LUXEMBURG
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Neue Studie über den ökologischen Fußabdruck des Landes liegt vor

Würde jeder Erdbewohner so leben wie die Luxemburger, bräuchte die Menschheit nicht einen, sondern acht Planeten um ihren Ressourcenbedarf zu decken.  Das geht jedenfalls aus einer Studie des „Institut fir biologësch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg“ zum ökologischen Fußabdruck des Landes im Auftrag des „Conseil supérieur pour un développement durable“ hervor. Sechs Monate wurde an dem komplexen Unterfangen auf Basis von Statistiken aus dem Jahr 2018 gearbeitet, die Daten für die Messung nach den Kriterien des „Global Footprint Networks“ zusammenzutragen. Rund 2.000 Datenpunkte müssen berücksichtigt werden. Das erklärt, weshalb solche Studien nur alle paar Jahre durchgeführt werden können. Die erste geht auf 2010 zurück, die zweite auf 2013.

Der „Globale Hektar“

Ein zentrales Konzept bei dieser Messung ist der sogenannte „Globale Hektar“, der einem Hektar mit weltweit durchschnittlicher biologischer Produktivität entspricht. Luxemburg bräuchte 7,8 Millionen globale Hektar, 13 gha pro Kopf. Hochgerechnet auf die Weltbevölkerung kommt man so auf die zuvor genannten acht Planeten. An 7,75 gha ist der Verbrauch von Energien schuld. Der „Food Foodprint“ wird auf 2,09 gha berechnet. Noch ein paar weitere Zahlen: Im Vergleich zu 2008 ist der Bedarf Luxemburgs an Agrar- und Waldfläche um etwa 1,1 Millionen gha und somit um 155 Prozent gestiegen und die notwendige Karbon-Kompensierungsfläche um 25 Prozent. Derweil hat die „Biokapazität“, also die Fähigkeit der Ökosysteme zur Erneuerung der Biomasse, um 10 Prozent abgenommen.

Das Berechnungsmodell stößt aber besonders bei kleinen Ländern wie Luxemburg an seine Grenzen. Zumal das Großherzogtum einige Besonderheiten aufweist, wie den hohen Anteil von Grenzgängern auf seinem Arbeitsmarkt, die natürlich auch in Luxemburg selbst konsumieren. Die Methodologie des „Global Footprint Network“ rechnet auch den Verbrauch einiger energieintensiver Industrien wie Reifen und Stahl Luxemburg zu, aber auch die Dienstleistungen die exportiert werden, sowie den Energieverbrauch des Logistik-Sektors. Andererseits trägt der ökologische Fußabdruck etwa dem Landverbrauch, dem Biodiversitätsverlust, der begrenzten Verfügbarkeit von Trinkwasser oder dem rasanten Bevölkerungswachstum keine Rechnung.

Aber wie man es auch dreht und wendet: für Romain Poulles, den derzeitigen Präsidenten des 2004 gegründeten Nachhaltigkeitrats, der als Diskussionsforum und „Think Tank“ die nationale Politik der nachhaltigen Entwicklung mit begleiten soll, zeigt der „ökologische Fußabdruck“ erneut deutlich, dass Luxemburg über seine Verhältnisse lebt und andere Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle hermüssen, damit sich das ändert. Wobei der Multiunternehmer, der dem CSDD bereits seit 2016 angehört, bemerkt: „Es reicht nicht, Umweltpolitik mit dem erhobenem  Zeigefinger zu machen,  sondern man muss auch glaubwürdige Alternativen anbieten können“. Und das ohne die Lebensqualität der Bürger zu schmälern. Für Poulles steckt etwa viel Potenzial in der sogenannten „sharing economy“. Aus einer Studie sei hervorgegangen, dass durchschnittlich 3.000 Gegenstände in jedem Haushalt zu finden sind und nur der kleinste Teil davon regelmäßig benutzt wird. Auch Autos stünden die meiste Zeit nur rum und brauchen Platz. Weshalb sollte man sie nicht teilen und von jemand anders nutzen lassen, die sie gerade brauchen?

Eine Wachstumsdebatte

Die Studie zum ökologischen Fußabdruck liefert bereits einige Lösungsansätze mit (siehe unten), aber der Nachhaltigkeitsrat will noch einen Schritt weiter gehen in der Feinanalyse verschiedener Ergebnisse. Als Beispiel führt Romain Poulles etwa die Feststellung an, dass Luxemburg dreimal so viel Papier verbraucht wie andere Länder. Was dahinter stecke, wisse man nicht genau, wolle dem und anderen Fragen aber im Verbund mit den „stakeholdern“ – führenden Kräften aus Wirtschaft, Politik und dem  Sozialbereich  - auf den Grund gehen. Ziel sei es, die Feinanalyse und die dazu gehörende Diskussion über Lösungsansätze  bis Ende des Jahres abgeschlossen zu haben, damit die Resultate vorliegen, wenn die Arbeiten an der Steuerreform richtig in Angriff genommen werden. Anfang 2021 will der CSDD die Themen dann auch in der breiten Öffentlichkeit zur Sprache bringen. Ebenfalls in den kommenden beiden Jahren möchte der Nachhaltigkeitsrat einer neuen Wachstumsdebatte Auftrieb leisten.  An deren Ende werden die nächsten Wahlen wohl schon in Sicht sein...

Mehr: www.csdd.lu