LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

40 Prozent der Berufstätigen bringen Job und Freizeit nur leidlich ins Gleichgewicht

Das Thema war ein Dauerbrenner im Wahlkampf: die bessere Vereinbarkeit zwischen dem Berufs- und dem Privatleben. Jede Partei hatte in diesem Sinne Vorschläge auf den Tisch gelegt, wie etwa die Reduzierung und weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit oder aber die Ausdehnung des Elternurlaubs oder die Förderung der Telearbeit. Aber was wollen die Arbeitnehmer? Die sechste Ausgabe der nationalen Umfrage zum „Quality of Work Index“ (QOW), den die Uni Luxemburg seit 2012 gemeinsam mit der Arbeitnehmerkammer erstellt, liefert einige Anhaltspunkte. So ergab sich, dass rund 26 Prozent der Umfrageteilnehmer angaben, manchmal Privat- und Berufsleben nicht unter einen Hut bringen zu können. Zehn Prozent schaffen das öfters nicht und fünf Prozent nie. Bei knapp 40 Prozent der Teilnehmer gibt es also ein Problem bei der „Work Life Balance“. 2014 gaben lediglich 30 Prozent ein solches an.

Am liebsten weniger arbeiten

Und was würde es lindern? Die QOW hat hier zum einen nach der Arbeitsdauer gefragt, die regulär bei 40 Stunden die Woche bei einem unbefristeten und um 27 Stunden bei einem befristeten Vertrag liegt. Aus der Umfrage ergibt sich aber, dass die Teilnehmer tatsächlich durchschnittlich zwischen zwei und vier Stunden mehr leisten. Rund 32 Prozent gaben sogar an, bis zu 48 Stunden die Woche zu arbeiten und 12 Prozent darüber hinaus.

Dabei wünschen sich Männer mit unbefristeten Verträgen, im Durchschnitt 1,3 Stunden weniger als regulär zu arbeiten und Frauen in der gleichen Lage 3,7 Stunden weniger.

Männer mit befristeten Verträgen hingegen wünschen sich 2,3 Stunden mehr zu arbeiten als vereinbart und Frauen eine Stunde mehr. Insgesamt würden sich aber 56 Prozent der Umfrageteilnehmer über eine Arbeitszeitverkürzung freuen. Es gibt aber auch noch andere Wege, dem „Work Life Balance“ auf die Sprünge zu helfen. Mehr Flexibilität bei der Arbeitsgestaltung etwa. So sagen etwa 66 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie in ihrem Unternehmen ohne Voranmeldung einen Tag frei nehmen könnten.

61 Prozent der Teilnehmer haben die Möglichkeit in ihrem Betrieb nach einer Teilzeitphase wieder ihren Vollzeitjob aufnehmen zu können. Viel seltener sind ein Kinderhort im Unternehmen, die Möglichkeit zur Telearbeit und die Aufteilung der Arbeitsstunden auf weniger Tage die Woche.

Laut QOW-Index würde eine einzige Maßnahme wenig zur „Work Life Balance“ beitragen. Bei mehreren kumuliert könnten sich aber positive Effekte auf die Zufriedenheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz einstellen sowie auf die Gesundheit der Arbeitnehmer, die insgesamt über zunehmenden Stress und schwindende Zufriedenheit im Job klagen. Der QOW-Index hat sich auch dafür interessiert, inwieweit der Beruf in die Freizeit hinein drängt. 24 Prozent der Teilnehmer gaben an, manchmal, neun Prozent oft und zwei Prozent ständig zuhause von Kollegen oder Vorgesetzten angerufen zu werden. 16 Prozent antworten manchmal von zuhause auf berufliche E-Mails, 15 Prozent oft und sieben Prozent immer. Dabei wollen 80 Prozent der Befragten die Arbeit hinter sich lassen, wenn sie zuhause sind und 59 Prozent nicht mal an den Job denken müssen. 23 bis 28 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihr Betrieb die Bedingungen für eine solche Trennung nicht schafft. Eine Trennung, die für 30 Prozent der Teilnehmer schwierig ist, während 27 Prozent gar angeben, überhaupt nicht auf Distanz zu ihrem Job gehen zu können. Sie sind auch die, die trotz Krankheit arbeiten gehen, am meisten „Burnout“-gefährdet sind, mehr Schwierigkeiten mit der „Work Life Balance“ haben und unzufriedener und unmotivierter im Job sind. „Wir wünschen uns, dass sie auf das Thema eingehen“, entgegnete CSL-Präsident Jean-Claude Reding auf die Frage, was er von der neuen Regierung hinsichtlich der besseren Vereinbarung von Job und Freizeit erwarte, „und dass sie bereit sind, das zu diskutieren“. Der ehemalige OGBL-Präsident befürwortet eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit und mehr Urlaub. Sowie ein Recht für jeden Arbeitnehmer, nicht in seiner Freizeit mit beruflichen Fragen behelligt zu werden.