LUXEMBURG
KELLY KOSEL

Wenn es um Sexualität geht, fehlen vielen oft die Worte - egal in welchem Alter. Wie man dies verändern könnte, überlegt Kelly Kosel, Komoderatorin des Podcasts „Méi wéi Sex“.

„In unserem Podcast geht es darum, einen offenen Dialog über Sexualität, Körper und Beziehungen zu fördern. Dies, weil ich das Gefühl habe, dass Aspekte, die Sexualität (im weitesten Sinne) betreffen, nicht breit genug in der Gesellschaft thematisiert werden. Zwar sind sexualisierte Inhalte durchaus präsent, aber wir sind es nicht gewohnt, ‚wirklich‘ und ehrlich über Sexualität zu reden und legen z.B. selten unsere Unsicherheiten offen.

Im Biologieunterricht beschränkt man sich auf Fortpflanzung und Verhütung, also auf den ‚reproduktiven‘ Aspekt von Sexualität. Junge Leute werden nicht bei ihren eigentlichen Fragen, Erfahrungen und Sorgen abgeholt. Sexualität wird als Privatsache definiert und bleibt so auch ein Tabuthema. Man traut sich nicht, darüber zu sprechen und man weiß auch nicht unbedingt, wie man darüber sprechen soll. Durch diese Individualisierung von Ängsten, Scham und Sorgen entsteht das Gefühl, alleine da zu stehen oder ‚nicht normal‘ zu sein – während in Wirklichkeit viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen.

Wenn es um zeitgemäße Aufklärung seitens der Bildungsinstitutionen geht, ist es wichtig, diese unaufgeregt anzugehen. Denn wenn es um Sexualität geht, herrscht bei diesen tabuisierten Themen teilweise noch viel Scham und Unwohlsein, auch aus Angst, dass sexualpädagogische Inhalte nicht altersgerecht vermittelt werden. Was viele missverstehen: Es geht nicht darum, private Sexualpraktiken zu besprechen, sondern darum, einen Umgang mit Gefühlen, Körpern und Grenzen zu lernen – und eine ‚Sprache‘ zu entwickeln, um Dinge überhaupt benennen zu können. Das ist einerseits ein wichtiger Faktor in der Gewaltprävention. Andererseits geht es aber vor allem darum, einen positiven Zugang zu sich selbst, dem eigenen Körper und Sexualität im Allgemeinen zu entwickeln.

Es ist schade, dass in der Schule das Thema ‚Aufklärung‘ aus einer rein ‚biologischer‘ (und biologisierender) Sicht angegangen wird. Wir finden, dass Sexualerziehung schon viel früher und breiter umgesetzt werden sollte. Es gibt zahlreiche Facetten, die man einbinden könnte, die vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Sex zu tun haben: Kommunikation, Respekt, Grenzen, soziale Beziehungen, Rollenbilder, gesellschaftliche Normen, (digitale) Medien, usw... Die gesellschaftlichen Vorstellungen darüber, was Sex ‚zu sein hat‘, bauen noch zusätzlichen Druck auf, der es jungen Menschen bei ihren ersten Erfahrungen nicht leichter macht. Im Podcast reden wir deshalb über sehr unterschiedliche Dinge – von Rasieren und Schwitzen über Erregung und Sexualpraktiken hin zu Begrifflichkeiten und Beziehungsformen. Und das möglichst offen, inklusiv und vielfältig.“