LUXEMBURG/ECHTERNACH
INGO ZWANK

Staat, Bistum und Luxemburg-Stadt unterzeichnen Konvention - Abteistadt peinlich berührt

Seit 1809 verwalten die Kirchenfabriken im Großherzogtum die Besitztümer der katholischen Kirche, bislang hatte jede Gemeinde eine eigene Kirchenfabrik. 285 dieser Kirchenfabriken gab es in Luxemburg. Dies hatte zur Folge, dass im Jahr 2015 die Gemeinden 13,6 Millionen Euro für die Kirchen aufwenden müssten, um Reparaturen zu be- oder auch Defizite auszugleichen.

500 Kirchen und Kapellen wurden dem Fonds zugeführt - Willibrordusbasilika noch in der Schwebe

Doch damit ist bekanntlich jetzt Schluss, hatte die aktuelle Regierung doch das Ende der Kirchenfabriken angekündigt und nun auch in die Wege geleitet. Die Fabriken werden aufgelöst und in einen Fonds zusammengeführt, der von der Erzdiözese verwaltet wird. Innenminister Dan Kersch betonte, dass alle Besitztümer der Fabriken in diesem Fonds, also Gebäude, Grundstücke und Geld, vereint werden würde, von einer Enteignung könne man also nicht sprechen. Doch es gab einige Probleme: Wem gehört schlussendlich welche Kirche?

Gut 500 Kirchen und Kapellen im ganzen Land wurden dem Fonds zugeführt oder blieben im Gemeindebesitz, was aber ein Einverständnis zwischen Politik und Kirche voraussetzte. Ist dies der Fall, so können nun die Gemeinden schauen, was mit der Kirche geschehen soll. Entweihen ist eine Möglichkeit, doch dies ist nur mit dem Segen des Erzbischofs möglich. Generalvikar Leo Wagener bestätigt, dass wenn dies nicht der Fall sei, der Fonds die Kirche übernehmen müsste.

Für die Kathedrale in Luxemburg und die Basilika in Echternach wurden nun Ausnahmeregelungen ausgehandelt. In den beiden Fällen beteiligen sich die Gemeinden an der Erhaltung der Kirchen-Gebäude.

Eine entsprechende Konvention für die beiden Kirchen sollte gestern vom Staat, dem Bistum und den beteiligten Gemeinden unterzeichnet. Im Bezug auf die Kathedrale ist somit nun vereinbart, dass Staat und Stadt Luxemburg je zu 50 Prozent am Unterhalt beteiligt sind. Im Bezug auf die Basilika von Echternach wurde festgehalten, dass sich die finanzielle Beteiligung wie folgt aufteilt: Die Stadt Echternach ist wie auch der „Fonds de gestion du patrimoine du culte catholique“ mit 25 Prozent beteiligt, beim Staat liegt eine finanzielle Beteiligung von 50 Prozent. Von Seiten der Gemeinde Echternach heißt es: „Wir bekennen uns natürlich zu unserem historischen Erbe,“ sagt Ben Scheuer (LSAP), erster Schöffe in Echternach. „Wir müssen allerdings aufpassen, dass die finanziellen Lasten für die Gemeinde tragbar bleiben. Die Kirchengebäude gehören zu unserem großen Kulturgut und machen die Besonderheit unserer Stadt aus. Wir werden deshalb den Unterhalt der Kirchengebäude mit tragen.“ Im Rahmen dieser Neuordnung der Unterhaltskosten sei auch eine Beteiligung in ähnlicher prozentualer Höhe an den Unterhaltskosten der Peter-und-Paul-Kirche denkbar, die auch ein entsprechendes Kulturgut darstelle. Unterschriftsreif lagen die Konventionen vor.

Erzbischof im Regen stehengelassen

Soweit schön und gut, sind die Parteien gestern alle zur Unterzeichnung erschienen. Nur die Konvention mit Echternach blieb ohne Signaturen, da das Bistum von der Echternacher Kirchenfabrik nach „Journal“-Informationen etwas hängengelassen wurde, ein Mehrheitsbeschluss in der Abteistadt kam wohl nicht zustande. Erzbischof Hollerich fragte diesen bei der Kirchenfabrik wohl an, da aktuell Gerichtsprozesse anzustehen drohen. Der Erzbischof wurde vor Gericht zitiert, unter anderem von der Kirchenfabrik Echternach. Zur Abstimmung in Echternach waren wohl nur vier Mitglieder anwesend, fünf hätten es sein müssen; die vier Anwesenden waren wohl alle für die Konvention. Beteiligte kommentierten den gestrigen Tag schlichtweg als „peinlich“. Die Konvention für die Kathedrale wurde hingegen unterzeichnet.