LUXEMBURG
INGO ZWANK

Für den Ernstfall „Amoklauf“ gewappnet sein - Luxemburger Polizei setzt auf Handeln

Tun wir genug, um unsere Kinder zu schützen?“, fragte US-Präsident Barack Obama. Er habe in den vergangenen Tagen darüber nachgedacht - und die ehrliche Antwort sei: Nein. Das sagte der US-Präsident in Newtown, wo ein 20-jähriger Amokläufer an einer Grundschule zwanzig Kinder, sieben Erwachsene und schließlich sich selbst erschossen hatte.

Schule als Hochsicherheitstrakt?

Es ist ein Horrorszenarium, doch was gilt es zu tun? Nach den Amokläufen in Deutschland wurden beispielsweise bundesweit Notfallpläne eingerichtet. Dazu gehören Materialien für das Verhalten bei einem Amoklauf und Zettel mit den relevanten Telefonnummern. Mancherorts kam es zu Schulumbauten. Warnsignale sowie Türschlosssysteme sind aber immer noch die Ausnahmen, und auch Kameras gibt es nur vereinzelt, kritisieren Experten, was sicherlich den Kostenfaktor mit ins Spiel bringt.

An der Albertville-Realschule in Winnenden, wo im März 2009 15 Menschen vom Täter getötet wurden, wurden die Klassenräume rundherum erneuert und sicherheitstechnisch aufgerüstet, mit Alarmknöpfen, Türverriegelung und einem Alarmsystem wie in einer Bank.

Amokläufe an Schulen, ein Themenfeld, mit dem sich auch die Luxemburger Polizei auseinanderzusetzen hat. Die hiesigen Verantwortlichen haben in diesem Zusammenhang bereits vor geraumer Zeit mit den Schulen im Land „Kontakt aufgenommen“, wie Polizeisprecher Vic Reuter im „Journal“-Gespräch berichtet.
Abwarten ist keine Option

So habe der Polizeipsychologe in die Schulen mit den Direktionen das Gespräch gesucht und hier klassische Präventionsarbeit geleistet. „Eine solche Tat ist eine Aktion von nur wenigen Minuten“, sagt Reuter, es bleibt nicht viel Zeit zum Handeln , daher sei es umso wichtiger, Anzeichen für mögliche Taten (so durch beispielsweise auffälliges Verhalten, Äußerungen oder Aktionen) richtig zu deuten, dabei sei man auf die Hilfe der Lehrkörper und auch der Eltern angewiesen. „Gott sei Dank hatten wir hier in Luxemburg noch nicht den Ernstfall gehabt“, berichtet Reuter, doch seien schon einige Hinweise durch die Polizei überprüft worden.

Von der Schusswaffe Gebrauch machen

Für die Polizei liegt ein „Einsatzkonzept“ bei möglichen Amokläufen an Luxemburger Schulen vor, „denn, wie gesagt, alles läuft innerhalb weniger Minuten ab, wenn sich ein Täter zum Handeln beispielsweise an einer Schule entschlossen hat.“ Daher gilt: „Die erste Einheit vor Ort muss handeln“, sagt Reuter, Warten sei keine Option. Wie dieses Handeln genau aussehen muss, dies ist natürlich situationsabhängig und wird in der Ausbildung trainiert. Doch das ultimative Handeln ist vom Gesetz geregelt - und bedeutet im schlimmsten Fall den direkten Schusswaffengebrauch gegen den Täter im Rahmen der Notwehrhandlung.