LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Multiplan-Prozess: Flugzeug und Bilder sollen beschlagnahmt werden

Zumindest was die Staatsanwaltschaft angeht, ist es der juristische Schlussakt eines Millionenskandals in Esch/Alzette, der weit über die Grenzen Luxemburgs hinausgeht.

Mit Schwung fuhr die Staatsanwaltschaft gestern mit ihrem Plädoyer fort. Mit dubiosen Methoden hätte der 67-jährige Ex-Geschäftsführer von Multiplan Group SA, Cornelius E., die Immobiliengeselschaft Multiplan SA. geführt. Doch am Ende hätte er durch seine dubiosen Machenschaften alle in die Tiefe gerissen. Fast zehn Jahre später stand der Angeklagte vor der 12. Strafkammer des Bezirksgericht Luxemburg. Der Staatsanwalt sprach von einer „montage perfide.“ Wie es in der Anklageschrift heißt, habe der Mann zwischen 2007 und 2009 zwischen 20 und 27 Millionen Euro abgezweigt, indem er unter fadenscheinigen Methoden unter anderem auch Posten falsch verbucht hatte. Ein Teil des Geldes zweigte er zu seinen Gunsten ab, durch Manipulationen und massive Täuschung sei großer Schaden entstanden.

Zwischen 20 und27 Millionen Euro abgezweigt

Die Staatsanwaltschaft beantragte gestern die Beschlagnahmung des Flugzeugs, des Helikopters und der Bilder bekannter Maler, die E. mit Geldern von Multiplan gekauft hatte. Das Geld, das auf Bankkonten gefunden wurde - unter anderem 17 Millionen Euro - soll beschlagnahmt werden.

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitstrafe von sieben Jahren und eine bedingte Geldstrafe von 10.000 Euro. Ob der Beschuldigte die Zivilforderungen seitens der Nebenkläger anerkennt, ist nicht bekannt.

Auf die Frage des Ex-Anwaltkammervorstehers Rosario Grasso hin, warum E. sein Haus in Holland 2000 weit unter dem Preis an eine Freundin und deren zwei Söhne verkauft hatte (950.000 Euro), blieb E. eine Antwort schuldig. Das Haus wurde 2009 für drei Millionen verkauft. Die Frau saß mit ihren zwei Söhnen im Verwaltungsrat von Multiplan SA..

Danach plädierten die Anwälte. Interessiert folgte der ehemalige Untersuchungsrichter und heutige Anwalt André Lutgen im Gerichtssaal den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, Lutgen hat die Verteidigung des einstigen Geschäftsführers übernommen. Zuerst ging Lutgen auf die Buchhaltung ein. Diese sei von den Polizisten wegen Übersetzungshindernissen nicht analysiert worden. Die Anschuldigungen, dass es keine Buchhaltung gegeben habe, hält er für absurd. „Wenn die Anklage recht hätte, wären solche Geschäfte für einen einzigen Mann per se unmöglich“, sagt Lutgen, der auch über die Strategie der SNS Bank sprach, wo alle Fehler ausgenutzt wurden. Um die SNS-Bank vor dem Zahlungsausfall zu bewahren, wurde die Bank am 1. Februar 2013 von der niederländischen Regierung verstaatlicht. Eine Mitarbeiterin von SNS Property Finance (SNSPF), Hetty van de Laar, hatte 2013 ein Buch über den Untergang der SNS-Bank in den Niederlanden veröffentlicht. In „Der Untergang der SNS-Bank“ zeigt van de Laar auf, wie eine kriminelle Organisation innerhalb der SNS jahrelang aktiv war und die beteiligten Leute die Bank hinterhältig kippten. Schließlich war van der Laar gezwungen, den Skandal der niederländischen Agentur für Betrugsbekämpfung FIOD zu melden; eine Aussage, die zu einer groß angelegten Untersuchung mit zahlreichen Verhaftungen führte, sagte der Anwalt aus.


Der Strafprozess kann bei dem komplexen Sachverhalt und den Plädoyers noch
zwei Verhandlungen andauern -
der Prozess wird heute fortgesetzt