LUXEMBURG
JEFF KARIER MIT DPA

Auch Luxemburg huldigt am „Record Store Day“ der Vinylplatte

Heute wird in rund 190 Ländern der Welt wieder der „Record Store Day“, kurz RSD, gefeiert. An dem internationalen Tag der unabhängigen Plattenläden nehmen etwa 2.000 Geschäfte weltweit teil. Darunter auch die Läden „Le Réservoir“ und „CD-Buttek Beim Palais“ in Luxemburg. Außerdem findet im Café Rocas ein „Second Hand Records Sale“ zum RSD statt .

Die Idee des „Record Store Day“ wurde vor zehn Jahren in den USA geboren. Damals schien das Aussterben der Vinylplatte angesichts der Konkurrenz durch CD und Internet fast besiegelt zu sein. Um die Platte und die kleinen Plattenläden zu retten, brachten Musiker speziell für den RSD produzierte oder neu aufgelegte Alben, Maxis oder Singles auf Vinyl heraus. „Im vergangenen Jahr haben wir an dem Tag fast ausschließlich diese Platten verkauft“, erklärt der „CD-Buttek Beim Palais“, der dieses Jahr bereits zum vierten Mal teilnimmt. Zum nunmehr 10. „Record Store Day“ werden mehr denn je dieser speziellen Platten veröffentlicht.

Nur unabhängige Läden

„Bestellen und kaufen kann man diese Scheiben allein in unabhängigen Läden, also nicht in Großmärkten und bei Online-Händlern“, heißt es auf Nachfrage beim „Le Réservoir“. Stars wie Bruce Springsteen halfen der Retrobewegung einst auf die Beine: „Ich lasse schnell mal 500 Dollar in einem Plattenladen“, ließ er sich damals öffentlich zitieren. Neben gerade angesagten Musikern gibt es diesmal eine Huldigung kürzlich verstorbener Größen. Unter ihnen der einstige RSD-Botschafter Lemmy Kilmister mit Auskoppelungen seiner Band Motörhead. David Bowie steht auf der Liste der Sonderpressungen ebenso wie Prince.

Pink Floyd bringt zum 10. RSD die Picture Disc „London 1966/1967“ heraus - mit Bildern statt der schwarzen Farbe auf der Vinylscheibe. Vertreten sind auch Pearl Jam, Paul McCartney, die Sex Pistols und viele andere Die Hamburger Hip-Hop- und Pop-Gruppe Fettes Brot bietet orangefarbenes „Brot der frühen Jahre“ von 1992-1994 sowie 1996-1997. Insgesamt ist das Angebot kaum noch überschaubar. Die Veranstalter verweisen auf eine hohe Nachfrage angesichts des seit einigen Jahren anhaltenden Booms. Auch aktuell angesagte Künstler wie Ed Sheeran oder Tim Bendzko bringen neue Veröffentlichungen heute gleichzeitig als Vinyl-Scheiben raus. Auch einige Bands aus Luxemburg wie etwa De Läb bieten ihre Alben auch als Platte an. Auf ihrem letzten Album „Kale Bauer“ feiern „déi fäin Jongen aus dem Minett“ mit dem Song „Dat Schwuarzt Gold“ sogar die Vinylplatten.

Genreübergreifend

„In der DJ-Szene sind die Platten nie wirklich aus der Mode gekommen“, erklärt Claudio, selber DJ und seit letztem Jahr Betreiber des Onlineshops www.vinylharvest.com aus seiner Wohnung in Esch/Alzette heraus. Er bietet unter anderem Electronica, Techno, House und Ambient aber auch eine kleine Auswahl von Soul und Funk an. „Vinyl verkauft sich genreübergreifend“, heißt es vom „CD-Buttek Beim Palais“. Bemerkenswert sei, dass Gruppen wie Alt-J und Arctic Monkeys sich in dem kleinen Laden im Herzen der Stadt wesentlich besser auf Vinyl verkaufen würden.

Das Wiederaufleben der Platten lässt sich an einigen Punkten erklären. Viele Menschen mögen einfach den entschleunigten Musikgenuss und die verbundene Vorfreude darauf bereits beim Auspacken der Schallplatte. Eine Platte lässt sich halt nicht wie eine CD oder ein Song im Stream beliebig vor- oder zurückkurbeln. Sie aufzulegen ist sozusagen eine bewusste Entscheidung für stilvolles Zuhören und die großen Artworks eine Freude für die Augen. „Außerdem ist der Sound von Vinyl ganz anders, einfach runder. Wenn man in einem Club mit Vinyl auflegt, merken die Leute das auch“, meint Claudio. Da dürfe es auch mal knistern oder ruckeln. Das gehöre zum Charme der schwarzen Scheiben einfach dazu.