PATRICK WELTER

In dieser Woche machte irgendein neunmalkluger Redakteur im Nachrichtenmagazin SPIEGEL Hatz auf Oldtimer, fabulierte von einer Oldtimer-Schwemme - genau 0,69 Prozent des deutschen Fahrzeugbestandes - und regte sich in aller Unkenntnis über die „Stinker“ auf, die in die Innenstädte fahren dürfen. Dort würden sie „Dreck wie ein alter Fischkutter“ ausstoßen.

Zäumt man die Geschichte aber mal vom Fischkutter aus auf, wird eine dreckige Sache draus. Während sich Ökos und Autofeinde mit Wonne am „Diesel-Gate“ aufgeilen, raucht und qualmt es rund um den Globus, dass es zum Fürchten ist. Nein, nicht die bösen Kohlekraftwerke, die man durch „Dekarbonisierung“ erledigen sollte, so die grünen Morgenthau-Pläne. Zumindest in Europa versucht man, den Ruß- und Schwefelausstoß von Kohlekraftwerken durch eine vorsorgliche Rohstoffauswahl und effektive Filter auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Anders beim Fischkutter.

Die Diesel-Gate-Debatte wird zum Witz, wenn man sich einmal klar macht, welche Motoren den Welthandel via See am Laufen halten: Zweitakt-Dieselmotoren mit einer Ausbeute von zigtausend PS transportieren bis zu 15.000 Container möglichst billig über die Weltmeere. Postpanamax-Schiffe sind so groß, dass sie nicht durch den Kanal passen, aber gleichzeitig so kosteneffizient, dass ihnen riesige Umwege nichts ausmachen. Kein Wunder, zum Betrieb dieser durchaus beeindruckenden Dieselkathedralen wird schlichter Dreck benützt. Schwarze Pampe, die bei der Raffinerie von Benzin und Diesel übrig bleibt. Das Zeug hat den harmlosen Namen Schweröl und eine Konsistenz, die der von Teer gleicht. Um überhaupt als Treibstoff verwendet werden zu können muss die Pampe vorher erhitzt werden. Im Internet kursiert die Rechnung, dass die zwölf größten Schiffe so viele Schadstoffe ausstoßen, wie alle Autos weltweit zusammen. Keine Ahnung ob die Rechnung korrekt ist, sie geht aber sicher in die richtige Richtung. Technisch ist längst anderes möglich - von Abgasreinigung bis hin zum Erdgasantrieb.

Da die Luftverpestung draußen auf den Ozeanen stattfindet, interessiert sie niemanden. Moderne Seehäfen liegen weit draußen und geht es mal in eine klassischen Hafen, wird die Dreckschleuder abgestellt, sobald die Hafenschlepper übernehmen.

Ein kleiner Teil der Branche denkt um. Natürlich unter Druck, aber zügig. Im Gegensatz zu Containern, schätzen es auch vergnügungssüchtige Kreuzfahrttouristen nicht mehr, wenn ihr Pott eine dicke schwarze Rauchfahne in den Himmel bläst. Typische Kreuzfahrthäfen waren es auch satt, von den vor Anker liegenden Hotelschiffen eingenebelt zu werden - schließlich brauchten die schwimmenden Paläste Energie. Mittlerweile kommt der Strom von Land oder ein externer gasbetriebener Generator hält das Leben an Bord aufrecht. Die neuen Kreuzfahrtschiffen zeigen, dass man auch halbwegs sauber über die Weltmeere kommt. Leider machen sie nur einen winzigen Teil der weltweiten Flotte aus.

Im Sicherheitsbereich hat Brüssel schon lange reagiert: Irgendwann hat die EU die gefährlichen Ein-Hüllen-Tanker aus ihren Gewässern vertrieben. Wieso soll es dann so schwierig sein, den ungefilterten Schwerölmotoren den Garaus zu machen? Die Touristendampfer zeigen, dass es geht.