PATRICK WELTER

In rund sechs Monaten dürfen Luxemburger, solche mit Pass und solche ohne, die aber ausreichend lange hier leben, viele Kreuzchen bei den Kommunalwahlen machen. Die Wahlhelfer freuen sich aber über jeden, der in den 46 Proporzgemeinden nur ein Kreuz macht. Das für die so genannte Listenstimme. Wer viele Listenstimmen erzielt, hat schon mal das Meiste in die Scheune eingefahren. Wer seinen gesetzlichen Vorrat an Kreuzchen quer über den Wahlzettel verteilt, entscheidet meist nach persönlicher Zu- und Abneigung. In den verbliebenen 59 Majorzgemeinden ist die Persönlichkeit sowieso der Schlüssel zum Erfolg. Wobei die Persönlichkeit aber durchaus mit Hilfe von Vereinsmeierei und Medienpräsenz „entwickelt“ werden kann. Auch Dauerquerulanten können ihren Wählerstamm haben. Gerade in kleinen Gemeinderäten erweisen sich diese Zeitgenossen als Quell ewigen Unfriedens.

Natürlich wird die allerchristlichste Opposition versuchen, aus den Kommunalwahlen einen Stimmungstest für die Nationalwahlen 2018 zu machen. Die CSV erhofft sich eine vorgezogene Abstrafung der Dreier-Regierungskoalition. Das dürfte ihr kaum gelingen. Über absolute Mehrheiten in Proporzgemeinden verfügt nur noch die LSAP. Wobei auch das nicht ohne Risiken ist, wie 2011 das Beispiel Bettemburg zeigte: Denn nach langjähriger gemeinsamer Oppositionszeit können sich auch eher unerwartete Koalitionen zusammenfinden, um die ewigen Rathausherren vor die Tür zu setzen. Apropos Bettemburg - der von den Auguren vorhergesagte Koalitionskrach blieb - fast - aus. Stattdessen krachte es zeitweise innerhalb der CSV. Auch andere Dreierkoalitionen, etwa in Contern gegen eine starke CSV, in Strassen gegen die DP, überstanden die Legislatur. Im Grunde genommen war diese Kommunalwahlperiode relativ ruhig, allein in Differdingen legte die DP - nach dem Wechsel von Claude Meisch in die Regierung - eine selbstverschuldete Bauchlandung hin. Die Grünen konnten ihr Glück kaum fassen, noch einen Bürgermeister stellen zu können.

Werden sich die großen Reformen wie die Gemeindefinanzreform oder die des Rettungswesens irgendwie auf die Kommunalwahlen auswirken? Wahrscheinlich nicht, die Themen sind schlicht zu komplex. Allein ihre Janusköpfigkeit könnte einige schwarze Bürgermeister denselben kosten. Eine geschickte Opposition wird ihren CSV-Député Maire im Wahlkampf mehr als einmal fragen, warum er gegen eine Kommunalfinanzreform gestimmt hat, die seiner eigenen Gemeinde zusätzliche Millionen in die Kasse spült. Parteiräson vor Lokalpatriotismus?

Der rechte Flügel der CSV und die Bonsai-Populisten der ADR hoffen aus dem leidigen Thema Kirchenfabriken einen Wahlkampfrenner zu machen. Zumindest wird das erwartet. Macht es aber Sinn, auf dieses Thema zu setzen? Zum einen ist es gesetzlich abgearbeitet, weil Regierung und Bistum eine gültige Vereinbarung getroffen haben, zum anderen dürfte es nur zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung - die regelmäßigen Kirchgänger - interessieren. Wobei die Mehrheit der Kirchenfabriken die Übereinkunft längst akzeptiert hat.

Es wird im Oktober sicher Überraschungen geben, aber ein nationales Plebiszit gegen Gambia ist Wunschdenken der CSV.