Jacques Rougerie lebt seit mehr als 30 Jahren für das Meer. Der heute 70-Jährige will den Menschen und sein Lieblingselement zusammenbringen. Dafür hat er schon mal 71 Tage unter Wasser gelebt, Unterwasserlabore eingerichtet, bei Meereszentren und experimenteller Architektur genau so beraten wie bei Unterwasser-Malerei Er hat immer wieder ausgefallene Schiffe gebaut. Sein neuestes Projekt vereint seine Leidenschaften, Architektur und Meer. Anlässlich einer Präsentation vorm Cluster Maritim in Luxemburg erklärte er dem „Journal“, wie der SeaOrbiter funktioniert.
Herr Rougerie, was ist der SeaOrbiter?
Jacques Rougerie Der SearOrbiter gehört zu einer neuen Generation von Forschungsschiffen. Er soll weltweit und dank sozialer Netzwerke klar machen, wie wichtig Ozeane für unsere Welt sind. Es ist ein Symbol, so wie die „Calypso“ für Cousteau - ein starkes Symbol. Was morgen auf dem Meer passiert, ist für uns Menschen sehr wichtig, ebenso die Sensibilisierung der Kinder. Das Schicksal zukünftiger Generationen wird im Ozean geschaffen. Ein weiteres Ziel ist es, ein Team mit Tauchern langfristig ins Meer zu bringen. Sie sollen dort Tag und Nacht bleiben, unabhängig von den Wetterbedingungen. Damit ermöglichen wir ganz neue Beobachtungen der Unterwasserwelten. Bislang geht das nur ein bis zwei Stunden; je nach Tauchgang. Aber wenn man den ganzen Tag unter Wasser ist, ist das anders. Es ist ein Experiment wie die Raumfahrtstation. Übrigens werden auch viele Astronauten unter Wasser darin ausgebildet, sich in der Schwerelosigkeit zu bewegen. Einige sind ausgezeichnete Taucher. Schon in den 70er Jahren experimentierte die NASA mit Unterwasser-Siedlungen.
Wie sieht der SeaOrbiter aus?
Rougerie Das Unterwasserraumschiff soll 58 Meter hoch sein. 21 Meter davon sind über der Wasseroberfläche sichtbar. Die 37 Meter unter Wasser beinhalten eine Forschungsplattform. Der SeaOrbiter bietet Platz für 18 bis 22 Personen, von denen sechs Forscher sein sollen. Ihnen steht ein Labor zur Verfügung und sie können so oft sie wollen auf einer Tiefe von 12 Metern hinaustauchen. Der SeaOrbiter verfügt auch über kleinere Taucherschiffe, er kann Daten und Proben in einer Tiefe bis zu 6.000 Metern sammeln. Er wird zu einer Forschungsstation, die Daten weltweit zur Verfügung stellt. Mehrere SeaOrbiter lassen sich zu einem Netzwerk zusammen fassen.
Wer baut das?
Rougerie Wir haben einen Industriekonsortium, in dem unter anderem ABB und Marine Tech sitzen, aber auch DCNS. Prinz Albert von Monaco steht an der Spitze der Stiftung, die den SeaOrbiter unterstützt.
Wie wird der SeaOrbiter finanziert?
Rougerie Er kostet 40 Millionen Euro. Wir haben schon über die Hälfte. Der Rest der Finanzierung kann auch aus Partnern bestehen, die sich für Ozean interessieren. Deswegen haben wir haben beispielsweise in Luxemburg internationale Unternehmen getroffen. Die Forschung und Entwicklung, die das Projekt bietet, könnte für viele Unternehmen interessant sein. Da wünschen wir uns noch Partner. Dann können wir loslegen.
Seit wann ist ihr Projekt im Bau?
Rougerie Wir arbeiten seit zehn Jahren daran, aber es stecken 30 Jahre Recherche drin; all´ die Wohnprojekte unter Wasser, an denen ich mitgearbeitet habe, von Städten unter Wasser bis zu Taucherkapseln für Kinder. Der Bau beginnt, sobald das restliche Geld zusammen kommt.
Warum hat der SeaOrbiter so eine merkwürdige Form?
Rougerie Die Form erklärt sich mit der Stabilität. Er muss gleichzeitig starken Strömungen wiederstehen. Der Widerstand ist so geringer. Die Vertikalität erlaubt eine stabile Haltung und Taucher können direkt ins Wasser. So wie auf der Nautilus.
Wie weit sind Sie mit dem Bau?
Rougerie Der SeaOrbiter existiert als Modell, das gut ein Zehntel so groß ist wie das Original. Mit diesem Modell haben wir schon alle erforderlichen Tests im Marinetek in Norwegen erfolgreich durchgeführt; das ist das größte Simulationslabor für das Meer. Der Sea-Orbiter soll sich 90 Prozent der Zeit lautlos mit der Strömung bewegen. Zum Teil ist er aus speziell für Seewasser geeignetem Aluminium gebaut.
Welche Erkenntnisse versprechen Sie sich von der Forschung an Bord?
Rougerie Wir denken beispielsweise an Ernährung. Immerhin enthält der Ozean die größte Konzentration von Leben auf der Welt. Gesundheit und Wohlbefinden können ebenfalls wichtige Felder sein; beispielsweise die Forschung für neue Medikamente. Erneuerbare Energien durch Strömungen und Wellen wären ebenfalls möglich. Ganz zu schweigen von allem, was man auf dem Meeresboden finden kann. Meerestechnologie wäre ebenfalls ein Forschungsfeld, da entstehen ganz neue Industrien. Die ESA und die NASA werden ebenfalls bei den Forschungsprogrammen mitmachen, weil sich vieles im Meer und im All ähnelt.


