WALFERDINGEN
LJ

Bei ihrer ersten Kandidatur bei den Kommunalwahlen im Jahr 2005 gelang ihr sofort der Sprung in den Walferdinger Gemeinderat, 2011 wurde sie dort Schöffin. Seit Januar 2016 ist die 37-jährige DP-Abgeordnete Walferdinger Bürgermeisterin, nachdem Guy Arendt in die Regierung berufen wurde. Wir haben mit Joëlle Elvinger eine Bilanz der zu Ende gehenden Legislatur gezogen.

Frau Elvinger, die Mobilität war eines der Hauptthemen im Koalitionsabkommen von 2011. Was hat sich in diesem Bereich getan?

Joëlle Elvinger Die Gemeinden im Alzettetal haben in den vergangenen Jahren ihre Kooperation im Rahmen der „Conventioun Uelzechtdall“ verstärkt, um Lösungen zu finden, um den Verkehr auf der N7 flüssiger zu gestalten.

Nach der Öffnung der „Nordstrooss“ soll sie nun nach und nach zurückgebaut werden, um so den Durchgangsverkehr zu reduzieren und eine Verkehrsberuhigung für die Einwohner zu erzielen.

Wir legen zudem einen bedeutenden Akzent auf die sanfte Mobilität. Radfahrer sollen bald nahtlos über einen Radweg von Hesperingen nach Mersch gelangen können.

Eine Ihrer Bedingungen für das neue N7-Konzept ist ja der Bau eines Parkhauses. Warum?

Elvinger Wir bekommen immer mehr Aktivitäten nach Walferdingen, was Arbeitsplätze schafft und den Geschäften und Restaurants zugute kommt. Der „Edupôle“ beim Schloss wächst und damit gleichsam die Nachfrage nach Parkraum.

Wir möchten im Rahmen des Rückbaus der N7 auch ein neues Dorfzentrum mit Parkanlage rund um das Gemeindehaus schaffen. Es soll ein beliebter Treffpunkt für die Bürger werden.

Deshalb haben wir den Bau eines Parkhauses mit 400 Plätzen zwischen dem Bürgerzentrum und dem Fußballplatz beantragt, einem Grundstück, das dem Staat gehört. Minister Bausch hat sein prinzipielles Einverständnis gegeben und die Straßenbauverwaltung ist dabei, das Dossier zu vervollständigen.

Für mich ist klar, dass die Bagger auf der N7 nicht rollen werden, bis dieses Projekt steht.

Im Koalitionsprogramm von 2011 stand auch eine Umgehungsstraße ab „Biergerkräiz“. Wie sieht es damit aus?

Elvinger Wir werden auch weiterhin dafür streiten. Es gibt zwar eine ungefähre Trassenführung, aber Konkretes haben wir leider noch nicht auf dem Tisch.

In der vorherigen Legislaturperiode (CSV-LSAP-Koalition) hat Minister Claude Wiseler das Projekt der Umgehungsstraße vom „Biergerkräiz“ nach Steinsel von der Prioritätenliste gestrichen.

Der aktuelle grüne Minister hat im Moment noch Bedenken, aber die DP Walferdingen wird sich weiterhin für dieses Projekt einsetzen.

Zur Verkehrsentlastung beitragen wird sicherlich auch die unterirdische Verlegung des Bahnübergangs...


Elvinger Das wird zweifelsohne zur Steigerung der Lebensqualität in der Gemeinde beitragen, vor allem für die Einwohner aus Helmsingen.

Die Baustelle dürfte im Februar 2018 beginnen und die Arbeiten werden sich schätzungsweise über zwei Jahre erstrecken.

Im Koalitionsprogramm groß geschrieben wurde außerdem die Wohnungsbaupolitik. Wo schaffen Sie neuen Wohnraum?


Elvinger Die Gemeinde hat fast keine Baugrundstücke in ihrem Besitz, wir versuchen aber, jedes schnellstmöglich zu nutzen. Derzeit wird in Bereldingen der Teilbebauungsplan „Spetzlécken“ mit fünf Einfamilienhäusern umgesetzt, die wir an bedürftige Familien vermieten werden.

Ferner baut die SNHBM 40 Wohnungen in Helmsingen, die Hälfte davon wird vermietet, die andere Hälfte geht in den Verkauf. Es gibt noch zwei bis drei weitere Teilbebauungspläne, wo ebenfalls sozialer Wohnungsbau entstehen könnte. Wir haben zudem die Halle von „Ponts&Chaussées“ in Bereldingen gekauft. Auf dem Areal wird sicher auch Wohnraum entstehen.

Verfügt die Gemeinde über genügend Schulinfrastrukturen?


Elvinger In Helmsingen steht der Rohbau zur neuen „Maison Relais“. Im Konzept enthalten sind auch die Erweiterung der Schule und eine Sporthalle. Die neuen Infrastrukturen werden im Laufe des nächsten Schuljahres bezugsfertig sind.

Von den Kindern zu den älteren Mitbürgern: Wie steht es um die Infrastrukturen für Senioren in der Gemeinde?

Elvinger Wir sind im ständigen Gespräch mit Partnern, um der Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Betreuung im Alter gerecht zu werden.

Wir haben bei Servior unser Interessen angemeldet, um Zimmer für die Einwohner aus Walferdingen einzukaufen, falls Servior das Heim in Bofferdingen renovieren oder neu bauen wird.

Wir werden auch private Initiativen unterstützen, um ein Pflegeheim oder ein Betreutes-Wohnen-Projekt in unserer Gemeinde zu errichten.

Und wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit in der DP-LSAP-Koalition?

Elvinger Zwischen den Koalitionspartnern herrscht ein ausgezeichnetes Klima. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Opposition läuft gut. Wir ziehen alle an einem Strang, um die Lebensqualität der Bürger zu verbessern.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Sie sind Bürgermeisterin und Abgeordnete, und seit einem Jahr auch Mutter. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Elvinger Alles ist eine Frage der Organisation. Mutter zu sein ist nicht nur eine sehr erfüllende Aufgabe, es gibt einem auch viel Kraft für den Alltag. Politik besteht ja in vielen Dingen darin, die Zukunft unserer Kinder positiv zu gestalten.

Dies wird einem noch mehr bewusst, wenn man seine eigene Familie gegründet hat. Es ist sicherlich nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bekommen, aber das gilt für alle berufstätigen Eltern.

Gerade deshalb bin ich stolz, dass sich in dieser Legislaturperiode viel für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan hat.

Steckbrief Walferdingen

8.123 Einwohner

Die Gemeinde Walferdingen besteht aus den Ortschaften Walferdingen, Bereldingen und Helmsingen und erstreckt sich auf 7,06 Quadratkilometer. Grenzen mit Kopstal, Luxemburg und Steinsel. 2011 zählte Walferdingen knapp 7.700 Einwohner, Anfang Juli waren es 8.123. Bürgermeisterin: Joëlle Elvinger (DP), Schöffen: Alain Weins (LSAP), Nic Wiot (DP).