SIMONE MOLITOR

Der gesamte Kulturbereich ist zum Erliegen gekommen. Kurzzeitig, denn bereits wenige Tage nach dem Lockdown haben die Künstler die Dinge selbst in die Hand genommen und ein digitales Angebot auf die Beine gestellt, das auch tatsächlich genutzt wird. Das Kulturministerium seinerseits hat ebenfalls reagiert, Online-Aktionen kultureller Art finanziell unterstützt und eine Reihe zusätzlicher Hilfen für von der Krise gebeutelte Kulturschaffende auf den Weg gebracht. Reicht das, um zu überleben? Wer geht in der Masse unter, wer bleibt auf der Strecke? Die langfristigen Auswirkungen auf den Kultursektor sind zum jetzigen Zeitpunkt kaum mit absoluter Sicherheit einzuschätzen. Klar ist aber, dass noch sobald nichts sein wird, wie es einmal war.

Bis vor kurzem haben sich Künstler, Kulturschaffende und „Intermittents du spectacle“ erstaunlich ruhig verhalten, sich mit Forderungen und Kritik zurückgehalten, sind nicht auf die Barrikaden gegangen, nicht einmal auf die virtuellen, dies obwohl der Druck auf die Kulturszene mit jedem Tag und der anhaltenden Unsicherheit wächst. Die Kultur war als einer der ersten Bereiche von Verboten betroffen und wird wohl auch erst zu einer gewissen Normalität zurückkehren können, wenn die Friseure längst wieder Haare schneiden und die Schüler vor den Lehrern in der Schule sitzen.

Erst in den letzten Tagen wurden Stimmen laut. So hat etwa der neue Präsident der „Theater Federatioun“, Claude Mangen, die Mitglieder dazu aufgerufen, sich Gehör zu verschaffen, dies nachdem der Sektor der darstellenden Künste in den aktuellen politischen Diskursen allzu oft vergessen worden sei. Wenig später haben sich sieben DirektorInnen von Kulturinstitutionen in einem offenen Brief an Kulturministerin Sam Tanson gerichtet, um zu unterstreichen, welch wichtige Rolle Kunst und Kultur in der jetzigen Zeit spielen würden, und gleichzeitig eine Stärkung des Sektors – und seines Budgets - nach überstandener Krise zu fordern. Am Montag hat die Ministerin mit Vertretern der Vereinigungen der einzelnen Berufsgruppen aus dem Kulturbereich über den bestehenden Handlungsbedarf diskutiert. Weitere Anstrengungen zugunsten der Professionellen würden unternommen, hat sie versichert.

Zumindest auf Ebene der Anerkennung und des Bekanntheitsgrads dürfte die Kulturszene um einiges gestärkter aus dieser Krise hervorgehen. Sie hat bewiesen, dass sie trotz Einschränkungen voller Tatendrang steckt und Menschen in schweren Zeiten auffangen kann. Sie hat gezeigt, wie vielfältig und kreativ sie ist. Sie hat sogar Bevölkerungsschichten erreicht, die man selten bis nie in Konzertsälen oder Theaterhäusern sieht. Wenn es jetzt gelingt, dieses Publikum mit ins echte Kulturleben und vor die richtigen Bühnen zu nehmen, dann hätte die Corona-Pandemie zumindest einen kleinen positiven und vor allem nachhaltigen Effekt.

Bei der Rückkehr zur Normalität darf die Kultur - und ganz besonders die Künstler als Kulturlieferanten – jedenfalls nicht das letzte Glied einer langen Kette sein, dem (finanzielle) Beachtung und die verdiente Wertschätzung geschenkt wird. Dieser Aufruf gilt der Regierung ebenso wie der Bevölkerung.