WILTZ
LIZ MIKOS

Bilderbuch entführen Wiltz in ihre Galaxie

Am Sonntagabend haben die Jungs von Bilderbuch Wiltz zum Feiern und zum Tanzen gebracht. Gerade erst mit dem Tour-Bus vom Melt! Festival angereist, zeigte die Band aus Österreich aber keinerlei Anzeichen von Müdigkeit auf der Bühne. Ganz im Gegenteil: sie versprühen eine Energie, die selbst Tanzmuffel zum Mitwippen bringt und nehmen einen mit auf eine Reise durch die Bilderbuch-Galaxie. Doch auch die anderen drei Acts haben ordentlich Stimmung gemacht.

Die Hamburgerin Allie Neumann lieferte einen soliden Auftakt und heizte die Leute schon einmal ordentlich ein. Auch Say Yes Dog und Black Sea Dahu kamen beim Publikum gut an. Während bei der Main Stage fleißig getanzt wurde, ging es bei der kleineren Bühne etwas entspannter zu, was auch auf die Stühle und Sessel zurückzuführen ist.

Hier konnte man sich noch einmal kurz hinsetzen, durchatmen und alle Eindrücke einfach mal auf sich wirken lassen. Ohne die Sitzmöglichkeiten wäre zwar wahrscheinlich auch an der kleineren Bühne mehr getanzt worden, aber so eine Chill-Out-Area hat natürlich auch immer einen schönen Flair - vor allem, weil es einen deutlichen Kontrast zum extravaganten, spacigem Bühnenbild der Main Stage bot.

Bereit für diese Galaxie

Ja, bereit für die Bilderbuch-Galaxie war Wiltz auf jeden Fall. Auch wenn die Show deutlich weniger Leute angezogen hat als jetzt ein großer Festival-Auftritt, so mangelte es nicht an positiver Energie.

Die Leute haben ordentlich mitgesungen und mitgetanzt, auch wenn sie etwas schüchtern geworden sind als Frontmann Maurice Ernst auf einmal während dem Lied „Ich hab Gefühle“ mit dem Mikrofon durch sein Publikum lief. Dabei hat er den Leuten eigentlich einen Gefallen getan, weil dank Auto-Tune Einstellung bei diesem Song keiner Angst haben musste, schlecht zu klingen.

Schlecht geklungen hat an diesem Abend auch tatsächlich niemand. Bilderbuch haben sich nicht nur mit ihrer Bühnen-Deko mal wieder selbst übertroffen, sondern bringen auch ihre Songs live genau auf den Punkt.

Umgeben von Globen, Lava-Lampen, Planeten, die über ihnen schweben und vielem mehr, liefert die Band einen qualitativen und energiegeladenen Auftritt ab und entführt die Besucher quasi in eine andere Welt. Wenn man sich die Show so anguckt, könnte man denken, dass Nervosität für die vier - beziehungsweise fünf, da die Band sich für die Tour Verstärkung geholt hat - ein Fremdwort ist, doch dem ist wohl nicht so. „Der Punkt der Nervosität kommt immer noch, wenn auch nur kurz vor der Show, aber er holt einen immer wieder ein“, verrät Gitarrist Michael Krammer, der von seinen Fans auch liebevoll Snacky Mike genannt wird.

Ob es wohl an ihrem Ritual vor der Show liegt, dass man als Zuschauer davon nichts mitbekommt? „Wir machen vor der Show quasi eine Umarm-Session“, erzählt der Bassist Peter Horazdovsky. Einmal alle drücken und dann geht’s raus auf die Bühne - ein schönes Ritual, wie ich finde.

Unter freiem Himmel

Das wohl schönste am Festival de Wiltz ist wie jedes Jahr die Location. Die Open-Air Konzerte in gemütlicher und familiärer Atmosphäre locken seit Jahren immer wieder Leute in den Norden des Großherzogtums. Auch am Sonntag hat der Veranstaltungsort wieder mal gepunktet.

Die Leute schwärmen von der Location, auch wenn sie teilweise eine etwas weitere Anreise mit einplanen müssen. Auch für Bilderbuch sind solche Open-Air Shows und Auftritte auf Festivals immer wieder eine schöne Erfahrung. Ob sie lieber Festivals oder Hallenkonzerte spielen? „Es ist halt einfach eine andere Art der Energieverteilung. Auf einem Festival musst du deine ganze Energie in eine Stunde stecken und wenn du eigene Shows spielst dann kommst du dazu, ein bisschen mehr auszupacken, wie halt zum Beispiel ein paar Songs, die man dann auf einem Festival aus Zeitmangel nicht spielen kann“ erklärt Mike.

Tatsächlich war die Setlist in Wiltz etwas länger als die auf den Festivals. Auch wenn sich einige Konzertgänger, wie immer, eine etwas längere Zugabe gewünscht hätten, so haben Bilderbuch sichtlich ihre ganze Energie und Passion in den Auftritt gesteckt. Wie angekündigt war auch eine Neuheit mit dabei, nämlich das Lied „Mr. Refrigerator“, das am Freitag offiziell erscheint. Das Einmalige an einem Bilderbuch-Konzert ist nämlich nicht nur die Show an sich, sondern auch dass man auf einmal unter freiem Himmel Lyrics wie „Bussi Bussi / Shaky Shaky Hands“ super ernst und selbstbewusst mitsingt.

Fun Fact Falco

Um der ewigen, sich im Kreis drehenden Diskussion um den Bezug der Band zu Falco die Stirn zu bieten, haben wir das Thema am Sonntag einfach noch einmal aufgegriffen. Dass Bilderbuch ständig mit Falco in Verbindung gebracht wird, obwohl er für die Band nicht als Inspirationsquelle dient, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. „Ich denke, wenn du Österreichisch singst, oder wenn du diesen Akzent im Sprechen drin hast, dann sagen Leute, die nicht Österreichisch sprechen halt: Das klingt wie der Falco.“

Auch in Wiltz hört man links und rechts öfters diese eine Diskussion, diese eine Frage: Wie stehen die zu Falco? Die haben doch was von Falco. Witzigerweise hat die Band vor Jahren tatsächlich mal Falcos Song „Ganz Wien“ gecovert, eines der zwei Cover, die sie je gespielt haben, verrät Peter. Heute wollen sich die vier während ihren Shows ausschließlich auf ihre eigene Musik konzentrieren. Was für manche Bands fester Bestandteil der Setlist ist, kommt für sie wohl nicht mehr in Frage. „Wir schreiben gerne Songs und dann spielt man auch gerne das, was man selber geschrieben hat live.“ Und genau das ist es ja auch, wofür die Leute zum Konzert kommen.