LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Police“, ein langatmiger Film von Anne Fontaine

Regisseurin Anne Fontaine wurde 1959 in Luxemburg geboren. Ihr Vater ist Musikprofessor. Sie hat die doppelte Staatsangehörigkeit, die französische und luxemburgische. Nach filmischen Anfängen als Schauspielerin, unter anderem in David Hamiltons „Tendres Cousines“ oder „P.R.O.F.S“ von Patrick Schulmann, wechselt sie auf den Regiestuhl und dreht 1993 ihren ersten Spielfilm „Les Histoires d‘amour finissent mal... en général“. Mit dem Thriller „Nettoyage à sec“ macht sie sich international einen Namen. Weitere bedeutende Filme waren „Comment j‘ai tué mon père“ (2001), „Coco avant Chanel“ (2009) und „Les innocentes“ (2016). Ihr letzter Film „Police“ handelt von drei Polizisten, die einen Flüchtling zum Flughafen bringen müssen, von wo aus er in sein Heimatland abgeschoben werden soll. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Hugo Boris.

Unsichere Rückkehr

Zuerst zeigt uns die Regisseur Bilder von Virginie (Virginie Efira), die mit einer Ärztin über eine kommende chirurgische Intervention spricht. Erst in der nächsten Szene erkennt man, dass sie Polizistin ist. Zusammen mit ihrem Kollegen Erik (Grégory Gadebois) begleitet sie eine verletzte Frau (Elisa Lasowski) zurück in deren Wohnung zu ihrem brutalen Ehemann (Emmanuel Barrouyer). Zu einem weiteren Polizisten, Aristide (Omar Sy), scheint sie eine bessere Beziehung zu haben, obwohl sie verheiratet ist und eine kleine Tochter hat. Es stellt sich heraus, dass sie durch einen einmaligen Fehltritt mit Aristide schwanger ist, und dass sie abtreiben will.

Immer wieder werden die einzelnen Szenen aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten gezeigt, was aber zu keinen wirklich interessanten Perspektiven führt, die zusätzlich für Spannung und Überraschungen sorgen könnten.

Schließlich müssen die drei den Flüchtling Tohirov (Payman Maadi) nachts zum Flughafen fahren, wo er in sein Heimatland Tadschikistan zurückgeflogen werden soll. Unterwegs liest Virginie das Dossier und erfährt, dass er gefoltert wurde und mehr als sicher bei seiner Heimkehr getötet werden wird. Doch wollen ihre Kollegen den Mann nicht freilassen, was gegen ihre Pflicht verstoßen würde. Der Mann spricht weder ein Wort Französisch noch Englisch, und so wissen sie nicht, was er ihnen erzählt. Auf einem Parkplatz lassen sie alle Türen ihres Streifenwagens offen. Tohirov weigert sich, in eine zeitweilige Freiheit zu flüchten, und so bringen sie ihn zum Flughafen.

Melancholische Blicke

Man tut sich schwer, an diese Geschichte zu glauben. Regisseurin Fontaine beschreibt diese drei Charaktere und ihre Überzeugungen viel zu oberflächlich. Zudem wechselt Virginie Efira kaum ihr Mienenspiel, und sie schaut stets melancholisch drein, so als ob sie überhaupt nicht wissen würde, was sie tun soll. Grégory Gadebois tut es ihr nach, nur dass sich seine Gesichtszüge hie und da verfinstern, wenn er wütend wird. Und Omar Sy versucht stets lustig zu sein, was ihm jedoch nicht gelingt. So plätschert das Geschehen dahin, bis alle drei zusammen mit dem Flüchtling im Auto sitzen und sich entscheiden müssen, ob sie ihn dem möglichen Tod ausliefern sollen. Es kommt aber nicht zu einer Diskussion über Gut und Böse einer solchen Entscheidung.

Am Ende hat man sich als Zuschauer eher durch die endlosen Kameraeinstellungen auf nichtssagende Figuren zu Tode gelangweilt, als dass man einen überzeugenden originellen Polizeifilm gesehen hätte.