Vorfahrt, rote Ampel und mehr: Zu Besuch im Verkehrsgarten der Polizei Luxemburg in Beggen

Ziemlich rasant kommen Lissi und Gabriel mit ihrem Fahrrad um die Ecke gefahren und steuern auf den Zebrastreifen zu, doch von links kommt Zora auf ihrem Bike angebraust. An der Einmündung hält sie an und kontrolliert den Verkehr, lässt Lissi passieren, denn Zora weiß, wer hier von rechts kommt, der hat Vorfahrt, wenn kein Verkehrsschild aufgestellt ist.

Brenzlig war die Situation auf dieser Pseudo-Straße aber nicht, schließlich waren auch noch zwei Polizeibeamte anwesend, Marc Schmit und Miguel Brito, leiten die beiden doch den Verkehrsgarten der Gemeinde Luxemburg.

Der Unterricht findet währenddes ganzen Schuljahres statt

Der Verkehrsgarten befindet sich in einer beheizten Halle in der Rue de la Cimenterie, sodass der praktische Unterricht hier zu jeder Jahreszeit, anders als bei offenen Gärten in Nähe von Schulplätzen, gewährleistet ist. „Der Unterricht findet während des ganzen Schuljahres statt und wird von uns Beamten der Polizei Luxemburg erteilt“, erklärt Schmit. Die Fahrräder für die Schüler werden von der Polizei gestellt. „Die Kinder können aber ihren eigenen Fahrradhelm mitbringen.” Kindern, welche über keinen eigenen oder über einen ungeeigneten Fahrradhelm verfügen, kann ein Helm zur Verfügung gestellt werden. Und viele der zwölf Schulkinder des Zyklus 4.1 aus Gasperich haben ihren Helm dabei. Für sie ist es heute das dritte Mal, sagt Lehrer Henri Junck, der dies im Rahmen seines Sportunterrichts mit den Kindern macht. Junck macht dies bereits über Jahre mit seinen Schülern. Er findet es wichtig, dass die Kinder diese Möglichkeit bekommen, sich entsprechend vorzubereiten. „Den Kindern gefällt es, auch wenn sie anfänglich etwas skeptisch waren – und Sport ausfiel“, sagt Junck mit einem Schmunzeln – muss man doch festhalten, dass die Verkehrserziehung hier nur freiwillig und nicht teil des Unterrichtsprogrammes ist.

Heute sind sie in zwei Gruppen unterwegs, vor allem stehen die Verkehrsschilder im Blickpunkt der kleinen Verkehrsteilnehmer.

Doch diese Verkehrserziehung ist nicht alles, was die Beamten der Präventionsabteilung anbieten. Auch Fußgängertraining ist ein Thema. „In Theorie und Praxis möchten wir die Kinder bei der Vermittlung von richtigen Verhaltensweisen im Straßenverkehr unterstützen“, erklärt Schmit. „Gemeinsam mit den Kindern überlegen wir uns richtige Verhaltensweisen bei der Benutzung von Gehwegen und der Überquerung der Fahrbahn“. Anhand von praktischen Übungen wird dies dann auch vor Ort geübt, das richtige Überqueren der Fahrbahn und das Verhalten an Zebrastreifen mit und ohne Verkehrsampeln. „Auch werfen wir einen Blick auf das Überqueren der Fahrbahn an ungesicherten Stellen“, denn richtig vorbereitet sollen die Kinder auch in solchen Situationen sein.

Eine anderer Unterrichtspunkt ist: „Keine Angst vor der Polizei“. „Mit dieser Einheit möchten wir den Kindern die Angst vor dem Mann oder der Frau in Uniform nehmen und eine Vertrauensbasis schaffen. Wir sprechen mit den Kindern über die vielfältigen Aufgaben der Polizei. Wir zeigen den Kindern, was ein Polizist für seine tägliche Arbeit an Werkzeug benötigt.“ Auch wird hier mit den Kindern das Absetzen eines „Notrufes“ geübt, wobei auch mit den Kindern über das richtige Verhalten im Umgang mit fremden Personen gesprochen wird.

Inklusive Prüfung

Die Verkehrserziehung im Verkehrsgarten setzt sich aus vier Unterrichtseinheiten zusammen. Die erste Übungseinheit „ist das Anfahren, das Rechtsfahren, das Anhalten, rechts abbiegen sowie das Vorbeifahren an einem Hindernis”, erzählt Brito, während einige der Kinder aus seiner Gruppe an ihm vorbeidüsen. Die zweite Übungseinheit befasst sich mit den Punkten links abbiegen in eine Einmündung, der Vorfahrtregelung „rechts vor links“ und der Vorfahrtregelung durch Verkehrszeichen. In der dritten Übungseinheit geht es um links abbiegen an Kreuzungen, das Verhalten in Einbahnstraßen und die Vorfahrtregelung durch Ampeln. „Die vierte Lernkontrolle besteht aus Wiederholungsübungen, denn es steht auch eine Prüfung, theoretisch und praktisch, an“, sagt Schmit.

„Und da bin ich schon etwas aufgeregt“, erzählt Gabriel, der das Ganze hier bei der Polizei aber absolut cool findet. Ein paar Verkehrszeichen habe er schon vorher gekannt, aber eben nicht so viele wichtige. Zu Fuß hat er sich schon einem auf der öffentlichen Straße umgeschaut und einige der Schilder wiedererkannt. „Aber nervös muss die Klasse bestimmt nicht sein“, erzählt Schmit, „denn die Schüler sind ganz schön fit auf der Straße...“