuß, als ihnen Großkotz Trump vorgaukelte, das Land wieder zu alter Größe zurück zu führen.

Welchen Preis Amerika und der Rest der Welt dafür zahlen müssen, weiß noch niemand.

Obwohl mit ihrem Nationalgetümmel erst als letzte dran, dürften die Briten als erste eingesehen haben, dass der Brexit, die Rückkehr zu - leider vergangener - innerer Größe durch Verzicht auf die europäische Gemeinschaft, ein Fehlschluss war, der sie am Ende politisch und finanziell sehr teuer zu stehen kommen könnte.

Da wirkt es geradezu lustig und fast schon kindlich unbefangen, wie der rechte Rand des luxemburgischen Polit-Spektrums weismachen will, dass weniger Wachstum und mehr luxemburgische Sprache dem Land und seiner Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten behilflich sein könnten.

Dabei gibt es nicht mal in Luxemburg gefertigte Handys, um sich untereinander Mut zu machen.