Derweil in den Gewerkschaftszentralen ob der anstehenden Sozialwahlen noch kräftig gezittert wird, geht es in den Parteizentralen inzwischen schon wieder gemächlicher zu, ist die Schlacht doch spätestens seit der Aufnahme der Koalitionsverhandlungen definitiv geschlagen. Und zwar derart definitiv, dass die immer noch größte und stärkste Partei, wie deren Vertreter sich in den Tagen nach den Wahlen mantra-mäßig selbst Mut zusprachen, nur noch motzt, und sich seit dem Tag, als DP-Präsident Xavier Bettel, zum „Formateur“ ernannt wurde, nicht mehr zu Wort gemeldet hat.

Hier hatte der Chef der Christlichsozialen, das politische Raubein Michel Wolter, zusammen mit Claude Wiseler (anscheinend Vizepräsident der Partei) vor versammelter Presse darauf bestanden, dass die angestrebte Dreierkoalition nicht dem Wählerwillen entspreche. Seitdem war von der CSV nichts mehr zu hören, außer dass Generalsekretär Laurent in einem Gespräch mit RTL unterstrichen hatte, dass die CSV nach vorne schaue und sich als Partei auch in der Regierung immer erneuert habe. Nachdem Jean-Claude Juncker über 18 Jahre an der Kabinettsspitze und über 30 Jahren ununterbrochen in der Regierung verbracht hat, eine doch durchaus als mutig wenn nicht sogar als verwegen zu bezeichnende Aussage.

Mit der „neuen“ CSV, die - es kann nicht oft genug daran erinnert werden - erstmals seit den 70er Jahren (von 1974 bis 1979) und zum zweiten Mal überhaupt seit dem Zweiten Weltkrieg wieder mit der Oppositionsrolle vorlieb nehmen muss, dürfte es in den nächsten Wochen und Monaten jedenfalls nicht langweilig werden, wird diese doch mit Oppositionschef Juncker keine Gelegenheit auslassen, den zukünftigen Gambia-Koalitionären allerkräftigst am Zeug zu flicken. Die Wählerschaft muss schließlich daran erinnert werden, dass eine Regierung ohne die CSV eigentlich nicht funktionieren kann und dem Land ohne die „C“-Partei Sodom und Gomorra droht. Insbesondere in finanzieller Hinsicht, können Afrikaner, zumal wenn sie aus Gambia kommen, doch mit Sicherheit nicht mit Geld umgehen. Die Erzbistumszeitung, die sich auch erst an ihre neue Rolle als Oppositionspresse gewöhnen muss, hat dann auch schon die ersten schwarzen Schatten bei den vorher so sonnigen Koalitionsverhandlungen ausgemacht, soll „Formateur“ Bettel doch am Dienstag anlässlich der vierten Verhandlungsrunde „nicht ganz optimistisch“ gewesen sein, als er über die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt aufgeklärt wurde.

Zu Wort meldete sich gestern aber auch eine weitere Oppositionspartei, nämlich „déi Lénk“, die Transparenz bei den Koalitionsverhandlungen fordert und Grünenchef François Bausch an seine eigenen Aussagen vom 30. Juli 2009 erinnert, als er Schwarz-Rot vorgeworfen hatte, die Koalitionsverhandlungen nicht in der „dunkelsten Dunkelkammer der Welt“, sondern gar in den „Katakomben“ geführt zu haben.

Da sind wir aber mal gespannt, wie die CSV ihre Oppositionsarbeit zusammen mit den beiden anderen Oppositionsparteien „déi Lénk“ und adr angehen wird. Wie heißt es doch so schön? L’union fait la force...