LUXEMBURG
LJ

Meteolux: Es herrschten Windgeschwindigkeiten von 180 bis 250 km/h

Am Tag vier nach dem Tornado. Wie der Krisenstab, der gestern wieder unter Vorsitz von Innenministerin Taina Bofferding tagte, mitteilte waren in der vorhergehenden Nacht noch 72 Tornado-Geschädigte in Hotels untergebracht, 46 in Petingen und 26 in Käerjeng. Auch gestern waren noch 80 Rettungskräfte für Aufräumungs- und Sicherungsarbeiten im Einsatz, 30 davon gehörten dem deutschen Technischen Hilfswerk (THW) an. Nach Auffassung des Krisenstabs sollten diese Arbeiten gestern abgeschlossen werden. Alles Weitere liege danach in den Händen der Kommunen und von privaten Unternehmen. Da der Starkregen, der am Montag die Arbeiten verzögert hatte, gestern ausblieb, sollte alles nach Plan gelaufen sein. Unverändert schwierig ist die Verkehrssituation in den betroffenen Gemeinden.

Die Arbeiten können auch am Donnerstag und Sonntag weiterlaufen. Dazu wurde der Artikel 34 des Polizeireglements zu „Travaux de jardinage et autres“ für die betroffenen Teile der Ortschaften außer Kraft gesetzt. Die Nachtruhe zwischen 19.00 und 07.00 müsse allerdings respektiert werden, so das Schreiben der Gemeinde.

Ein Schaden von 100 Millionen Euro

Binnen 20 Minuten wurden durch den Tornado  vor einer Woche Güter im Wert von 100 Millionen Euro vernichtet. So lauten die ersten Schätzungen des luxemburgischen Verbandes der Versicherer und Rückversicherer ACA zur Naturkatastrophe, die Petingen und Käerjeng getroffen hatte. Bis Mittwoch waren bei den hiesigen Versicherern  2.400 Anträge auf Schadensregulierung eingegangen. Davon bezogen sich rund zwei Drittel auf Gebäudeschäden, das andere Drittel betrifft beschädigte oder zerstörte Kraftfahrzeuge.

Die Versicherer loben in ihrer Stellungnahme ausdrücklich die Rettungskräfte und die öffentlichen Dienste für ihre effiziente Arbeit. Die Unternehmen sind gewillt, die Anträge auf Schadensregulierung so schnell wie möglich zu bearbeiten, die Betroffenen könnten ihre Versicherungsagenten jederzeit kontaktieren. Man habe sich schon am Freitag vor Ort ein Bild gemacht und ad hoc Krisenstäbe eingerichtet, um die Anträge schnellstmöglich bearbeiten zu können.

Aufruf zum „Felder-und Weidenputzen“

Die Bauern der Gemeinde Käerjeng haben in einem Aufruf darum gebeten ihnen bei der Beseitigung von Tornadotrümmern auf ihren Feldern und Weiden zu helfen. Die herumliegenden Trümmerteile könnten zum einen die landwirtschaftlichen Maschinen bei der Arbeit beschädigen oder zum anderen – was noch schlimmer ist – das Weidevieh gesundheitlich gefährden.

Los geht es am Samstag, den 17.8. um 9.00 im „Käerjenger Treff“. Es wird um das Mitbringen von Eimern und Arbeitshandschuhen gebeten. Nach der Aktion gibt es einen kleinen Imbiss für alle. Die Freiwilligen sind gebeten sich per Mail (events@kaerjeng.lu) oder via Telefon 500 552 320 anzumelden.

Rekonstruktion durch Meteolux

Der Wetterdienst Meteolux hat auf seiner Webseite eine erste Analyse der Vorgänge am späten Freitagnachmittag veröffentlicht. Dabei wurde folgendes festgehalten: „Eine vorläufige Analyse des European Severe Storms Laboratory (ESSL) ergab eine Intensität F2 auf der Fujita-Skala, [F0 ‹117 km/h bis F5 ›412km/h] was Windgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 km/h entspricht. Die zurückgelegte Distanz des Tornados beträgt gemäß ESSL mindestens 14 km. Zudem handelte es sich um einen Mutlivortex-Tornado d. h. der Tornado besaß eine relativ breite Zirkulation mit mehreren Subwirbeln, die um oder innerhalb des Hauptwirbels kreisen. Im Bereich dieser Subwirbel können extreme Windgeschwindigkeiten auftreten. Dieser Tornado wurde von einem Superzellengewitter produziert. Dieser spezielle Gewittertyp besitzt einen beständigen und hochreichend rotierenden Aufwind, die sogenannte Mesozyklone. Die Superzelle entwickelte sich östlich von Reims in einem Niederschlagsgebiet (…) Diese Gewitterzelle begann sich gegen 17.00 Lokalzeit zu intensivieren und eine Mesozyklone war auf den Radarbildern an der Südflanke der Zelle zu erkennen. Im weiteren Verlauf verlagerte sich das Gewitter mit hoher Blitzaktivität in Richtung Dreiländereck (Athus-Longwy-Rodange). Etwa 20 Minuten später erreichte die Superzelle die belgisch-französische Grenze (…).Die Tornadogenese unterhalb der Mesozyklone begann höchstwahrscheinlich kurz danach im Bereich der französischen Ortschaft Longwy und der Wirbel zog dann mit seiner höchsten Intensität zwischen 17.30 und 17.50 Lokalzeit über Pétange und Bascharage hinweg. Anschließend schwächte sich der Tornado allmählich ab und löste sich auf.“