LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Joël Heyard veröffentlicht mit „Introspection“ sein erstes eigenes Album

Schlagzeuger, Songwriter und Produzent: Joël Heyard hat sich in der Musikbranche längst einen Namen gemacht, spielte in verschiedenen Bands, schrieb etliche Songs für andere Künstler und produzierte nicht wenige Top-Ten-Hits. Mit „Introspection“ veröffentlicht er nun sein Debütalbum auf „G-Minor
Records“, das er während eines Konzerts am 15. November im Düdelinger opderschmelz vorstellt. Warum erst jetzt etwas Eigenes? Wir wollten es im Interview genauer wissen.

Wie sind eigentlich Sie zur Musik gekommen?

Joël Heyard Seit ich 14 bin, spiele ich Schlagzeug. Angefangen habe ich damals in der Differdinger Harmonie, wo auch mein Vater spielte. Während der nächsten fünf Jahre habe ich extrem viel geübt, zwei, drei Stunden am Tag. Die Schule hat schon ein bisschen darunter gelitten (lacht). Am Musikkonservatorium in Luxemburg habe ich den ersten Preis in klassischer Perkussion gemacht und danach einen Bachelor in Jazz Drums in Maastricht.

Sie sind aber in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen unterwegs. Muss man alles ausprobieren?

Heyard Das hat sich so ergeben. Als Jugendlicher habe ich mit Kollegen gespielt, unter anderem damals schon mit Remo Cavallini, der in der gleichen Straße wohnte und Blues-Gitarrist ist. Wegen des Umfelds haben sich mit der Zeit Blues, Jazz, Pop, Rock und Soul herausgeschält. Wenn man als Musiker unterwegs ist, muss man viel machen, um über die Runden zu kommen und kann sich nicht unbedingt gleich auf einen Stil festlegen.

Als Schlagzeuger ist man für das Publikum oft etwas „unsichtbarer“. Macht Ihnen das nichts aus?

Heyard Nun, ich bin tatsächlich eher ein Leader, und trotzdem stehe ich gerne in der zweiten Reihe. Deshalb habe ich dieses eigene Projekt auch erst jetzt durchgezogen. „Trau dich, tu es einfach!“, habe ich mir gesagt. Eigentlich habe ich mich lange ein bisschen dahinter versteckt, erst einmal Erfahrung zu sammeln und auf den richtigen Moment zu warten. Jetzt war es an der Zeit, meine Komfortzone zu verlassen und endlich meine eigene Musik, meine Inspiration und Gedanken zu teilen.

Vom Schlagzeuger zum Songwriter und Produzenten: Wie schwer war dieser Weg?

Heyard Mit 18 Jahren hatte ich Sehnenentzündungen in beiden Armen und konnte ein Jahr lang kein Schlagzeug spielen. Da habe ich mich ans Piano gesetzt und angefangen zu schreiben. Das erste Lied war für eine Kampagne der „Sécurité routière“: „Firwat“, ein Rap in vier Sprachen. Der Song lief damals im Radio rauf und runter. Das war der Grundstein. Seither schreibe ich regelmäßig. Es lief einfach. Schwer? Nein, vielmehr zeitaufwendig. Was dagegen schwer ist, ist die Entscheidung, wann ein Song fertig ist.

Wann ein Song fertig ist?

Heyard Alles beginnt mit einer Idee, die man im Kopf hat, die man dann konkretisiert und schließlich mit Musikern produziert. Und dann hat man heutzutage so viele technische Möglichkeiten, dass man noch ewig an einem Lied arbeiten kann, bevor man es veröffentlicht. Irgendwann muss man ein Projekt abschließen und dann auch zu seinen Entscheidungen stehen. Mit diesem ersten Album bin ich sehr zufrieden, auch was die Besetzung anbelangt. Vier Lieder werden von der in Deutschland lebenden Rumänin Jeannette Dalia Curta gesungen, die übrigens bei der Castingshow „The Voice“ mitgemacht hat. Ein anderes habe ich mit dem Franzosen Vinylic aufgenommen, eines mit dem Luxemburger Ben Nilles und dann noch eines mit dem Amerikaner Matt Bednarky, den ich auf Youtube entdeckt hatte. Hinzukommen die beiden Luxemburger Emmanuel Teschke am Bass und Remo Cavallini an der Gitarre.

Was steckt hinter dem Albumtitel „Introspection“?

Heyard Für mich ist es ein „In mich gehen“. Ich mache Yoga und beschäftige mich auch ein bisschen mit Spiritualität. Man erlebt so viel im Leben, und ich verarbeite einiges davon in meinen Songs. Beispielsweise habe ich schwierige Situationen innerlich analysiert und darüber geschrieben, wie ich mich dabei gefühlt habe.

Also ist es ein sehr persönliches Album?

Heyard Absolut. Ich kann nicht über etwas schreiben, wovon ich keine Ahnung habe. Da ich Schlagzeuger bin, geht es bei mir beim Komponieren zuerst um den Rhythmus. Ich muss ihn spüren, bevor ich mir Gedanken über die Melodie und danach den Text mache. Wenn ich anfange, die Stimmung zu spüren, weiß ich auch schnell, was ich sagen will.

Und vom musikalischen Stil her?

Heyard Ich sage Pop, andere reden von Trip-Hop. Ehrlich gesagt weiß ich nicht so genau, was das ist (lacht). Für mich ist es Pop, ein bisschen Soul, R’n’B und Electro. So leicht lässt sich das nicht definieren, muss es auch nicht. Live entwickelt sich so ein Projekt später sowieso noch, abhängig von den Leuten, die auf der Bühne stehen.

Ist es Ihnen wichtig, immer noch live zu performen?

Heyard In letzter Zeit arbeite ich eigentlich in der Hauptsache im Studio, komponiere und produziere. Ich muss zugeben, dass ich doch etwas müde vom Spielen bin. Es gab Zeiten, da habe ich pro Jahr 100 Konzerte mit verschiedenen Gruppen gespielt. Ich liebe die Arbeit im Studio, deshalb habe ich auch vor ein paar Jahren mit einem Teilhaber „G-Minor Records“ gegründet. Natürlich spiele ich aber immer noch gerne. Luxemburgischen Musikern werden hierzulande allerdings längst nicht mehr überall die besten Bedingungen geboten. Ich spiele nicht mehr umsonst. Der Markt ist inzwischen gesättigt, muss ich dazu sagen, es gibt viele Bands, unzählige junge Leute sind unterwegs, die teils für sehr niedrige Gagen spielen. Noch dazu müssen wir gegen den internationalen Markt ankämpfen und uns extrem beweisen, um überhaupt eine Plattform zu bekommen. Zum Glück gibt es viele Kulturhäuser, die uns sehr unterstützen, wie eben das opderschmelz in Düdelingen.

Will das heimische Publikum denn überhaupt Musik von Luxemburgern hören?

Heyard Ja, davon bin ich überzeugt, vorausgesetzt das Ganze wird gut präsentiert. Wir haben viele Leute, die sich gut in Luxemburg verkaufen. Festivals mit Luxemburgern funktionieren auch. Bestes Beispiel ist der „Rock um Knuedler“, wo seit zwei Jahren nur noch lokale Bands spielen. Als Vize-Präsident der „Fédération Luxembourgeoise des Auteurs et Compositeurs“ setze ich mich auch dafür ein, dass mehr luxemburgische Musik im Radio läuft.

Sind Sie aufgeregt für das Konzert am Donnerstag?

Heyard Es ist insofern aufregend, dass die Stücke bislang nur aufgenommen, aber noch nicht performt wurden. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt. Wie es nachher klingt, entwickelt sich nämlich von Probe zu Probe. Jeder bringt ja seinen persönlichen Touch mit ein.

„Introspection“ ist auf allen Streaming- und Downloadplatt-formen erhältlich. Eine physische Kopie des Albums kann über www.gminorrecords.com bestellt werden. „Album Release“ ist am 15. November um 20.00 im Düdelinger opderschmelz.