LOS ANGELES
B. MUNKER, A. NASSOUFIS UND J. SCHMITT-TEGGE (DPA)/AP

„Roma“ und „The Favourite“ führen die Liste der Oscar-Nominierungen an

Der Gegensatz könnte nicht krasser sein: In dem in Schwarz-Weiß gedrehten Drama „Roma“ erzählt Oscar-Preisträger Alfonso Cuarón die sehr persönliche Geschichte einer Familie im Mexiko der 70er Jahre. In der Historien-Groteske „The Favourite - Intrigen und Irrsinn“ über Intrigen am Hof der britischen Queen Anne Stuart setzt der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos dagegen auf schrille Farben und schräge Charaktere. Beide Filme sind mit zehn Nominierungen die diesjährigen Oscar-Favoriten. Sie haben unter anderem Chancen auf Auszeichnungen in den Kategorien Bester Film, Kamera und Regie.

Insgesamt wurden gestern acht Werke in der Top-Sparte „Bester Film“ nominiert. Dazu gehören auch „BlacKkKlansman“, „Bohemian Rhapsody“, „A Star Is Born“, „Green Book , „Vice“ und der Blockbuster „Black Panther“ über schwarze Superhelden. Damit brachte es überhaupt zum ersten Mal in 91 Jahren Oscar-Geschichte eine Comicbuch-Verfilmung zu einer Nominierung in der Spitzenkategorie des besten Werks.

Auch der deutsche Beitrag „Werk ohne Autor“ nahm im Oscar-Rennen die nächste Hürde. Das Künstlerdrama von Florian Henckel von Donnersmarck ist einer von fünf Anwärtern in der Sparte „nicht-englischsprachiger Film“. In der gleichen Kategorie ist „Shoplifters“ nominiert, eine japanische Geschichte einer Familie am Rande der Gesellschaft von Hirokazu Kore-eda, außerdem das Kinderarmutsdrama „Capernaum“ von der libanesischen Filmemacherin Nadine Labaki, die mexikanische Produktion „Roma“ und das Schwarz-Weiß-Drama „Cold War“ des polnischen Filmemachers Pawel Pawlikowski.

Reine Männersache

Noch vor drei Jahren stand mit dem Twitter-Hashtag #OscarsSoWhite die mangelnde Vielfalt der Nominierten am Pranger. Eine Welle der Empörung über „weiße“ Oscars wird es diesmal wohl nicht geben. Das schwarze Multitalent Spike Lee (61), als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor für Filme wie „Jungle Fever“, „Malcom X“ und „Inside Man“ bekannt, holte mit dem Rassismus-Drama „BlacKkKlansman“ nun seine erste Oscar-Nominierung für die beste Regie. Diese Sparte ist auch in diesem Jahr wie so oft eine reine Männersache. Mit Lee sind unter anderem der Mexikaner Cuarón, der Grieche Lanthimos und der Pole Pawel Pawlikowski („Cold War“) im Rennen.

Hollywoodlegende Glenn Close (71) könnte mit ihrer Hauptrolle in „The Wife“ („Die Frau des Nobelpreisträgers“) ihren verdienten ersten Oscar holen. Darin spielt sie die geduldige Ehefrau eines Schriftstellers, die sich nach Jahren gegen den egoistischen Mann auflehnt. Es ist ihre siebte Nominierung, 1982 gab es die erste für „Garp - und wie er die Welt sah“, aber bisher ist sie immer leer ausgegangen. Lady Gaga („A Star Is Born“) oder die mexikanische Debüt-Schauspielerin Yalitza Aparicio („Roma“) könnten ihr den Sieg allerdings streitig machen.

Bei den Männern konkurrieren unter anderem Christian Bale, der für seine Rolle als der frühere US-Vizepräsident Dick Cheney in „Vice: Der zweite Mann“ 20 Kilo zunahm, mit den singenden Kollegen Bradley Cooper („A Star Is Born“) und Rami Malek als Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“.

Weiterhin Rätselraten um Moderator

Die Anwärter für die 91. Oscar-Gala stehen nun fest, offen ist dagegen der Ablauf der Show am 24. Februar. Geht das Trophäen-Spektakel diesmal ohne Gastgeber über die Bühne? Nach dem Absprung des Komikers Kevin Hart als Moderator im Dezember hat die Oscar-Akademie noch keinen Nachfolger benannt. Die Zeit wird knapp. Möglicherweise werden sich verschiedene Stars als Präsentatoren abwechseln, spekuliert die Branche. Mit oder ohne Host - die Show dürfte spannend werden.