LUXEMBURG/THARKAD
DANIEL 'VULTURE' OLY

Die Rückkehr des „BattleTech“-Universums und der „MechWarrior“ ist geglückt

Die letzten Einzelspieler-Titel mit den „BattleMech“ genannten Kampf-Robotern kamen 2001 auf den Markt, dazwischen kam nur ein mehr oder weniger (miss)glückter Online-Spross. Die Giganten des Simulations- und Strategiegenres waren praktisch ausgestorben - bislang. Denn mit dem ab sofort erhältlichen Rundenstrategie-Kracher „BattleTech“ melden sich die Roboter und ihr Universum eindrucksvoll zurück.

Dank einer Vorab-Version konnte das „Journal“ seine Piloten schon eine Woche verfrüht für einen Testeinsatz bereit machen. Seitdem wurden ein paar Millionen „C-Bills“ (die Währung des „BattleTech“-Universums) gescheffelt, mehrere Missionen erfolgreich erledigt, unzählige feindliche Kampfroboter zerstört und die ein oder andere knifflige Situation entschärft. Der vorherrschende Eindruck: „BattleTech“ ist genau das, worauf Fans seit Jahren gewartet haben. Sehr, sehr gut.

Rundenstrategie vom Feinsten

Aber erst mal auf Anfang: Die Spieler übernehmen die Rolle eines „MechWarriors“, also eines Kampfpiloten, der die Geschicke einer kleinen Söldnereinheit lenken muss. Neben seinem eigenen Kampfroboter sind die Spieler also auch für das Wohlbefinden der anderen Crewmitglieder verantwortlich. Neben der Rundenstrategie-Phase, die bei den Kampf-Einsätzen auf den unterschiedlichen Planetenoberflächen stattfindet, gibt es so auch noch ein zweites, allein stehendes Spiel: Die Verwaltung der Söldnertruppe. Vom Ausbau des Transportschiffs über das monatliche Budget bis hin zur Wahl der nächsten Mission haben Spieler volle Kontrolle darüber, was als Nächstes passieren soll.

Das bedeutet etwa, dass mit den Auftraggebern über die Bezahlung verhandelt werden will - oder die Ausrüstung der eigenen „Mech“-Flotte beschlossen werden muss. Lohnt es sich, den teuren schweren „Mech“ für einen leichten Job mitzunehmen? Oder doch eher den ohnehin reparaturbedürftigen kleinen Flitzer? Da jedes „Mech“-Modell andere Stärken und Schwächen hat, will die Wahl des jeweiligen Piloten wohl überlegt sein. Gute Schützen steckt man besser in „Mechs“, die für Deckungsfeuer sorgen sollen, während geübte, waghalsige Piloten eher in den kleinen, wendigen leichten „Mechs“ unterwegs sein sollten.

In den Gefechten schließlich geht es abwechselnd in Kampfrunden zur Sache. Die schnelleren, kleineren „Mechs“ sind zuerst dran, die behäbigen marschierenden Panzer entsprechend später. Dann gilt es, sich und seine wandelnde Waffenplattform in Position zu bringen, um dem Gegner eins auszuwischen. Je weiter sich ein „Mech“ in einer Runde bewegt hat, desto schwerer wird es, ihn mit einem Angriff zu treffen. Das Spielprinzip ist leicht zu erlernen, aber schwer zu meistern. Hinzu kommen spezielle Umweltbedingungen: Auf einer kalten Planetenoberfläche überhitzen die „Mechs“ nicht so schnell, in Wüsten hingegen schon. Auch darauf gilt es, zu achten.

Hinter dieser normalen Rundenstrategie-Oberfläche, bei der sich die „Mechs“ auf den liebevoll gestalteten Karten abwechselnd bewegen und einsetzen lassen, steckt ein komplexes System mit Regeln und Grenzen: Die unterschiedlichen Waffensysteme haben ganz eigene Einsatzbereiche, vom leichten Laser über schwere Maschinenkanonen bis hin zu Langstrecken-Raketen. Auf all diese Faktoren muss der Spieler achten, wenn die Söldnertruppe ihre riskanten Einsätze überleben soll. Und das sollte sie, denn die Crewmitglieder wachsen an ihren Herausforderungen: Ähnlich wie bei einem Rollenspiel können die Piloten durch gesammelte Erfahrung aufsteigen, ihre Werte verbessern. Da schmerzt es doppelt, wenn der teuer reparierte „Mech“ funkensprühend explodiert.

Herzblut und Fan-Service für Liebhaber

Heraus gebracht wurde „BattleTech“ von den Programmierern des Studios „Harebrained Schemes“, die bereits das „Shadowrun“-Universum in inzwischen drei Spielen auf den Rechner brachten. Das ist deshalb bedeutend, weil mit „Harebrained“-Boss Jordan Weisman niemand geringeres das Szepter schwingt, als der Erfinder des „BattleTech“-Universums höchstselbst. Dementsprechend steckt sehr viel liebevolle Detailarbeit im neuen Strategie-Kracher: Viele Mechanismen wie die Charaktergenerierung oder die Rollenspiel-Elemente beim Erfahrungssystem mit den „Mech“-Piloten erinnern deshalb beispielsweise stark an das „BattleTech“-Rollenspiel. Langjährigen Fans schlagen jedenfalls die Herzen höher.

Das hat Methode: „BattleTech“ startete wie die anderen „Harebrained“-Spiele ursprünglich als Schwarmfinanz-Produkt auf der Plattform „Kickstarter“. Deshalb sprach der neue Titel ohnehin von Anfang an die Liebhaber des Genres und des Settings an. Knapp 2,7 Millionen Dollar kamen zusammen. Dass das kleine Studio vor ein paar Monaten den großen Publisher „Paradox“ gewinnen konnte, ist ein zusätzliches Plus. Für Fans wird es damit wohl ein gutes Jahr: Ein neues „MechWarrior“ samt Einzelspielerkampagne steht auch schon in den Startlöchern. Und mit „BattleTech“ ist schon mal der erste große Wurf gelungen. Die „Mechs“ sind zurück!

Ab sofort erhältlich für 39,99.