LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Quartier „Stade“: Nach dem Vorentscheid der Jury ist jetzt Bürgerbeteiligung gefragt

Gestern war es soweit: Zum ersten Mal bekam die Öffentlichkeit städtebauliche Projekte für die Gestaltung des „Wunnquartier Stade“ in der Hauptstadt zu sehen. Im Bürgerzentrum der Stadt Luxemburg können sich interessierte Bürger noch bis zum 1. Februar sieben ausgewählte Städtebaukonzepte anschauen und direkt vor Ort auf einem einfachen Fragebogen Stellung dazu beziehen und selbst konkrete Vorschläge zur Umgestaltung des neuen Stadtviertels machen.

Das „Journal“ berichtete schon mehrfach über die besondere Situation an der Arloner Starße und die Pläne der Stadt. Die Faktenlage: Nach der Inbetriebnahme des neuen Fußballstadions zwischen Cloche d’Or und Kockelscheuer kann das Stadion Josy-Barthel abgerissen werden, außerdem ziehen der Hygienedienst der Stadt (2024) und die Wache der Berufsfeuerwehr (2021) an neue Standorte. An der Arloner Straße wird somit Bauland frei, das sich zum allergrößten Teil im Besitz der Stadt Luxemburg befindet. Einige Gebäude, wie der historische Pferdestall des Hygienedienstes, sollen erhalten bleiben.

Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer stellte schon 2018 fest, dass dem Wohnungsbau „absoluter Vorrang“ eingeräumt wird. Ihren Vorstellungen nach sollten dort neben den Wohnungen Geschäfte, Sportanlagen, Grünflächen und Begegnungsplätze geschaffen werden. Im Mai 2019 hatten Lydie Polfer und Bautenschöffe Serge Wilmes den Start eines europaweiten Ideenwettbewerbs für Stadtplaner verkündet.

Gestern wurde dann das Ergebnis vorgestellt: Aus den 35 eingereichten Entwürfen wurde sieben von der Jury einstimmig ausgewählt. Polfer lobt die Qualität aller Einreichungen und die außerordentlich gute Zusammenarbeit der Jury. Sie betonte mehrfach die Einstimmigkeit aller Entscheidungen. Die sieben ausgewählten Stadtplanungsentwürfe für das Quartier „Stade“ sind einerseits sehr unterschiedlich, andererseits gibt es aber auch „mentale“ Gruppenbildungen: Zwei der Entwürfe wollen das Gelände des Stadions als Grünfläche behalten, zwei andere setzen auf einen zentralen Park quer durch das Viertel, andere bevorzugen kleinteiliges, quasi privates Grün.

Allen Entwürfen ist aber gemeinsam, dass sie die Vorgaben des Wettbewerbs im Vergleich zwar gut, aber nicht zur vollen Zufriedenheit der Jury erfüllt haben. „Kein Entwurf kann eins zu eins übernommen werden.“ Neben jedem der - immer noch anonymisierten - Entwürfe im Bürgerzentrum hängt eine Liste mit pro und contra der jeweiligen Planung.

Nach Auswertung der Bürgerbefragung wird der städtebauliche Wettbewerb im März in seine zweite Phase gehen. Die sieben ausgewählten Planungsbüros, deren Anonymität erst dann aufgehoben wird, sollen dann ihre Entwürfe unter Einbindung der Vorschläge von Stadtverwaltung und Bürgern anpassen und konkretisieren. Diese Arbeiten sollen bis September 2020 abgeschlossen sein, am Jahresende erfolgt dann die Kür des besten Entwurfs. Aufgrund dieses Projektes erfolgt dann die Ausarbeitung eines Teilbebauungsplans (PAP), der durch den Stadtrat verabschiedet werden muss. Dass Bauvorhaben muss so angelegt sein, dass es sich verschiedenen Phasen realisieren lässt. Eines stellte die Hauptstadtbürgermeisterin klar, die Mehrheit des Baulands befindet sich in den Händen der Stadt Luxemburg, das soll auch so bleiben. Im östlichen Bereich des Planungsgebiets ist ein Franziskanerinnen-Orden, der auch in der Jury vertreten ist, ein weiterer relevanter Grundeigentümer. Die Stadt Luxemburg wird ihr Bauland nicht veräußern. Es ist zu vermuten, dass die Bauparzellen per Erbpacht vergeben werden.