PIERRE WELTER

EIB-Kamera und die Folgen: 24 weitere Monate auf Bewährung mit Auflagen

Am Dienstag wurde ein Voyeur vor dem Berufungshof zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, davon 24 auf Bewährung mit Auflagen verurteilt. So kam der Täter mit einer milderen Strafe davon. Allerdings bestünde laut Gericht weiterhin Therapiebedarf, denn der Betroffene hatte mit seiner Tat die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt und war dadurch polizeilich auffällig geworden.

Gezielt nach einem Ort gesucht, an denen Frauen sich unbekümmert auszogen

Ein 53-jähriger Angestellter der Europäischen Investitionsbank (EIB) hatte 2016 Frauen mit einer getarnten Minikamera in der Umkleidekabine der Bank aufgenommen. Die darauf zu sehenden Frauen waren ganz oder teilweise entkleidet. Zudem sei der 53-Jährige ziemlich skrupellos vorgegangen, ohne jedes Mitgefühl für die Opfer. Durch die Bilder hatte er den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Personen verletzt und das Vertrauen jeder Frau missbraucht. Der Voyeur legte dabei meist keinen gesteigerten Wert auf Gesichtsaufnahmen beziehungsweise vermeidete diese absichtlich, um sein moralisches Schuldbewusstsein zu unterdrücken. Doch offenbar hatte das
sogenannte letzte Wort für den Angeklagten eine große Bedeutung. Im Berufungsprozess hatte sich der Mann für sein Benehmen entschuldigt.

Befriedigung eigener sexueller Bedürfnisse?

Im Frühjahr 2016 hatten die Frauen die heimliche Videoüberwachung zufällig entdeckt. Bei der Festnahme und der Durchsuchung der Wohn- und Arbeitsräume des Angestellten hatten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Die Richter der 12. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg hatten den Voyeur am 18. Mai 2017 unter anderem auch wegen unbefugter Herstellens und unbefugten Gebrauchs von Bildaufnahmen zu zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Richter verwiesen auf die Folgen für die Opfer, die von Angstzuständen und Depressionen berichteten.