LUXEMBURG
MARCO MENG

Julius Bär steigert Gewinn - und greift nach Bank Leumi Luxemburg

Die Schweizer Privatbank Julius Bär legte gestern ihr Halbjahresergebnis vor und gab bekannt, mit der israelischen Bank Leumi eine Kooperationsvereinbarung geschlossen zu haben. Die sieht unter anderem die Übernahme der Bank Leumi Luxemburg SA durch Julius Bär vor.

Wie das Schweizer Geldhaus gestern mitteilte, ist das von ihr verwaltete Vermögen um 8% auf Höchststand von 274 Mrd. Schweizer Franken (225,5 Mrd. Euro) geklettert; der Nettozufluss fiel somit etwa so hoch aus wie im gesamten Geschäftsjahr 2013. Nettogewinn kletterte auf 178,3 Mio. Franken (146,7 Mio. Euro), verglichen mit 114 Mio. Franken im Vorjahreszeitraum. Im vergangenen Jahr war der Gewinn von Julius Bär um 30 Prozent eingebrochen.

Ein Grund dafür war der Kauf von Merrill Lynchs International-Wealth-Management (IWM) 2012. Dessen Integration, auch die Geschäftseinheit Luxemburg, befinde sich in der Schlussphase, so Julius Bär, gestern. Am 30. Juni 2014 betrugen die verwalteten Vermögen der Gruppe 56 Mrd. Schweizer Franken von IWM, wovon bereits 48 Mrd. auf den Plattformen von Julius Bär gebucht waren. Boris F.J. Collardi, Chief Executive Officer der Julius Bär Gruppe, dazu: „Der weitere, substanzielle Vermögenszuwachs der Gruppe und das ausgezeichnete Ergebnis beim Netto-Neugeld führten bei den verwalteten Vermögen zu neuen Höchstständen. Zusammen mit der bisher erzielten und sich beschleunigenden Verwirklichung der IWM-bezogenen Effizienzsteigerungen trug dies zu einem deutlichen Gewinnanstieg bei.“

Die im Zusammenhang mit der Integration von IWM anfallende Restrukturierung verlaufe nach Plan. Bis Ende Juni 2014 seien mehr als die Hälfte der erforderlichen Freistellungen vorgenommen oder angekündigt. Im Rahmen der IWM-Übernahme hatte die Bank einen weltweiten Stellenabbau von 400 Arbeitsplätzen angekündigt.

Lockendes Private Banking-Geschäft

Julius Bär und die Bank Leumi mit Sitz in Tel Aviv gaben gestern auch den Abschluss einer strategischen Partnerschaft bekannt. Leumi wird, wie aus der Presseerklärung hervorgeht, ihr aus der Schweiz und Luxemburg heraus betriebenes Private-Banking-Geschäft aufgeben und die entsprechenden internationalen Private-Banking-Kunden an Julius Bär übertragen. Dazu werde Julius Bär die Private-Banking-Tochtergesellschaft von Leumi in Luxemburg mit einem verwalteten Vermögen von derzeit etwa 1,3 Mrd. Schweizer Franken zu erwerben.

In der Schweiz erfolgt die Übernahme in Form einer Übertragung des Geschäfts von Leumi Private Bank AG, die ein verwaltetes Vermögen von 5,9 Mrd. Schweizer Franken angibt, während die Parteien in Luxemburg die Absicht haben, dass Julius Bär die hiesige Tochtergesellschaft von Leumi, die Bank Leumi Luxemburg S.A. kaufen wird. Leumi Luxemburg beschäftigt derzeit 31 Mitarbeiter, davon acht Kundenberater. Stimmen Behörden dem Kauf zu, werde die angestrebte Akquisition voraussichtlich bis Ende des ersten Quartals 2015 abgeschlossen sein. „Nach dem Closing wird die Unternehmenseinheit voraussichtlich mit dem lokalen Anlageberatungsgeschäft von Julius Bär zusammengelegt“, heißt es in der Erklärung dazu. Ob und inwiefern das einen Abbau von Stellen bedeutet, wurde nicht mitgeteilt. Auf Nachfrage dazu erklärte Martin Somogyi, Pressesprecherin von Julius Bär in Zürich, weitere Details könne man zu diesem Zeitpunkt nicht weiter kommentieren.

Das Schweizer Geldhaus hat laut Bloomberg mit den US-Behörden im Streit um die Unterstützung von US-Staatsbürgern bei der Steuerhinterziehung noch keine Einigung gefunden. Die Bank rechnet eigenen Aussagen zufolge damit, in dem Fall ein Bußgeld zahlen zu müssen. In welcher Höhe sei jedoch unklar.