SCHENGEN
CORDELIA CHATON

Vicki Sorg will als Charity-Beauftragte von PM International bald 10.000 Kinder unterstützen

Vicki Sorg ist nicht nur Director Promotion bei PM International, sondern auch engagierte Beauftragte für das Wohltätigkeits-Engagement des weltweit tätigen Konzerns mit Sitz in Schengen. PM International vertreibt weltweit im Direktverkauf Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika. Das seit Jahren stark wachsende Unternehmen hat sich schon früh auf die Fahnen geschrieben, etwas für Kinder zu tun und ist mittlerweile größter Unternehmenspate der Kinderhilfsorganisation World Vision. Das liegt Vicki Sorg, selbst Mutter zweier Kinder, sehr am Herzen. Im Interview erklärt sie, warum das Umsatzwachstum so wichtig für ihr Charity-Engagement ist und was sie noch plant.

Frau Sorg, verbringen Sie mehr Zeit mit ihren eigenen Kindern als mit jenen, denen sie helfen?

Vicki Sorg Ich bin natürlich ein Vorbild für meine Kinder. Da unser Unternehmen im Direktverkauf tätig ist, ist es auch möglich, sich gleichzeitig um eine Familie zu kümmern. Wir haben immer Zeit für die Kinder, das geht klar vor. Aber meine Tochter ist nun schon im Studium und mein Sohn ein Teenager, da sind die Bedürfnisse etwas anders. Durch die Coronaviruskrise hat sich meine Reisetätigkeit als Charity-Verantwortliche natürlich sehr verändert. Zuvor war es so, dass ich mehrfach im Jahr verreist bin, um mir die Projekte selbst vor Ort anzusehen. Ich reise normalerweise sehr viel, weil ich dann am Puls des Geschehens bin und ein viel besseres Gefühl für die Projekte habe. Vor Ort zu sein ist einfach etwas ganz anderes.

Auf vielen Fotos sind Sie in herzlicher Umarmung mit den Kindern zu sehen.

Sorg Es gibt ganz klare Regeln: Wenn die Kinder von sich aus auf einen zukommen, dann ist das erlaubt, sonst nicht. Für viele Kinder bin ich die erste Weiße oder Blondine oder überhaupt die erste Ausländerin, die sie sehen. Da gibt es an Reaktionen von Neugier bis Angst so ziemlich alles. Aber sehr oft entsteht ein persönlicher Kontakt.

Sie arbeiten mit der Hilfsorganisation World Vision zusammen. Warum ausgerechnet mit dieser?

Sorg Wir haben uns genau informiert und sie sind einfach am transparentesten. Dafür wurden sie auch schon mehrfach auf internationaler Ebene ausgezeichnet. Und was ich am Tollsten finde: World Vision geht dorthin, wo die anderen nicht hingehen. Das ist ein ganz anderer Ansatz. Das sind Projekte, die sehr viel bewirken.

PM International hilft bislang rund 2.300 Kindern weltweit. Wo wollen Sie noch hin?

Sorg 2.300 ist schon eine große Zahl, aber in diesem Jahr wollen wir noch 500 weiteren Kindern helfen und zwar in Simbabwe. Dort läuft ein ganz neues Projekt an. World Vision muss dann erklären, wozu Hygiene dient und warum Bildung und Medizin eine gute Sache sind. Das Projekt ist auf 15 Jahre angelegt. In Simbabwe gibt es große Probleme mit Trinkwasser und Dürre. Durch das neue Projekt sollen Wasserlöcher gegraben werden, damit die Menschen Zugang zu Wasser erhalten. Das ist übrigens typisch für die Projekte: Es sind ja nicht nur die Kinder, die davon profitieren, sondern die ganze Gemeinschaft. Wir zahlen pro Kind und Monat 30 Euro. Das geht nicht nur an ein Kind. Unter dem Strich profitieren aber tatsächlich im Durchschnitt vier Kinder. World Vision sagt nie zu einem Kind: Du bist nicht im Programm und deshalb erhältst du auch keine Unterstützung. Es ist immer ein Konzept für ein Gebiet.

Welchen Einfluss hat dieses Programm auf Ihre Mitarbeiter?

Sorg Es ist ein sehr großer Effekt, denke ich, denn jedes Mal, wenn wir eine Aktion posten oder darüber berichten, erhalten wir zahlreiche Reaktionen. Wir haben eine monatliche Business Academy, da unsere Vertriebspartner und Mitarbeiter weltweit alle im Direktvertrieb tätig sind. Dort zeigen wir dann Filme über die World Vision-Projekte. Die Mitarbeiter wollen wissen, was läuft. Sie sind stolz, für ein Unternehmen zu arbeiten, dass sich für Kinder und Soziales engagiert.

Sucht World Vision spezielle Projekte mit einem Fokus auf Ernährung für PM International heraus?

Sorg Jein. Unter unseren weltweiten Hilfsprogrammen gibt es zwei, bei denen das der Fall ist. Eines davon ist in Indien und betrifft 812 Kinder, das andere in Peru und es betrifft mehr als 500 Kinder. Allerdings kam das nicht auf unsere Anfrage hin, sondern weil es gerade in die Pläne von World Vision passte. Alle anderen Projekte haben ein ganzheitliches Konzept. Da geht es dann gleichermaßen um Ernährung, Bildung, Hygiene und ähnliches.

Die Hilfe von PM International hängt am Wachstum und am Umsatz. Was passiert, wenn dieser sinkt?
Sorg Wir haben eine sehr konservative Strategie und angesichts der aktuellen Entwicklung des Unternehmens rechne ich nicht damit. Unser Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren weitere 5.000 Kinder zu unterstützen. Wir haben Reserven, um unsere Hilfe weiterführen zu können.

Hätten Sie denn ein Lieblings- oder Wunschprojekt?

Sorg 2019 waren Rolf (Anm. der Red.: CEO von PM International und ihr Mann) und ich in Peru und haben festgestellt, dass viele Kinder schon nach sechs Jahren aus verschiedenen Gründen aus dem Programm fallen. Das hat uns schockiert. Deshalb überlegen wir, wie wir die Kinder unterstützen können. Wir haben entschieden, dass wir zuerst jene in die Programme aufnehmen, die zuvor fallen gelassen wurden. Darüber hinaus freue ich mich über zwei Projekte, die noch anstehen: Das Farm-to-fork-Projekt, bei dem es um Akazienbäume in der Sahelzone geht, deren Ernte wir für unsere Produkte nutzen. Das läuft außerhalb von World Vision. Es könnte ein win-win-Projekt sein. Die Herausforderung ist die Qualität und die Produktion am Standort. Wir sehen uns auch schon nach weiteren Projekten in diesem Bereich um.

Nicht nur Kindern in Peru und Simbabwe geht es schlecht. Auch in Luxemburg ist jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Gibt es Ihrerseits Überlegungen, hier zu helfen?

Sorg Wir helfen bislang punktuell. Hier in Schengen, wo PM International seinen Sitz hat, unterstützen wir das lokale Fußballteam und die Rudermannschaft. Klar ist: Wir wollen keine Kinder leiden sehen, weder hier noch anderswo. Wenn lokale Organisationen auf uns zukommen, sind wir offen. Ansonsten konzentrieren wir uns auf unsere Projekte mit World Vision. Unser Langzeit-Ziel: 10.000 Kindern zu helfen. Dabei muss man wissen, dass nicht nur die Kinder profitieren. Bei 5.000 Kindern, die Hilfe empfangen, profitieren tatsächlich 700.000 Menschen.