LUXEMBURG
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Spannungen in Familien werden zunehmen - Hilfe aufzusuchen ist ein „Zeichen von Stärke“

Die bis auf Weiteres geltenden Ausgangsbeschränkungen sorgen in vielen Familien für eine ungewohnte Situation, in der man sich kaum noch aus dem Weg gehen kann. Laurence Bouquet, Koordinatorin der Dienststelle „Riicht Eraus“ des Roten Kreuzes, rechnet deshalb wie andere Professionelle im Bereich der Gewaltprävention und Schutz von Familienmitgliedern mit einer Zunahme der Fälle von familiärer Gewalt. Umso wichtiger ist deshalb ihr Aufruf, sich bei der Anlaufstelle für gewalttätige Menschen zu melden. „Sie sind nicht alleine“, sagt Bouquet. Ihre Botschaft: Männer und Frauen, die riskieren, gewalttätig zu werden oder es bereits wurden, sind in der jetzigen Situation nicht alleine. Und sich helfen zu lassen ist „ein Zeichen von Stärke“, so Bouquet. Wer sich bei „Riicht Eraus“ meldet, werde nicht beurteilt und die Gespräche vertraulich behandelt.

Wie genau sich die jetzige Situation auf die Fälle von familiärer Gewalt auswirken wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Bouquet weist darauf hin, dass es sich um ein Tabuthema handelt und die Selbstüberwindung Zeit braucht. Zudem stellt sich die Frage, wieviele Fälle tatsächlich aufgedeckt werden. Laut Andrée Birnbaum, Direktorin von „Femmes en détresse“, werden die Beratungsdienste für Opfer von häuslicher Gewalt derzeit noch nicht stärker beansprucht. Jedoch deuteten alle Zeichen darauf hin, je länger die derzeitige Situation anhält. Sie erinnert daran, dass auch angesichts der Ausgangsbeschränkungen niemand dazu verpflichtet ist, in einer Gewaltsituation zu verbleiben. „Wenn das Haus brennt, bleibt man ja auch nicht drinnen sitzen“, mahnt sie. Bouquet und Birnbaum erinnern daran, dass die Anlaufstellen für Situationen von familiärer Gewalt wie auch die Prozedur der Wegweisungen durch die Polizei weiter erreichbar sind beziehungsweise weiter funktionieren.


Kontaktdaten:

Riicht Eraus: Tel.: 27 55-5800 oder per Mail

an riichteraus@croix-rouge.lu

Femmes en Détresse: Rund um die Uhr kann

organisation@fed.lu angeschrieben werden.

Überblick über die telefonischen Konsultationen

unter tinyurl.com/FEDcontact

Wenden kann man sich aber auch an die „Fondation Maison

de la Porte Ouverte“: 406001-310 (Frauen in Not)

und 406001-313 (Elterntelefon)

Für Männer in Not steht auch infoMann bereit: 274 965