LUXEMBURG
GERHARD KLUTH

John Cage steht im Mittelpunkt der rainy days 2012

Vor 100 Jahren erblickte in Los Angeles John Cage das Licht der Welt, vor 20 Jahren verstarb er in New York im Alter von 79 Jahren. Für manchen Musikfreund ist er der bedeutendste Komponist des 20. Jahrhunderts, für andere der größte Scharlatan. Die einen vergöttern ihn, die anderen verdrehen nur die Augen und fragen, wenn sie seine Kompositionen hören: was soll das?

Da ist beispielsweise seine Komposition 4’33‘‘, die 1952 uraufgeführt wurde. Ein Werk, bei dem, zumindest klanglich, 4 Minuten und 33 Sekunden nichts passiert. Es gibt zwar eine gedruckte Partitur, jedoch steht bei jedem der drei Sätze lediglich ein „Tacet“, also die Anweisung, dass der ausführende Musiker hier zu pausieren hat. Auch hat Cage es offen gelassen, in welcher Besetzung 4’33‘‘ auszuführen ist. Bei der Uraufführung war es ein Pianist, aber es kann auch ein ganzes Sinfonieorchester sein, das dieses Opus (nicht) zum klingen bringt.

Uraufführung mit Vadim Karassikov

Bei den rainy days 2012 vom 24. November bis zum 2. Dezember in der Luxemburger Philharmonie steht Cage im Mittelpunkt des Geschehens. Bei allen Konzerten werden Werke von Cage oder aber Kompositionen mit einem Bezug zu Cage aufgeführt. Auf der gestrigen Pressekonferenz stellten Intendant Matthias Naske und Philharmoniedramaturg Bernhard Günther das Programm vor und verfielen dabei von einem Superlativ in den nächsten. Insgesamt werden 500 Musiker bei dieser achten Ausgabe der rainy days auf dem Kirchberg beteiligt sein, die Musik von 78 Komponisten zu Gehör bringen. 27 Werke werden erstmals erklingen.

Beim Eröffnungskonzert, gestaltet vom OPL, steht neben 4’ 33‘‘ auch die Komposition „Postcard from Heaven“ auf dem Programm. Gespielt wird es in der Maximalbesetzung von 20 Harfen. Als Kooperationspartner konnte das Grand Théâtre gewonnen werden, in dem die Konzertserie am 29. November zu Gast ist.

Unter der Überschrift „A Liquid Room for John Cage“ gibt es dort drei Stunden Musik von Bach bis Cage ohne Pause. Günther: „Ein Problem bei moderner Musik sind häufig die Umbaupausen zwischen den Stücken. Dies wird es im Grand Théâtre nicht geben. Gespielt wird dort auf vier Bühnen, teilweise gleichzeitig. Die Besucher sitzen auf Papphockern und während der ganzen Zeit wird eine Bar geöffnet sein. Am 1. Dezember gibt es um 20.00 einen Abend mit „Living Room Music“ im Studio Lucilin in der rue de Strasbourg.

Das Ensemble Lucilin lädt dazu in sein Wohnzimmer, wo es unter anderem die Uraufführung eines Werkes von Marcel Reuter geben wird, das an Ort und Stelle komponiert wird.

Höhepunkt des Festivals wird der 2. Dezember sein, wenn die Philharmonie zu einem Tag der offenen Tür einlädt. Von 15.00 bis 22.00 werden von 400 Musikern 68 Konzerte und Performances angeboten. Unter anderem gibt es Musik für Toy Piano. Musik, die im Rahmen des „Toy Piano World Summit“ eigens für Spielzeugklaviere komponiert und teilweise hier uraufgeführt wird. Bei der Präsentation war Günther die Begeisterung an den rainy days anzumerken. Besonders stolz war er darauf, dass mit Vadim Karassikov ein Komponist aus dem Ural eingeflogen wird, damit er bei der Uraufführung seines Werkes „The Absent“ am 25. November anwesend sein kann.

Es wird also eine aufregende Woche für alle Freunde der zeitgenössischen Musik. Da kann man nur wünschen, dass die Überschrift trägt: Good luck, rainy days.
www.rainydays.lu