LUXEMBURG
PAUL HAMMELMANN

Die Zahl der Toten durch Verkehrsunfälle hat bereits in den ersten vier Monaten des Jahres einen erschreckenden Höchststand erreicht. Paul Hammelmann, Präsident der „Sécurité Routière“, sieht Handlungsbedarf auf den unterschiedlichsten Ebenen.

„Wenn ich morgens bei gutem Wetter im Auto zur Arbeit fahre und so manch andere sich aufs Motorrad setzen, kommt mir immer wieder der gleiche Spruch ins Gedächtnis: ‚morituri te salutant - die Totgeweihten grüßen Dich‘! Ich weiß: Motorradfahrer sind schneller im Büro, kennen keine oder weniger Staus und finden auch auf die Schnelle einen (kostengünstigen) Parkplatz …und setzen dabei sehr oft ihr Leben aufs Spiel! Darüber hinaus scheint Motorradfahren wieder ‚in‘ zu sein … mithilfe der Werbung, welche ganz oft den Spaß an der Geschwindigkeit beinhaltet! Der Geräuschpegel verschiedener Motorräder, der überhaupt nicht kontrolliert wird (!), das Frisieren nach der technischen Kontrolle, all dies sind Elemente die zu solchen fast immer tödlichen Unfällen beitragen.

Die Sensibilisierung hat auch nicht versagt, das kann man nicht sagen - sie muss allerdings substanziell verstärkt werden. Allein uns fehlen die finanziellen Mittel! Darüber hinaus müssten vor allem die Kontrollen substanziell verstärkt werden, besonders bei gutem Wetter, was die Geschwindigkeit anbelangt. ‚Slow down in Europe‘ oder ‚speed marathon‘ ist sehr nett angedacht, sollte allerdings zum permanenten Zustand werden. Ein weiteres enorm schockierendes Beispiel: Frankreich hat auf der A31 von Thionville bis Luxemburg eine Geschwindigkeitsbegrenzung vom 110 km/h durchgesetzt. Kaum überquert man die luxemburgische Grenze steht ganz groß in dreifacher Ausführung (!) auf den elektronischen Citatafeln hoch über der luxemburgischen Autobahn das Zeichen ‚sämtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgehoben‘!

Also im Klartext: Sie sind jetzt in Luxemburg, dem europäischer Musterschüler in Sachen Verkehrstote (quod non!), hier herrscht wieder ‚freie Fahrt für freie Bürger‘. Hypokritischer geht’s nimmer! Der zuständige Minister Bausch hat sehr viel unternommen, um der Verkehrsdramatik Einhalt zu gebieten… aber es muss noch mehr getan werden. Unsererseits haben wir jetzt eine Neuauflage der Kampagne im Alkoholbereich vorgestellt: ‚Raoul‘, Tragetaschen für Weinflaschen, die beim Restaurantbesuch nicht leergetrunken werden müssen, oder auch Alkoholtestapparate für Lokalitäten werden folgen. Denn: Ja, auch wir sind in der Pflicht - und ich sehe beim aktuellen Stand der Unfallstatistik für 2018 - um es mit Papst Pius XI. zu sagen - ‚mit brennender Sorge‘ entgegen!

Wir haben als ‚Sécurité Routière‘ daher auch einen dringenden Termin sowohl beim MDDI mit dem Minister als auch mit dem Minister für öffentliche Sicherheit Schneider angefragt. Wir werden dort als Verwaltungsrat auftreten, die Polizeigeneraldirektion wird präsent sein. Die Sitzung ist für Anfang Mai, wohl den 4., vorgesehen - wir werden sicherlich dort Klartext reden!“