LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Yalda, la nuit du pardon“ sollte das LuxFilmFest abschließen - Ein Gespräch mit Regisseur Massoud Bakhshi

Eigentlich sollte die Jubiläumsausgabe des zehnten „Luxembourg City Film Festivals“ (LuxFilmFest) mit der Preisverleihung und der luxemburgischen Koproduktion „Yalda, la nuit du pardon“ von Massoud Bakhshi seinen Höhepunkt erreichen. Doch sollte das Coronavirus dem Filmfest ein jähes Ende bereiten. Die luxemburgischen Filmproduzenten Bady Minck und Alexander Dumreicher-Ivanceanu von Amour Fou hatten den Regisseur zu dieser Schlusszeremonie eingeladen, aber der Film genau wie die drei letzten Festivaltage mussten abgesagt werden. Das „Lëtzebuerger Journal“ hatte indes die Gelegenheit, den Regisseur zu interviewen, bevor er versuchte, via Paris die Heimreise nach Teheran anzutreten. Durch die neuen Bestimmungen sitzt er nun aber in Paris fest und hofft bald nach Hause fliegen zu können.

TV-Show zur Wintersonnenwende

Die Nacht der Wintersonnenwende heißt auch Yalda-Nacht und wird vom 21. auf den 22. Dezember gefeiert. „Für die Iraner ist dies ein Fest“, erklärte der Regisseur. „Die Familien kommen zusammen und essen zum Beispiel Granatäpfel und rezitieren Gedichte des Poeten Hafis. Das Wort ‚Yalda‘ bedeutet die große Geburt.“

Der Film basiert auf realen Ereignissen aus einer Fernsehshow „Le Plaisir du Pardon“, die im Iran in dieser Yalda-Nacht ausgestrahlt wurde. In der Live-Übertragung durfte eine Frau oder ein Mann sein oder seine Opfer um Vergebung fragen. Und das Publikum konnte ebenfalls für oder gegen die Vergebung abstimmen. Im Film ist es die 22-jährige Maryam (Sadaf Asgari), die unglücklicherweise ihren Mann getötet hat und die vor laufender Kamera die Tochter ihres Mannes, Mona (Behnaz Jafari), darum bittet, ihr die Todesstrafe zu ersparen. Die Sendung wird von Omid (Arman Darvish) präsentiert und von Ayat (Babak Karimi) produziert.

„Nach der Fertigstellung meines Films wurde die Sendung abgesetzt“, sagte Bakhshi weiter. „Die Shows mit den meisten Zuschauerzahlen waren jene, die einen Mord behandelten. Ich glaube, dass die Kritik zu laut war, und die Produzenten deshalb die Fernsehsendung absetzten. Die Reality-Shows respektieren die Würde des Menschen nicht. Sie sind zu banal und überflächig.“ Die Show im Film wird von Sponsoren finanziert und durch eine Vielfalt an Werbespots.

Verschiedene Kriminelle, zum Beispiel die Täter bewaffneter Raubüberfälle, werden noch immer öffentlich hingerichtet. „Diese Vorgehensweise ist im Iran stark kritisiert“, meinte der Regisseur. „Im modernen Iran ist die Todesstrafe umstritten. Viele Organisationen, Aktivisten oder Anwälte verfolgen solche Fälle. Sie suchen Opfer in den Dörfern auf und versuchen diese zu überzeugen, dass es keine Lösung ist, sich zu rächen. Man hat jemanden verloren, aber aus diesem Grund einen anderen Menschen zu töten ist keine Lösung. Der Staat versucht unterdessen ein System der Prävention aufzubauen, aber das ist noch ein langer Weg.“

Eine Koproduktion im Rahmen von Cineworld

Der Luxemburger Film Fund hat das Programm Cineworld ins Leben gerufen, um Filmproduktionen aus Ländern außerhalb Europas finanziell zu unterstützen. Vor drei Jahren lernte Bakhshi Alexander Dumreicher-Ivanceanu kennen und sprach mit ihm über sein Drehbuch. Er stieß auf Interesse und so kam er vor zwei Jahren mit den französischen Produzenten nach Luxemburg, um das Projekt dem Film Fund zu unterbreiten.

Als die Finanzierung genehmigt war, konnte die französisch-deutsch-schweizerisch-luxemburgische Koproduktion ganz im Iran in einem Theater gedreht werden. Ein einziger Techniker, der Beleuchter Helder Loureiro Alves Da Silva, arbeitet in Luxemburg. Der Regisseur, der am Anfang seiner Karriere Dokumentarfilm drehte, hofft, dass sein Film auch im Iran gezeigt werden kann. Doch sein erster Spielfilm „A Respectable Family“ steht dort auf der schwarzen Liste. Wann sein zweiter Film in Europa in die Kinos kommen wird, ist hinsichtlich des Coronavirus noch nicht bekannt. Jedenfalls sollte man den Titel dieses wirklich sehenswerten Films nicht vergessen.