MARC GLESENER

Das war es also, das Doping-Geständnis der lebenden Radlegende Lance Armstrong. Ohne die helfenden Substanzen aus der Pharmatüftelkiste hätte es keinen der sieben Tourerfolge gegeben. Basta. Klarer geht’s nicht. Im perfekt arrangierten TV-Interview gibt Armstrong den Aufklärer in eigener Sache. Damit hat er, so sehe ich es jedenfalls, TV-Geschichte geschrieben.

Es sei der absolute Wille zum Sieg gewesen, der ihn regelrecht getrieben habe, sagt der Mann. Angespornt zum Lügen und Betrügen. Erschreckend. Und irgendwie auch der Gnadenstoß für einen Sport, in dem mittlerweile alle Aktiven unter Generalverdacht stehen. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil diejenigen, die kontrollieren sollten, ihren Job nicht machten.

Sie kam spät, die Reue des Herrn Armstrongs. Aber sie kam. Er steht zu seinen Fehlern und allen miesen Tricks, die ihn nach oben brachten. Sicher hatte er irgendwie gar keine andere Wahl mehr. Und ja, das Geständnis ist vermutlich Bestandteil einer professionell und medienwirksam inszenierten Kampagne, die (auch finanziell) retten soll, was noch zu retten ist. Aber eins bleibt: Der Mann gibt zu, was er falsch gemacht hat.

Diese Haltung ist im öffentlichen Leben, dazu gehört natürlich auch das politische, eher die Ausnahme. Statt einfach die Wahrheit zu sagen, ungeschönt, wird meist gekonnt vom eigentlichen Problem abgelenkt. Es wird relativiert, interpretiert und laviert. Und die Wahrheit dringt (wenn überhaupt), man denke an allerlei rezente Affären und Affärchen, oft nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit.

Ein bisschen Lance Armstrong, ein Stück mehr Mut zur Wahrheit, das täte auch Politik und Politikern gut. Denn Siege im Sport oder bei Wahlen verpflichten. Und das lange über das Datum des Erfolgs hinaus.