LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

David und Alex lernen bei Jugendfeuerwehr, wie man in Gefahr richtig handelt

Die Brüder David und Alex, 15 und zwölf Jahre, sind beide bei der Jugendfeuerwehr Petingen. „Ich hatte Freunde bei der Feuerwehr, und als ich dann mal bei einer Übung dabei war, wusste ich, dass ich das machen wollte“, erzählt David. Er absolviert gerade einen Erste-Hilfe-Kurs: „Wir lernen, wie man sich in verschiedenen Situationen verhalten soll und wie man Menschen hilft.“ Wie man einen Verletzten oder Kranken auf eine Trage bindet, ein Feuer löscht oder welche Knoten man braucht, um sich abzuseilen, hat er bereits gelernt. „Der Große wollte das schon lange, er ist er von allem angezogen, was mit Feuerwehr und Polizei zu tun hat“, berichtet Mutter Giovanna Caorne. Mit seiner Begeisterung hatte David bald auch seinen kleinen Bruder Alex angesteckt. Beide Jungen gingen mit etwa acht Jahren zur Jugendfeuerwehr. Und so weiß auch Alex bereits, wie er sich in einem Notfall verhalten soll und kann allerhand feste Knoten binden. „Es gefällt mir, Leuten zu helfen und zu wissen, wie man sich verhalten soll“, berichtet Alex. Seine Freunde finden sein Hobby cool, aber selbst Jugendfeuerwehrmann ist deswegen noch keiner geworden.

Mehr als 1.400 Mitglieder

Das Feuerwehrlöschwesen Luxemburgs wäre nicht das, was es ist, gebe es nicht die mehr als 1.400 Mitglieder der „Lëtzebuerger Jugendpompjeeën“. Seit etwas mehr als einem halben Jahrhundert ist die Jugendfeuerwehr Teil des Rettungswesens. Vor 51 Jahren, am 19. September 1965, wurde auf dem Landeskongress in Hesperingen offiziell der Antrag gestellt, Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren in den Landesverband aufzunehmen. Das wurde mit einem Jubiläumsjahr gefeiert, veranstaltet wurden ein großes Zeltlager, Wettbewerbe, Rallyes und Quizze. An diesem Samstag finden die Feierlichkeiten nun mit einer Abschlussveranstaltung im Beisein des Erbgroßherzogs Guillaume in Luxemburg-Stadt ihr Ende.

Hauptziel der Gründung der Jugendfeuerwehren im Jahr 1965 war die Zukunft der Feuerwehr durch gute Jugendarbeit zu sichern. Und tatsächlich wird die Feuerwehr ab 1972 zu fast 50 Prozent von Mitgliedern gebildet, die über die lokale Jugendfeuerwehr rekrutiert und ausgebildet wurden. Heute gibt es in Luxemburg 96 Jugendfeuerwehren, bestehend aus 1.400 Jugendlichen im Alter von acht bis 15 Jahren, die aktuell die Zukunft des Rettungswesens in Luxemburg absichern. In fast jeder lokalen Feuerwehr gibt es inzwischen einen Jugendleiter, der die Leitung und die Ausbildung der Jugendfeuerwehr übernommen hat. Auf regionaler Ebene werden die lokalen Jugendleiter und Jugendleiterhelfer von regionalen Jugendleitern unterstützt. Die Jugendleiter veranstalten nicht nur wöchentliche Übungen mit den Jugendlichen. Sie arbeiten unter anderem auch Lehrgänge und Jugendfeuerwehr-Lehrmaterial aus, organisieren aber auch viele Wettbewerbe, Zeltlager, Wissensteste, Wanderungen, sportliche Treffen und Hilfsaktionen für behinderte Jugendliche.

Große Nachwuchssorgen muss sich die Jugendfeuerwehr Petingen nicht machen. In Petingen werden durchschnittlich sechs Jugendliche in zwei Jahren in die Aktiven übernommen. „Die Jugend füttert die Feuerwehr und das Engagement der Jugendleiter macht auch viel aus“, erklärt Fränky Wohl von der „la commission de rédaction“ der „Fédération Nationale des Corps de Sapeurs-Pompiers“ (FNSP). Die Mitgliedschaft kann mit acht Jahren beginnen. Anfangs geht es spielerisch zu, nach einem Jahr kommt dann immer mehr Lernstoff rund um Leitern, Knoten und Sicherheit. Mit 16 können die Jugendlichen in den aktiven Dienst, sie dürfen aber nicht an Gefahrenstellen eingesetzt werden. „Das ist effektiv die schwere Zeit, aber man kann sie einbinden: Sie können Bereitschaftsdienst machen, währenddessen sie Türen öffnen oder Katzen vom Baum retten“, erklärt Wohl. Mit 18 Jahren und den entsprechenden Ausbildungen und bestandenen Prüfungen dürfen die Jugendlichen ins Feuer.

Für Feuerwehr-Olympiade nach Österreich

Sorgen, dass es für David und Alex gefährlich ist, macht sich Caorne nicht: „Sie haben noch keine Einsätze und die Jugendleiter arbeiten sehr gut mit ihnen.“ Zudem sind alle Mitglieder der Jugendfeuerwehr durch den „Service Commandé Division Incendie-Sauvetage“ der „Administration des Services de Secours“ für alle Veranstaltungen, die zur Ausbildung der Jugendfeuerwehr gehören, versichert. Allerdings ist Caorne bei dem Hobby ihrer Jungs auch gefordert: Sie fährt die Kinder
einmal pro Woche zur Übungsstunde, besucht auch die dazugehörigen Veranstaltungen wie Schwimmmeisterschaften und gibt acht, dass alles mit der Schule vereinbar bleibt. Alex versichert, dass der anderthalbstündige Kurs einmal in der Woche noch genügend Zeit für die Hausaufgaben lässt.

Im Sommer erwartet David eine besondere Herausforderung, für die er bereits jeden Samstag trainiert: Dann geht es zu einer Feuerwehr-Olympiade nach Österreich, wo sportliche Disziplinen bewiesen und Aufgaben gelöst werden wollen. Ansonsten trainiert er mit seinem kleinen Bruder in der gleichen Gruppe, was er „schon toll“ findet. Er will sein Hobby gerne weitermachen und mit 16 zur Freiwilligen Feuerwehr gehen, wo er dann auf Einsätze gehen kann. Doch für ihn soll es ein Hobby bleiben, später will er Beamter werden.


Mehr Informationen: www.jugendpompjeeen.lu