COLMAR-BERG
CORDELIA CHATON

Max Stebens hat seine Ansichten über die Industrie nach einem Praktikum revidiert

Max Stebens hat sein Studium mit guten Erinnerungen begonnen. Sein viermonatiges Praktikum beim Reifenhersteller Goodyear auf Colmar-Berg ist beendet. Für ihn war es eine positive Erfahrung. „Ich sollte ein mindestens zweimonatiges Praktikum absolvieren, hier war es dann länger. Das ging, weil ich Ende März fertig mit den Vorlesungen war“, erzählt der 23-Jährige, der von April bis Juni bei Goodyear war. Er studiert an der Universität Strasbourg „Internationales Projektmanagement“. Praktika sind Pflicht in seinem Studium. Deshalb fing er schon im September 2018 mit der Suche an. „Aber viele Unternehmen wollen sich erst später entscheiden“, hält er fest. Kurz vor Weihnachten 2018 hatte er dann ein Vorstellungsgespräch bei Goodyear. „Schon zwei Tage später haben sie geantwortet“, freut er sich.

Praktika haben für Studenten viele Vorteile. Sie lernen die Arbeitswelt kennen, können in der Praxis besser beurteilen, was ihnen gefällt und was nicht, und die erlernte Theorie in die Praxis umsetzen. Gleichzeitig können sie Kontakte knüpfen, die für ein weiteres Praktikum oder eine Anstellung interessant sind. Vielen wird klar, welche Stärken oder auch Schwächen sie haben. Jeder aber profitiert für den Lebenslauf davon, denn praktische Erfahrung ist immer gern gesehen. Nicht zuletzt ist es auch finanzielle oft interessant. Wir stellen hier in einer kleinen Folge drei Praktikanten vor, die beim Reifenhersteller Goodyear praktische Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Abteilungen gesammelt haben. Dieser Beitrag beschließt die Berichte.

Stebens meint: „Praktika wurden bislang von der Universität stark empfohlen. Jetzt sind sie obligatorisch. Das hat mir gut gefallen. Ich finde es gut, um einen Einblick zu erhalten, aber auch, um zu wissen, ob es das Richtige ist. Hier ergänzen sich Theorie und Praxis. Das größte Problem ist oft, welche zu finden.“ Er sammelte Erfahrungen bei „Proactive Solutions“, einer neuen Abteilung, die Sensoren für die Druckmessen der Reifen auf Distanz ausarbeitet. Hier arbeitet der Student im Projektmanagement mit. „Dabei ging es um ganz neue Formate“, berichtete er.

Für ihn war die Erfahrung umso wertvoller, weil er bislang praktische Erfahrungen nur während des Sommers in Jobs gesammelt hatte: „Einmal habe ich für die Gemeinde gearbeitet, ein anderes Mal im Rechnungswesen eines Busunternehmens.“ Gelernt hat er diesmal eine Menge, findet Stebens: „Mein Englisch ist viel besser geworden, denn aufgrund der Multikulturalität und der verschiedenen Erfahrungshorizonte der Leute ist das im Unternehmen die gängige Sprache.“ An der französischen Universität hat er Englisch und Deutsch als Fremdsprachen. „Von 24 Studenten kommen vier aus Luxemburg - und in Deutsch sind wir die Besten.“ Besonders gefallen hat ihm, dass er durch das Praktikum seinem Studienfach sehr nahe kam, denn auch in Colmar-Berg ging es um Projektmanagement.

Täglich zwischen 8.00 und 17.00 erlebte Stebens als Praktikant einen Arbeitsalltag, der viel mit Teamarbeit zu tun hatte. „Es war ein offenes Büro und ich wurde in das Team involviert, das aus sechs Leuten bestand. In der Abteilung arbeiten 25 Leute“, berichtet er. Seine Aufgabe war die Vertragsvalidation und bezog sich des Weiteren auf ein neues Produkt, über das er noch nicht zu viel verraten darf. „Ich habe viele Mails geschrieben und Kontakte gehabt“, erzählt er zufrieden.

Enttäuschungen gab es auch. „Das Projekt ging aus vielen Gründen nicht so schnell voran, wie geplant. Aber es hat mir trotzdem viel gebracht, weil gelernt habe, welche Hürden es gibt“, ordnet er die Rückschläge ein. Besonders hilfreich fand Stebens das Feed-back seitens seiner Tutorin. „Auch für die Universität habe ich davon profitiert. Ich war sehr zufrieden.“

Ob er in die Industrie will? „Zumindest hat sich meine Sicht auf US-Firmen geändert. Es war flott zu sehen, wie unterschiedlich das im Vergleich zu anderen Unternehmen ist. Meine Abteilung war eher wie ein Start-up organisiert, nicht wie ein Industriekonzern“, stellt er fest. Auf jeden Fall hat es ihm so gut gefallen, dass er jederzeit wieder zurückgehen würde. „Das habe ich schon vorgeschlagen.“

Direkt wird es allerdings nicht möglich sein, denn die Studienordnung sieht vor, dass er ein Praktikum im Ausland macht. „Da würde ich gern nach Deutschland gehen, denn in Frankreich war ich jetzt fünf Jahre lang.“ Mit dem Studienbeginn in diesem Monat erfährt er mehr zu den verlangten Voraussetzungen. „Das Praktikum bei Goodyear hat mich darin bestärkt, dass meine Wahl Projektmanagement das Richtige ist“, sagt Stebens abschließend.