CORDELIA CHATON

Die USA steuern auf einen traurigen Rekord zu. Sollte der Stillstand in Teilen der US-Regierung über den Freitag hinausgehen, wäre der bisherige Rekord gebrochen. Das wäre dann der längst Shutdown in der US-Geschichte, also jene Zeit, in der Behörden und andere Einrichtungen geschlossen bleiben, weil kein Budget vorliegt. Mitarbeiter haben Zwangsurlaub oder müssen auf ein Gehalt verzichten. 1995/1996 hält bislang mit einem Shutdown von 21 Tagen den Rekord.

Die Negativmarke scheint vor allem der Wut des US-Präsidenten geschuldet, der auf seiner Mauer beharrt. Während auf den sozialen Medien eine Rede von ihm vor Studenten kursiert, in der er rät, niemals, aber wirklich niemals aufzugeben und sich von keiner Mauer dieser Welt aufhalten zu lassen, kämpft er für eine 5,7 Milliarden Dollar teure Grenzbarriere, sei sie nun aus Beton oder Stahl.

Dazu greift er jetzt zur letzten Möglichkeit: Dem Notstandsgesetz. Wenn Trump den „nationalen Notstand“ ausruft, könnte er zumindest kurzfristig an das Geld für sein Bauwerk kommen - auch, wenn die Demokraten schon signalisiert haben, dass es nichts wird und sie klagen wollen. Trump sieht in der Mauer ein wichtiges Wahlkampfversprechen. Das beschäftigt ihn so sehr, dass er sich offen überlegt, ob er denn nun zum Weltwirtschaftsgipfel Ende Januar nach Davos kommt. Dort hatte es vergangenes Jahr eine Selfie-Show mit ihm gegeben, vorab hatte Trump den Termin negativ bewertet.

In Davos trifft sich die Elite der Wirtschaft. Und genau von dieser Seite droht Trump Ungemach. Denn so lange die Wirtschaft läuft, sind die Wähler in Lohn und Brot und zufrieden. Doch die Weltbank hat diese Woche gewarnt, dass das Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent in 2018 auf 1,7 Prozent in 2020 sinken wird. Die Börse verliert derzeit schon seit Monaten.

Trump kann nicht viel machen, denn ihm fehlt das Geld, Die USA sind der größte Schuldner weltweit. Derweil steigt das Defizit, weil Trump mehr ausgibt als er einnimmt. 21,9 Billionen Dollar schulden die USA - und laut dem Congressional Budget Office steigt das Defizit um stramme 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So wird man zur Marionette der Geber. Peking freut es sicher.

Derweil dreht sich das Personalkarussell - und das sollte Trump Sorgen machen. Nach dem erzwungenen Rücktritt von Justizminister Jeff Sessions wird sich laut US-Medien auch dessen Stellvertreter Rod Rosenstein zurückziehen, wenn der designierte neue Justizminister William Barr vom Senat bestätigt und eingearbeitet wurde. Rosenstein ist im Justizministerium unter anderem für die Russland-Untersuchung des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller zuständig, den er berufen und stets geschützt hat. Wenn er nicht mehr im Amt ist, kann Rosenstein auch gegen Trump aussagen. Er befände sich in zahlreicher Gesellschaft, denn bislang mussten 41 hochrangige Mitarbeiter gehen, 26 davon wurden persönlich von Trump gefeuert. Das sind viele Feinde.

Und der alte Freund Putin will wohl auch nicht mehr, weil Trump die Ukraine nun unterstützt. Der Notstand scheint immer mehr auch ein persönlicher zu sein.